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Die Aschauer von Renner, Carl O. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.12.2014
  • Verlag: Rosenheimer Verlagshaus
eBook (ePUB)
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Die Aschauer

Aschau, Ende des 18. Jahrhunderts: Marei und Resei arbeiten schon seit Jahren in der Schmiede ihres Vaters. Sie wünschen sich nichts sehnlicher, als den Gesellenbrief für ihre guten Leistungen zu erhalten. Doch einige Bürger aus Aschau wollen nicht, dass die beiden Mädchen einen Beruf ergreifen, der bis dahin den Männern vorbehalten war. Der Bannrichter Florian Grießbeck soll vermitteln und verliebt sich in Resei. Marei lässt sich auf den Forstgehilfen Georg Pilgrim ein. Als sie schwanger wird, heiraten sie zwar, doch damit fangen die Schwierigkeiten erst an ... Carl Oskar Renner besaß die Gabe, geschichtliche Ereignisse meisterlich in romanhafter Form darzustellen, was ihm viele Auszeichnungen einbrachte. So wurde er unter anderem mit dem Sudetendeutschen Literaturpreis, dem Poetentaler der Münchner Turmschreiber und dem Bundesverdienstkreuz für sein literarisches Schaffen ausgezeichnet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 336
    Erscheinungsdatum: 19.12.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783475544132
    Verlag: Rosenheimer Verlagshaus
    Größe: 2607 kBytes
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Die Aschauer

In der Nagelschmiede

Der alte Michl klopfte hart an die schwere Eichentür des Pfarrhofs in Aschau. Als Satzmeister der Nagelschmiede durfte er sich einen Besuch beim Geistlichen des Ortes auch noch am späten Abend erlauben. Die Pfarrersköchin öffnete und wies ihn zur Schreibstube. Er war im selben Augenblick schon dorthin unterwegs und trat dort ein, ohne vorher zu klopfen, denn er war das, was die Einheimischen einen " Büffel " nennen. Kein Wunder: Er stammte aus Sachrang.

Pater Onufrius stand am Pult und las im Gebetbuch. Eine Kerze brannte, eine einzige; man musste sparen.

"Pater Onufri" - so nannten die Menschen aus der Umgebung den alten Geistlichen und betonten dabei die erste Silbe - "Pater Onufri, wir Nagelschmiede haben einen Kummer!"

"Michl, gäb's keinen Kummer, gäb's kein Leben!"

Diese pfarrherrliche Antwort schien dem Satzmeister nicht sonderlich zu behagen, und er erwiderte leicht erregt: "Unser Kummer hat mit dem Leben nix zu tun, sondern eher mit einer Sauerei!"

Pater Onufrius häufelte sich geruhsam eine kleine Pyramide Schnupftabak auf den Handrücken und sagte: "Michl!" Dann zog er das braune Pulver mit kräftigem Einschnaufen in seine Nase hinauf, nieste noch kräftiger und fächelte mit einem blauen Tuch etliche Male um die gelb unterlaufene Nase. Darauf fuhr er genüsslich fort: "Michl, auch die Sauereien gehören zum Leben!"

"Wollt Ihr mich jetzt anhören, oder soll ich gehen?"

Das war eine Antwort, wie sie sich einem Geistlichen gegenüber nicht gehörte, und der polterte los: "Depp, damischer! Dann geh doch! Oder meinst, ich hätt auf dich gewartet? Wenn du auch der Satzmeister bist, so bist du vor dem Pfarrer immer noch eine arme Seel!"

Dem Michl wurde klar, dass er sich vergriffen hatte. Er bemühte sich um einen bescheideneren Tonfall und eröffnete dann seinen Kummer, so wie er es sich vorher Wort für Wort zurechtgelegt hatte: "Die Sach ist nämlich die: Der Peter, der Unterrheiner, der Zuagroaste aus Siegsdorf, der lässt seine beiden Dirndln zusammen mit dem Gesellen in der Schmiede arbeiten, gerade wie wenn's so sein dürft! 's darf aber nit so sein! Nägel schmieden ist Männersach!"

Der Pater überlegte eine längere Weile und fragte dann: "Zusammen mit dem Burschen?"

"Wenn ich's Euch sag!"

"Ja, können sie's denn, das Nagelschmieden?"

"'s sieht ganz danach aus, denn es hat noch keinerlei Beschwerden nit 'geben. Aber gehören tut sich das nit! Weiberleut mit der Lederschürzn und nackerten Armen bis zum Hals 'nauf! Und was für Arm' die haben! Und wenn's nur die Arm' wären!"

"Hast vielleicht hingschaut, Michl?", unterbrach ihn der Pfarrer.

"Ich nit! Aber die Burschen erzählen's!"

Diese Bemerkung schien dem Pater eine abermalige Prise wert: "Nackert, hast du gesagt?"

"Hab ich gsagt!"

"Hm!", machte der Pfarrer. Dann machte er noch zweimal "Hm, hm!" und schüttelte den Kopf. Endlich meinte er: " Michl, geh jetzt! Ich dank dir! Ich werd zu gegebener Zeit auf das Kapitel zu reden kommen!"

Etliche Zeit später. Es war der 1. Mai des Jahres 1791, ein schöner, sonniger Tag. Die Mädchen hatten für die erste Maiandacht den Muttergottesaltar in der Kirche prachtvoll geschmückt. Das Gotteshaus war voll bis auf den letzten Platz. Der Kirchenchor droben stand bereit und wartete auf das Glockenzeichens von der Sakristei her, um mit einem Hymnus zu beginnen. Das Zeichen ertönte, die Orgel brauste, und vierzig gesunde Stimmen jubelten hinab ins Kirchenschiff und hinauf ins Gewölbe: "Ave Maria zart, du edler Rosengart!" Da schüttelte es so manchen vor innerer Ergriffenheit.

Nun bestieg Pater Onufrius im blütenweißen Chorrock und mit goldbestickter Stola die Kanzel. Er hatte seine Maipredigt unter das Motto gestellt: "Maria, du starke Jungfrau!" Darin beschrieb er, wie die Gottesmutter, obwohl nur ein unbedeutendes Mä

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