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Die Ärztin von Lakros Roman von Lewin, Waldtraut (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.08.2015
  • Verlag: EDITION digital
eBook (PDF)
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Die Ärztin von Lakros

Eine kleine griechische Insel gerät durch einen Goldfund zur Römerzeit ins Zentrum der politischen Intrigen von Anrainerstaaten des Mittelmeeres. Auf dieser Insel fanden die letzten Überlebenden des Sklavenaufstandes unter Spartacus 30 Jahre lang eine Zuflucht und neue Heimat. Besonders die kluge Ärztin Leukratis steht beim König und gleichermaßen bei dem Volk der Insel in hohem Ansehen. Mit List und Königsmord gelangt die Insel in die Hände der Römer, Leukratis wird zur römischen Staatssklavin erklärt. Das Schicksal ihrer Tochter kann man in dem Roman 'Die stillen Römer' nachlesen. In dem Roman 'Die Ärztin von Lakros' erfährt man, wie Auletes und Flavilla aus Lewins Roman 'Herr Lucius und sein schwarzer Schwan' den Sklavenaufstand überstanden haben. LESEPROBE: Der Schütze? Ein Unbekannter, nicht von der Insel. Leider nicht mehr zu befragen. Der junge Römer Gaius Arruntius, der sich zufällig in der Nähe befand, habe den Mörder in berechtigter Empörung erdolcht. Voreilig, sicher eine Affekthandlung. Der Legat habe ihn schon entschuldigt. Ob Tyro das glaubt? fragt sich die Ärztin. Sesostris öffnet die Augen nicht, als sie eintritt. Er sagt zu seinem Gefolge: 'Das ist mein Leibarzt, ich höre es am Hinken. Geht.' Sein Gesicht ist nass von Schweiß. Der Schmerz strafft seine verquollenen Züge und gibt ihnen die Unschuld des Todes. Man hat den Pfeilschaft eine Handbreit über seiner Brust abgebrochen. Das von Blut umkrustete zersplitterte Stück Holz ragt aus seinem Scharlachgewand wie ein possenhaftes Requisit. Sein Atem geht flach und schnell. Leukotris kennt solche Verwundungen, sie hat viele dergleichen gesehen. Da ist keine Rettung, nur Zeit zu gewinnen. Sie fühlt seinen Puls. 'Nun Archiater?' 'Majestät, du musst sterben.' Der Anflug eines Lächelns auf dem vom Schmerz gezeichneten Gesicht. 'Das dachte ich mir.' Er spricht leise, aber ganz deutlich. 'Nun brauchst du mich nicht mehr umzubringen.' Sie legt seinen Arm auf das Bett zurück. 'Die Insel Lakros und die Gute Göttin sind meine Zeugen, dass ich dich nicht umgebracht hätte.' 'Und eben das war sehr unklug von dir. Sehr sentimental. Weiter. Was ist mit mir?' 'Ich kann diesen Pfeil nicht schneiden, weil ich die in deinem Körper gelegenen Lebensquellen mit dem Messer treffen würde. Wenn ich ihn herausziehe, zerreißt die Spitze dein Gewebe, und du verblutest. Das geht ziemlich schnell. Wenn ich ihn in deinem Leib lasse, lebst du noch am längsten. Vielleicht bis morgen früh. Oder sogar bis zum Abend.' geboren in Wernigerode (Harz), Studium der Germanistik, Latein und Theaterwissenschaften an der Humboldt-Universität Berlin (Ost) sowie der Freien Universität Berlin (West). 1961 bis 1973 Dramaturgin am Landestheater Halle im Team von Generalmusikdirektor Horst-Tanu Margraf, Regisseur Heinz Rückert und Bühnenbildner Rudolf Heinrich. In dieser Zeit Bühnenfassungen und Übersetzungen von 16 Händel-Opern aus dem Italienischen. 1973 bis 1977 Dramaturgin und Opernregisseurin am Volkstheater Rostock. Erster Roman "Herr Lucius und sein schwarzer Schwan", erschienen 1973 beim Verlag Neues Leben, Berlin. Seit 1977 freiberuflich. Seitdem ca. 60 veröffentlichte Buch-Titel, darunter 12 gemeinsam mit Tochter Miriam Margraf, über 20 Hörspiele für Kinder und Erwachsene, Reisebücher, Filmdrehbücher, Libretti für zwei Rockopern, Publikationen in Zeitschriften, Anthologien, Periodika, Rezensionen und Feuilletons in Tageszeitungen. Auszeichnungen 1970 Händelpreis der Stadt Halle 1978 Lion-Feuchtwanger-Preis der Akademie der Künste der DDR 1988 Nationalpreis der DDR

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 381
    Erscheinungsdatum: 01.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783956554407
    Verlag: EDITION digital
    Größe: 2010 kBytes
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Die Ärztin von Lakros

