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Die Besessenen von Batuman, Elif (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.01.2012
  • Verlag: Kein & Aber
eBook (ePUB)
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Die Besessenen

Warum bloß bleibt Hans Castorp in Thomas Manns Zauberberg sieben Jahre im Sanatorium, obwohl er selbst keine Tuberkulose hat? Natürlich geht es um die Liebe. Und um die Liebe dreht sich auch alles in "Die Besessenen". Elif Batuman erzählt von ihrer großen Bewunderung für die klassischen russischen Autoren und tut dies auf eine so kluge und berührende Weise, dass man bald selbst vor Begeisterung sprüht. Dabei liest sie niemals, ohne nicht gleichzeitig mit einem Auge auf ihr Leben und die Menschen um sie herum zu schielen. Wie Don Quixote zieht sie aus, um in der Welt etwas über die Literatur zu erfahren und in den Büchern etwas über die Welt. Batuman schreibt dabei mit so viel schillernder Raffinesse, dass am Ende keine Literaturwissenschaft entsteht, sondern Literatur.

Elif Batuman , 1977 in New York City geboren, wuchs in New Jersey auf und lebt inzwischen zur Zeit in Istanbul. Sie schreibt regelmäßig für "The New Yorker", "The New York Times", "Harper's Magazine" und "n+1" über Literatur und ihre Nebenwirkungen. "Die Besessenen" ist ihr erstes Buch, mit dem sie in den USA und inzwischen auch in Europa zur Kultfigur wurde.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 368
    Erscheinungsdatum: 01.01.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783036991184
    Verlag: Kein & Aber
    Größe: 2176 kBytes
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Die Besessenen

BABEL IN KALIFORNIEN

W enn die russische Akademie der Wissenschaften die Gesamtausgabe eines Autors veröffentlicht, kann man das, was dabei herauskommt, nicht einfach in einen Koffer packen und wegtragen. Die Tolstoi-"Milleniumsausgabe" umfasst hundert Bände und wiegt so viel wie ein neugeborener Belugawal. (Ich trug meine Badezimmerwaage in die Bibliothek und habe die Edition - jeweils zehn Bände auf einmal - abgewogen.) Dostojewski hat dreißig Bände, Turgenjew achtundzwanzig, Puschkin siebzehn. Selbst Lermontow, ein Lyriker, der mit sechsundzwanzig Jahren in einem Duell starb, hat vier Bände. In Frankreich, wo Ausgaben letzter Hand auf "Bibelpapier" gedruckt werden, sieht das anders aus. Die Bibliothèque de la Pléiade schafft es, Balzacs komplette Comédie Humaine in zwölf und seine übrigen Schriften in zwei Bänden unterzubringen - mit einem Gesamtgewicht von achtzehn Pfund.

Die Gesamtausgabe von Isaak Babel umfasst nur zwei kleine Bände. Hält man Tolstois Gesammelte Werke daneben, ist dies wie der Vergleich zwischen einer langen Straße und einer Taschenuhr. Babels beliebteste Werke haben alle im ersten Band Platz - die Geschichten aus Odessa , die Kindheits- sowie die Petersburg-Erzählungen, die Reiterarmee und das Tagebuch 1920 , Vorläufer der Reiterarmee . Diese Kompaktheit beeindruckt umso mehr, weil man weiß, dass sein uvre unvollständig ist. Als das NKWD 1939 vor der Tür seiner Datscha stand, waren Babels erste Worte: "Man ließ mir keine Zeit, fertig zu werden." Die Geheimpolizei beschlagnahmte neun Mappen mit Manuskripten in der Datscha und fünfzehn in Babels Moskauer Wohnung. Er wurde verhaftet und angeklagt, Spionage für Frankreich, ja sogar Österreich betrieben zu haben. Weder die Manuskripte noch den Autor hat man je wieder gesehen.

In den folgenden Jahren verschwanden seine veröffentlichte Werke vom Markt. Sein Name wurde aus Nachschlagewerken und aus dem Vor- und Nachspann von Filmen getilgt. Es kursierten Gerüchte - Babel sei in einem Sonderlager für Schriftsteller, schreibe für die Lagerzeitung -, doch niemand wusste mit Sicherheit, ob er tot war oder noch lebte. 1954, im Jahr nach Stalins Tod, wurde Babel offiziell rehabilitiert und das Dossier seines Strafverfahrens veröffentlicht. Es bestand nur aus einer Seite - einer Urkunde, die seinen Tod unter unbekannten Umständen am 17. März 1941 attestierte. Wie Sherlock Holmes in Das letzte Problem war Babel verschwunden und hatte nur ein einziges Blatt Papier hinterlassen.

Niemand weiß wirklich, warum Babel gerade damals verhaftet wurde. Zu Beginn seiner Karriere hatte er sich mächtige Feinde gemacht mit der Veröffentlichung der Reiterarmee , die dem verpfuschten russisch-polnischen Krieg von 1920 ein Denkmal setzt. 1924 warf Marschall Semjon Budjonny von der Ersten Kavallerie Babel öffentlich "konterrevolutionäre Lügen" und Rufmord vor. Als später Budjonny in der Partei vom Marschall der Sowjetunion zum ersten stellvertretenden Kommissar für Verteidigung und Held der Sowjetunion aufstieg, wurde das Eis unter Babel immer dünner - besonders nachdem 1936 sein Beschützer Maxim Gorki gestorben war. Dennoch überlebte er den Höhepunkt der Großen Säuberung von 1937 bis 1938 und wurde erst 1939 verhaftet, als der Zweite Weltkrieg schon vor der Tür stand und Stalin vermutlich Wichtigeres zu tun hatte. Was hatte den Ausschlag gegeben?

Der Pakt zwischen Nazideutschland und der Sowjetunion mag eine Rolle gespielt haben: Wegen Babels enger Verbindung zu der französischen Linken war es im Interesse der diplomatischen Beziehungen zwischen Frankreich und der Sowjetunion wichtig, ihn am Leben zu lassen - ein Argument, das sich erledigte, nachdem Stalin sich auf die Seite Hitlers geschlagen hatte.

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