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Die andere Seite des Himmels Roman von Walls, Jeannette (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.11.2013
  • Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
eBook (ePUB)
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Die andere Seite des Himmels

Kalifornien 1970. Bean Holladay und ihre älteste Schwester Liz sind Teenager, als ihre geniale Mutter mal wieder von der Bildfläche verschwindet. Für die Mädchen zunächst nicht weiter beunruhigend. Sobald Probleme am Horizont auftauchen, ergreift ihre Mutter die Flucht. Doch dieses Mal scheint die Sache ernst zu sein ... Nachdem die Fürsorge bei den Mädchen auftaucht, wissen sie, dass sie sich schnellstens aus dem Staub machen müssen. Mutterseelenallein legen sie den langen Weg nach Byler, Virginia, zurück, dem Heimatort ihrer Mutter. Dort betreten sie eine Welt, die anders ist als alles, was sie bisher erlebt haben. Sie lernen ihren verschrobenen, aber liebenswerten Onkel Tinsley kennen, erfahren erstmals, dass ihre Mutter aus einer wohlhabenden Familie stammt, und erkunden staunend das familieneigene Anwesen. Bean und Liz gefällt es in ihrer neuen Umgebung, sie merken jedoch bald, dass sie in dem konservativen Ort zuweilen anecken. Und weil sie sich nichts gefallen lassen, haben sie plötzlich den mächtigsten Mann der Gemeinde gegen sich. Ein mitreißender Roman über zwei mutige Mädchen, die sich gegen die Welt der Erwachsenen auflehnen.

Jeannette Walls wurde in Phoenix, Arizona, geboren. Sie studierte am Barnard College und arbeitete über zwanzig Jahre als Journalistin in New York. 2006 erschien ihr internationaler Bestseller Schloss aus Glas , der in 23 Sprachen übersetzt wurde. Eine Kinoverfilmung ist in Arbeit. Ein ungezähmtes Leben , die 2009 veröffentlichte Romanbiographie über ihre Großmutter, belegt seit Jahren die deutschen Bestsellerlisten. Walls lebt mit ihrem Mann in Virginia.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 340
    Erscheinungsdatum: 04.11.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783455812329
    Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
    Originaltitel: The Silver Star
    Größe: 790 kBytes
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Die andere Seite des Himmels

1

M eine Schwester rettete mir das Leben, als ich noch ein Baby war. Und das kam so: Mom hatte Krach mit der Familie und beschloss, mitten in der Nacht abzuhauen und uns mitzunehmen. Ich war erst ein paar Monate alt, also packte Mom mich in den Babytragesitz. Den stellte sie auf dem Autodach ab, während sie ein paar Sachen im Kofferraum verstaute, dann setzte sie Liz, die drei Jahre alt war, auf die Rückbank. Mom war damals in einer schwierigen Phase und hatte den Kopf voll – Wahnsinn, Wahnsinn, Wahnsinn, sagte sie später. Sie hatte komplett vergessen, dass ich noch auf dem Dach war, und fuhr los.

Liz fing prompt an, meinen Namen zu kreischen und nach oben zu zeigen. Zuerst verstand Mom nicht, was Liz meinte, doch dann begriff sie und stieg auf die Bremse. Der Tragesitz rutschte nach vorn auf die Motorhaube, aber da ich angeschnallt war, passierte mir rein gar nichts. Ich heulte nicht mal. Immer wenn Mom in den Jahren danach die Geschichte erzählte, die sie zum Schreien komisch fand und mit Vorliebe hochdramatisch nachspielte, sagte sie, Gott sei Dank habe Liz alle fünf Sinne beisammen gehabt, sonst wäre der Sitz im hohen Bogen runtergeflogen und mit mir wäre es aus gewesen.

Liz erinnerte sich lebhaft an die ganze Sache, aber sie fand sie nie lustig. Sie hatte mich gerettet. So eine Schwester war Liz. Und deshalb machte ich mir an dem Abend, als das ganze Chaos anfing, auch keine Sorgen, dass Mom seit vier Tagen weg war. Ich machte mir eher Sorgen wegen der Hühnerpastetchen.

Ich konnte es nicht ausstehen, wenn die Kruste von unseren Hühnerpastetchen verbrannte, aber die Uhr an unserem Minibackofen war kaputt, und deshalb starrte ich an dem Abend durch die kleine Glasscheibe vom Ofen, weil man nämlich, sobald die Pasteten anfingen, braun zu werden, aufpassen musste wie ein Luchs.

Liz deckte den Tisch. Mom war nach Los Angeles gefahren, zu irgendeinem Aufnahmestudio, wo sie für ein Engagement als Backgroundsängerin vorsingen wollte.

"Meinst du, sie kriegt den Job?", fragte ich Liz.

"Ich hab keine Ahnung", sagte Liz.

"Ich aber. Diesmal hab ich ein gutes Gefühl."

Seit wir nach Lost Lake gezogen waren, einer südkalifornischen Kleinstadt in der Colorado-Wüste, war Mom sehr oft nach Los Angeles gefahren. Meistens blieb sie dann nur ein oder zwei Nächte weg, nie so lange wie diesmal. Wir wussten nicht genau, wann sie zurückkommen würde, und weil uns das Telefon abgestellt worden war – Mom lag wegen einiger Ferngespräche, von denen sie behauptete, sie hätte sie nicht geführt, im Clinch mit der Telefongesellschaft –, konnte sie uns nicht anrufen.

Trotzdem, es war noch nicht besonders beunruhigend. Moms Karriere hatte immer ganz schön viel von ihrer Zeit in Anspruch genommen. Als wir noch kleiner waren, engagierte sie einen Babysitter oder bat eine Freundin, auf uns aufzupassen, während sie irgendwohin düste, nach Nashville oder so. Deshalb waren Liz und ich daran gewöhnt, allein zu sein. Liz hatte das Sagen, weil sie schon fünfzehn war und ich gerade erst meinen zwölften Geburtstag gefeiert hatte, aber ich war kein Kind, das behütet werden musste.

Wenn Mom unterwegs war, aßen wir immer nur Hühnerpastetchen. Ich war ganz verrückt nach den Dingern und hätte sie jeden Abend essen können. Liz meinte, wenn man dazu ein Glas Milch trank, hatte man ein Abendessen, bei dem alle vier Nahrungsgruppen vertreten waren – Fleisch, Gemüse, Getreide und Milch –, und somit waren die Pastetchen die ideale Kost.

Außerdem machte es Spaß, sie zu essen. Du kriegtest dein eigenes Pastetchen in dem hübschen kleinen Aluförmchen und konntest damit machen, was du

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