Der Schütze? Ein Unbekannter, nicht von der Insel. Leider nicht mehr zu befragen. Der junge Römer Gaius Arruntius, der sich zufällig in der Nähe befand, habe den Mörder in berechtigter Empörung erdolcht. Voreilig, sicher eine Affekthandlung. Der Legat habe ihn schon entschuldigt. Ob Tyro das glaubt? fragt sich die Ärztin. Sesostris öffnet die Augen nicht, als sie eintritt. Er sagt zu seinem Gefolge: 'Das ist mein Leibarzt, ich höre es am Hinken. Geht.' Sein Gesicht ist nass von Schweiß. Der Schmerz strafft seine verquollenen Züge und gibt ihnen die Unschuld des Todes. Man hat den Pfeilschaft eine Handbreit über seiner Brust abgebrochen. Das von Blut umkrustete zersplitterte Stück Holz ragt aus seinem Scharlachgewand wie ein possenhaftes Requisit. Sein Atem geht flach und schnell. Leukotris kennt solche Verwundungen, sie hat viele dergleichen gesehen. Da ist keine Rettung, nur Zeit zu gewinnen. Sie fühlt seinen Puls. 'Nun Archiater?' 'Majestät, du musst sterben.' Der Anflug eines Lächelns auf dem vom Schmerz gezeichneten Gesicht. 'Das dachte ich mir.' Er spricht leise, aber ganz deutlich. 'Nun brauchst du mich nicht mehr umzubringen.' Sie legt seinen Arm auf das Bett zurück. 'Die Insel Lakros und die Gute Göttin sind meine Zeugen, dass ich dich nicht umgebracht hätte.' 'Und eben das war sehr unklug von dir. Sehr sentimental. Weiter. Was ist mit mir?' 'Ich kann diesen Pfeil nicht schneiden, weil ich die in deinem Körper gelegenen Lebensquellen mit dem Messer treffen würde. Wenn ich ihn herausziehe, zerreißt die Spitze dein Gewebe, und du verblutest. Das geht ziemlich schnell. Wenn ich ihn in deinem Leib lasse, lebst du noch am längsten. Vielleicht bis morgen früh. Oder sogar bis zum Abend.' 'Du meinst, ich sterbe am langsamsten. Und die Schmerzen?' 'Bei dieser letzten Art wirst du die stärksten Schmerzen haben.' 'Stärker als jetzt?' 'Viel stärker.' Seine Hand fährt nach dem Holz in seiner Brust, aber Leukotris packt sein Gelenk, ehe sie das Ziel erreicht, und er ist zu schwach, sich zu wehren. 'Ich dachte nicht, dass du feige bist. Lebe. Der Archiater des Königs hat das Leben der Majestät zu bewachen. Jede Sekunde, die ich retten kann, werde ich retten. Leben ist alles, sei es auch in Qualen. Lebe.' Der König stöhnt. 'Ist das deine Rache, Leukotris?' 'Wenn ich rachsüchtig wäre, könnte ich andere Dinge tun. Lebe, König.' Er wird fahler. Sie stampft mit dem Fuß, ruft nach Kampfer und Essenzen. - Seine Ohnmacht vergeht. Sie gibt eilige Anweisungen an Tyro und Sarmatis; den und den Trank, dieses Elixier; reibt ihm Schläfen und Pulse, flößt ihm ein, was die Schmerzen lindert. Belebt öffnet er die Augen - schwarze Brunnenschlünde in dem zerklüfteten Gesicht. 'Gut, ich will leben. Es gehört zum Spiel.' Die anderen gehen. Leukotris sitzt neben seinem Bett, das Gelenk zwischen Daumen und Zeigefinger, wachsam. 'Rede mit mir.' 'Über was willst du, dass ich rede, König Sesostris?' 'Worüber wir immer sprachen - über Politik. Du warst mein einziger Ratgeber, Archiater.' 'Nur, dass du meinen Rat nie befolgtest.' Er lacht und stöhnt. 'Darf ich denn reden?' 'Wenn es nicht schmerzt ...' 'Etwas. Nicht so wie Lachen.' 'Was sollte es auch zu lachen geben?' 'Sag das nicht, medica. Da ist mehr Posse dabei, als du denkst.' 'Ich denke, Fast Göttlicher, dass du dir für eine Posse zu schade warst. Aber ein großer Spieler warst du und gibst erst auf, wenn du gezwungen wirst, sonst Zug um Zug bis zuletzt.' 'Was steckt hinter solchen Reden, Ärztin?' 'Nichts Besonderes.' 'Also?' 'Wie siehst du die Lage?' Sesostris schließt die Augen. Erneut treten dicke Schweißperlen auf die Stirn, die Nase, die Oberlippe. Der Archiater trocknet ihm behutsam das Gesicht, gibt dem Sterbenden zu trinken. 'Besser?' 'Ja. Die Lage. Rom hat die Lust verloren und war dafür, das Spiel zu beenden.' 'Welches Spiel?' 'Dass ein kleiner Inseldespot monatelang die Weltpolitik durcheinanderbrachte. Dass man ihnen auf Lakros auf der Nas

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