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Die Augen des Eremiten Die Fähigkeit zu glauben. von Erden, Lisett (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.04.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Die Augen des Eremiten

Die Gartenmarktbesitzer Albrecht und Alma Vonderhöh warten schon mehrere Jahre auf Nachwuchs. Alma bittet während einer Novene, einem neuntägigen Bittgang zu einer Kapelle des heiligen Antonius von Ägypten, um ein Kind. Dazu motiviert hat sie auch ein Orakelerlebnis in einem chinesischen Tao-Tempel. Im Laufe der Woche erfährt sie die Schwangerschaft des Glaubens und nimmt am Ende ein völlig unerwartetes Geschenk an.

Die Autorin wurde 1940 in Zweibrücken/Rheinland-Pfalz geboren und wuchs dort auf. Heute lebt sie in mit ihrer Familie in der Kolpingstadt Kerpen/Nordrhein-Westfalen. Neben dem Schuldienst im In- und Ausland (Santiago de Chile) bildete sie sich weiter zur Bibliodrama- und Meditationsleiterin. Ihr Interesse gilt den Weltreligionen, und hier besonders den mystischen Zugängen zum Glauben. Die ostasiatische Poetenmalerei liebt sie und malt im meditativen Aquarell-Stil. Zunächst veröffentlichte sie unter dem Autorennamen Lisa Erden, jetzt unter Lisett Erden.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 136
    Erscheinungsdatum: 18.04.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783741203657
    Verlag: Books on Demand
    Serie: Göttliche Gaben .1
    Größe: 536kBytes
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Die Augen des Eremiten

1. Tag

Kinderwunsch

Beim Umkreisen des Häuschens stolperte Alma mit dem linken Fuß über ein Grasbüschel, das ihre bloßen Zehen in den leichten Sandalen stumpf getroffen hatte. Sie bückte sich, um den Schmerz herauszukneten. Dieser stieg den Spann hinauf, in das Wadenbein, weiter durch den Oberschenkel in die Vagina und setzte sich in der Gebärmutter fest. Dort vernestelte er sich mit dem Klumpen von neun Jahre alter Kümmernis und vergrößerte ihn. Seufzend strich sie über ihren Schoß, fasste sich und unterbrach die Umrundung, weiter leise murmelnd.

"Was sagst du?"

Erschrocken fuhr sie herum und erblickte Greta. Mit ihrem dunkelblauen Babywagen war diese auf dem Hauptweg unterhalb der Kapelle stehengeblieben, zu einem Schwatz bereit. Der jüngsten Mutter im Viertel musste Alma Aufmerksamkeit zollen. So erkundigte sie sich schnell - auch um von der ihr gestellten Frage abzulenken - nach dem kleinen Mädchen und vernahm die großartigen Neuigkeiten über Schlaf, Nahrungsaufnahme und Gewichtszunahme.

"Hofft ihr auch noch auf Nachwuchs?", endete die Milchbrüstige abrupt, mit trompetenschmetternder Stimme, die sich in dünne Drähte zerschleißend um Almas Kehle legte.

"Ja, schon. - Ach, sind die Bienen aufdringlich."

Mit ihren Händen scheuchte sie zwei, drei Plagegeister von sich weg.

"Ja dann, ich muss mal wieder."

Gott sei Dank beharrte die noch immer stattlich Beleibte, wobei der Mutterstolz als Zweizentimeter-Ring den Bauchumfang noch verdickte, nicht auf einer ausführlicheren Beantwortung ihrer Frage.

An die grobe, braune Rinde einer der drei über hundertjährigen Sommerlinden gepresst, schaute Alma ihr nach. Es war ihr unangenehm, überrascht worden zu sein. Ihre Konzentration auf ihr Vorhaben war gerissen, spaltete sich auf in zahllose Fetzen und verhedderte sich im Geäst. Diese Ausfragerei, die plumpe Neugier! Nur gut, dass Greta nicht wissen wollte, was sie um diese Zeit - es war noch Geschäftszeit - hier oben machte. Zu lügen fiel ihr schwer. Ungeschickt stellte sie sich dabei an, dass jeder es merkte. Das behauptete zumindest Albrecht.

Im heißen Juliwind rauschten die Baumweiber - so alt und noch trächtig - und schüttelten einige zu früh gereifte, kleine Nussfrüchtchen herab auf ihre schwarzen, leicht gelockten Haare, die sich aus dem seitlich geflochtenen Zopf gelöst hatten, und spannten sich wie ein milchgelbes Haarnetz darüber.

"Frühgebürtchen!", sagte sie, "wie meine zwei."

Einen Grund wird sie finden müssen, warum sie in den nächsten acht Tagen hier oben ist. Frische Blumen bringen und Wasser nachgießen, das klänge gut. Wer würde ihr das nicht glauben? Floristin Alma Vonderhöh spendet der Kapelle auf dem Westhügel Blumen. Zustimmung würde das finden, nicht mehr und nicht weniger. Auch ihrem Mann könnte sie so plausibel machen, warum sie täglich um die Mittagszeit das Geschäft verließ, gegen halb zwölf. Da flaute der Kundenstrom ab und die Angestellten kamen ohne sie zurecht. Dennoch, wären gepflückte Wiesenblumensträuße nicht passender für das schlichte, wirklich sehr einfache Heiligenhäuschen? Überall blühte die Wiesenmargerite, auch die pinke Malve und sogar der blaue, gesundheitsverheißende Wiesensalbei. Sträuße daraus zu binden wäre angebrachter. Nein, sie muss sich etwas anderes ausdenken.

"Wie schön es um die Mittagszeit hier oben ist!"

Meist war sie mit Albrecht in den Abendstunden hierherspaziert, wenn er nicht zu müde war. Seit sie vor einem Jahr den Gartenmarkt eröffnet hatten, kaum noch. Jetzt erlebte sie den abgelegenen Ort auf eine neue Weise. Sommerhitze, Sommerlüfte, Sommerfarben und Sommerdüfte brachen ihre zugekitteten Sinne auf. Geschlossenen Auges lauschte sie dem Insektengesurre, dem Gekicher der Herzblätter, dem Gezänk kleiner Vögel.

Eine Ameise kitzelte sie am Knöchel. Unter ihren Sohlen krabbelte es emsig. Aus den Rissen der Rinde von ihre

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