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Die chinesische Dame Ein Roman über Lügen, die verletzen, und Wahrheiten, die töten von Rekel, Gerhard J. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.10.2013
  • Verlag: Styria
eBook (ePUB)
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Die chinesische Dame

Durch eine 'Notlüge' gefährdet Christian Selikowsky, der Held des Buches, das Leben seiner Liebsten. Seither verfolgen ihn brutale Albträume. Der junge Architekt beschließt, wahrhaftig zu leben, will reinen Tisch machen.
Auch mit seinem Vater, für dessen Firma er zwar arbeitet, dem er sich aber entfremdet hat. Christian reist von Wien nach Tirol, wo sein Vater in einem idyllischen Dorf das traditionsreiche Modeimperium leitet. Doch als Christian eintrifft, liegt der Patriarch tot am Schreibtisch. Angeblich Herzinfarkt. Kurz zuvor hatte der alte Herr Besuch von einer chinesischen Dame. Was wollte die attraktive Managerin? Christian stößt auf Lügen. Seine Nachforschungen führen ihn nach Schanghai und in die chinesische Provinz, wo er Wahrheiten über den Vater, die Beziehung zu seiner Verlobten, seiner Familie und sich selbst entdeckt, die er niemals erwartet hätte. 'Du sollst nicht lügen', heißt es in der Bibel. Konfuzius aber entgegnet: 'Die Wahrheit ist ein tödliches Schwert!' Wie viel Wahrheit erträgt der Mensch?

Gerhard J. Rekel wurde 1965 in Graz geboren. Nach dem Studium an der Filmakademie Wien begab er sich auf ausgedehnte Studienreisen durch China, Indien und Südamerika. Für seine erste Filmkomödie TRAUMA erhielt er neben einer British-Academy-Nomination zahlreiche internationale Auszeichnungen. Drehbücher zu erfolgreichen TV-Reihen: 'Tatort', 'Universum' und 'Terra X'. Drei Romane, zuletzt bei dtv-premium 'Der Duft des Kaffees'. Rekel lebt in Berlin, hat noch einen Koffer in Wien und ist seit 2006 Gastdozent an der Donau- Universität Krems.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 17.10.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783990401880
    Verlag: Styria
    Größe: 7778kBytes
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Die chinesische Dame

Der Gang nach Canossa

Mit eingeschäumten Wangen stand Christian vor dem Spiegel. Die Rasierklinge schuf glatte Bahnen. Je mehr er sich vom Schaum befreite, umso zweifelnder betrachtete er sein Gesicht: Ja, seine schlanke Nase, seine blauen Augen und sein schwarzer Wuschelkopf gaben ihm einen jugendlich-verspielten Charme, doch an den Koteletten entdeckte er Silberfäden und seine wilden Locken verschleierten kleine Geheimratsecken.

Als er am späten Morgen über den Stephansplatz schlenderte, wehte ihm der kalte Märzwind entgegen. Er stellte den Kragen seines Wolljacketts hoch und wickelte den roten Kaschmirschal fester um den Hals. Weil die Espressomaschine im Büro gerade in der Reparatur war, steuerte er auf ein Café zu. Gleichzeitig mit ihm kamen drei chinesische Touristinnen ins Geschäft. Einer fiel das Halstuch zu Boden. Reflexartig beugte sich Christian danach und zögerte mitten in der Bewegung: War er schon wieder zu nett? In diesem Moment griff auch die Chinesin nach dem Tuch - die beiden stießen ums Haar zusammen. Die junge Frau kicherte, die beiden anderen Chinesinnen lächelten; schüchtern, verlegen, naiv. Irgendwie alle nett. Nicht nett sein, konnte doch unmöglich bedeuten, wie ein Rüpel durchs Leben zu trampeln. Nein, er wollte nett im Stil und ehrlich in der Sache sein, das war's!

Er ließ sich zwei Becher mit Cappuccino geben, querte den Stephansplatz und ging auf das Haas-Haus zu, auf dessen Glasfassade sich die Morgensonne über mehrere Etagen spiegelte. Im sechsten Stock betrat er das Büro mit der Aufschrift Selikowsky - Abteilung Marketing & Werbung. Seine Sekretärin stand von ihm abgewandt am Fenster und telefonierte. Jenny bemerkte ihn nicht, lachte, flirtete, plauderte. Ihrer bequemen Haltung nach zu schließen schon sehr lange.

Sollte er einfach in sein Büro huschen und ihr Privatgespräch ignorieren? Das wäre nett. Und verlogen!

Sollte er sich räuspern und dezent auf ihren Schreibtisch voller unerledigter Akten deuten? Das wäre nett. Und pädagogisch! Sollte er ihr Arbeitspensum aufzählen? Mit Kündigung drohen? Sie zusammenschimpfen? Nicht seine Art.

Schließlich schlich er sich an und stellte den Cappuccino auf ihren Schreibtisch. Kaum erreichte Jenny der Duft des Kaffees, drehte sich die hagere Blondine um - und wurde rot. Doch Christian war schon in seinem Zimmer verschwunden und nahm vor seinem Computer Platz.

Er hatte mit Jenny nicht das übliche Chef-Sekretärinnen-Verhältnis. Sie erinnerte ihn, wann er wo zu sein hatte, versorgte ihn mit Interna aus der Tiroler Firmenzentrale und brachte seine Hemden zur Putzerei. Im Gegenzug sah er großzügig darüber hinweg, dass sie jeden zweiten Tag zu spät und unausgeschlafen zur Arbeit erschien. Trotz des lockeren Umgangs redeten sie nie über private Dinge und siezten einander.

Das Büro war in die Jahre gekommen, der graue Teppichboden abgestoßen , Christians Stuhl quietschte, die Neonröhren blendeten. Am Computer stellte er einen neuen Werbekatalog zusammen: Fotos von Teddybären, Lodenmänteln und Filzhüten lagen auf seinem Schreibtisch. Christian sollte für die Tiroler Firma seines Vaters die Werbemaßnahmen für Filzprodukte gestalten. Sein Brotjob. Doch wie er die Bilder von Filzhüten, Teddys und Trachtenmänteln auch anordnete, er war wenig begeistert, musste sich zur Arbeit zwingen. Schließlich starrte er verzweifelt aus dem Fenster, sein Blick flüchtete zum Stephansdom, immer wieder schossen ihm die Worte der Therapeutin durch den Kopf: "Sie sind zu nett, Herr Selikowsky!"

Genervt schob er die Katalogbilder zur Seite, griff zu einem Zeichenstift und skizzierte mit wenigen Strichen ein würfelförmig verschachteltes Gebäude. Christians Stimmung hellte sich auf, der Stift flog geradezu über das Papier, neue Räume, Formen und Perspektiven entstanden, er machte, was er am liebsten tat: zeichnen, entwerfen, skizzieren. Allzu gerne würde er sich nur d

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