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Die Blüte der Linden auf dem Balkan von Kuic, Gordana (eBook)

  • Verlag: Hollitzer Wissenschaftsverlag
eBook (ePUB)
19,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Die Blüte der Linden auf dem Balkan

Gordana Kui?, die Grande Dame der serbischen Literatur, porträtiert mit ihrem Familienroman das kommunistische Jugoslawien. Als Branka von Rechtsanwalt Martinovi? die gute Nachricht bekam, lief sie hinaus auf den schmalen Balkon auf der Straßenseite, über dem sich die Äste der alten, üppigen Linde mit jetzt schon welkem und gelbem Laub bogen, blickte in das makellose Blau des Belgrader Himmels, streckte ihre beiden Arme aus, strich über ein noch grünes Blatt und sagte: 'Gracias, Siñor dil Mundu, gracias, danke, großer Gott, danke!', womit sie der Vorsehung, Gott und dem Schicksal dankte, die ihr ihren Mann zurückgaben. Erst dann informierte sie die anderen. Die Bestsellerautorin Gordana Kui? beschäftigt sich in ihren Prosawerken - ausgehend von der eigenen Familiengeschichte - mit der Kultur der sephardischen Juden auf dem Balkan. In ihrem Erstlingswerk 'Der Duft des Regens auf dem Balkan' verarbeitete sie authentische Ereignisse aus dem Leben ihrer Vorfahren und Verwandten. Die Übersetzung ihres Debütromans erschien ebenfalls im Hollitzer Verlag. Der Roman wurde in viele Sprachen übersetzt und fand internationalen Anklang. In 'Die Legende der Luna Levi' verstrickt sie auf geschickte Weise historische Fakten mit malerischen Darstellungen zu einer lebendigen Erzählung, die Herz und Verstand berührt. Kui? veröffentlichte bislang acht Romane sowie zwei Kurzgeschichtensammlungen. Einige ihrer literarischen Werke wurden für Film- und Fernsehproduktionen sowie für Ballett- und Theateraufführungen adaptiert. Gordana Kui? lebt in ihrer Geburtsstadt Belgrad.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 505
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783990124598
    Verlag: Hollitzer Wissenschaftsverlag
    Originaltitel: Cvat lipe na Balkanu
    Größe: 1769 kBytes
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Die Blüte der Linden auf dem Balkan

Am zweiten November kam der Bescheid des Bezirksvolksgerichts, wonach "gemäß Artikel 1 und 2 des Erlasses über die Begnadigung von Personen, die wegen Verbrechen und Vergehen gegen die nationale serbische Ehre verurteilt worden sind, Marko Korac, Dr. Aleksandar Poljanski, Andreja Savic und Ivan Rogoz aus Belgrad, amnestiert werden. Ihnen wird die Strafe von zwei Jahren leichter Zwangsarbeit erlassen, zu der sie mit dem Beschluss des Gerichts für die Aburteilung der Verbrechen und Vergehen gegen die nationale serbische Ehre vom 3. Juni 1945, Nummer 231/45, verurteilt wurden. Alle vier sind demnach freizusprechen."

Es folgte die Begründung, die zu lesen Branka keine Kraft mehr hatte, sowie die Unterschrift des Richters mit dem unerlässlichen "Tod dem Faschismus - Freiheit für das Volk."

"Freiheit für Marko! Hipp, hipp, hurra!", rief Riki aus, und Inda klatschte in die Hände.

An dem Tag erlaubte sich Branka, alle ihre Pflichten zu vernachlässigen: Das Mittagessen blieb ungekocht, das Bad ungeputzt, die Wäsche ungebügelt, Inda ungebadet. Branka konnte sich nicht von dem Papier trennen, auf dem stand, dass Marko begnadigt wurde. Sie hielt es fest in der Hand, irrte in der Wohnung umher und erinnerte jeden daran, dass Markos Rückkehr nur noch eine Frage von Stunden war.

Marko erschien am Spätnachmittag des nächsten Tages. Branka erblickte ihn als Erste, da sie den ganzen Tag auf dem Balkon saß. Sie lief quer durch die Wohnung, stürmte zum Treppenhaus, stürzte die Treppe hinunter und stieß am Hauseingang auf ihren Mann. Sie umarmten sich wortlos. Er küsste sie, streichelte ihr Haar, nahm ihren Kopf in seine Hände und betrachtete lange im schummrigen Treppenhaus ihr weiches Gesicht und ihr einmaliges Lächeln, als wolle er sich vergewissern, dass es noch da war. Dann hob er sie für einen kurzen Augenblick, soweit seine Kraft es ihm gerade noch erlaubte, hoch und sagte leise: "Gehen wir zu unserem Kind." Umschlungen stiegen sie die Treppe hoch und vergaßen völlig, dass es einen Lift gab.

Oben warteten alle ungeduldig im Wohnzimmer. Riki hielt Inda fest, damit sie sich nicht losriss und ins Treppenhaus hinauslief, denn sie wollte Branka und Marko noch etwas Zeit zu zweit gönnen. Als deren Schritte endlich vor der Wohnungstür zu hören waren, lockerte sie den Griff, worauf Inda wie von einem Schleudersitz hinauskatapultiert zur Tür lief, sie mit Getöse öffnete und ihrem Vater in die Arme fiel.

"Papa! Pappilein!", zwitscherte sie mit vor Aufregung schriller Stimme. "Da bist du ja! Geh nicht zurück nach Bor! Bleibe bei uns! ... Ich habe dir so viel zu erzählen!"

Marko löste sich von Branka, nahm die Tochter in die Arme und hob sie hoch. "Mein liebes Mäuschen", sagt er ernst zu ihr, "du wirst es im Leben besser haben als dein Papa, das verspricht er dir."

"Mir geht es gut! Ich mag fliegen", jubilierte Inda in der Luft. "So fliege ich auch, wenn Spasic mich hochhebt!"

"Wer?", fragte Marko und sah Branka an.

"Spasic, unser neuer Mitbewohner", erwiderte Branka zögernd, denn sie hatte Marko nichts von ihm gesagt.

"Was für ein Mitbewohner?", fragte Marko.

"Mein lieber Schwager, wir werden dir alles genau erzählen", mischte sich Riki ein, "aber zuerst solltest du uns begrüßen und umarmen, wie es sich gehört! Siehst du nicht, wie wir in Habachtstellung darauf warten?"

Marko ging auf Rikica zu, küsste sie auf beide Wangen, dann Nina und klopfte Ignjo kräftig auf die Schulter.

"Eine Ewigkeit warten wir schon auf dich", sagte Ignjo keuchend. "Am Ende mussten sie dich doch begnadigen! Aber was sie dir weggenommen haben, rücken sie nicht mehr raus, stimmt's? Dagegen kann man nichts, mein Marko, man muss auch das ertragen."

"Natürlich! Hauptsache, der Kopf sitzt noch auf den Schultern", sagte Marko, dessen gelbliche Wangen etwas Farbe bekommen haben. "Wir wollen aber noch weiter g

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