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Die Dame in Gold Roman von Trierweiler, Valérie (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.09.2018
  • Verlag: Aufbau-Verlag
eBook (ePUB)

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Die Dame in Gold

Wien, 1903: Adele ist jung, unangepasst und neugierig. In ihrem Salon treffen sich die Künstler der Avantgarde, und hier begegnet sie zum ersten Mal Gustav Klimt. Sofort ist sie fasziniert, von seinem Genie, aber auch seinem unangepassten Lebensstil. In den unzähligen Stunden, in denen Adele ihm in seinem Atelier Modell sitzt, entwickelt sich zwischen ihnen eine innige Liebe. Ihm hat sie zu verdanken, dass sie nach dem tragischen Tod ihres Sohnes wieder ins Leben findet. Für Gustav ist sie die Lebensliebe und die Muse, die sein Schaffen wie keine andere Frau geprägt hat. Valérie Trierweiler, geboren 1965, studierte Geschichte und Politikwissenschaften in Paris und arbeitet seitdem als Journalistin. 'Die Dame in Gold' hat in der französischen Presse für viel Aufsehen gesorgt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 14.09.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841215994
    Verlag: Aufbau-Verlag
    Originaltitel: Le Secrèt d Adèle
    Größe: 2276 kBytes
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Die Dame in Gold

1.
Das Rehkitz

E s ist der vierte Oktober des Jahres 1904 und der schönste Tag ihres Lebens. Adele wacht auf, sie hat erstaunlich gut geschlafen. Die Bettwäsche verströmt einen köstlich frischen Duft, offenbar wurde sie gewechselt, ohne dass sie sich daran erinnert. Ihr Blick wandert durch das Schlafzimmer, es ist, als sähe sie es zum ersten Mal. Alles in ihr ist so anders.

Natürlich spürt sie noch die Folgen der Entbindung, nur mit Mühe kann sie sich bewegen oder zu der weißen Wiege drehen. Aufzustehen scheint ihr unmöglich. Doch all das zählt nicht, sie will ihr Kind sehen. Sie will es endlich wieder in ihren Armen halten, den kleinen warmen Körper an ihre Brust drücken. Sie hat darum gebeten, ihn nicht zu fest zu wickeln. Der Kontakt mit seiner zerknitterten weichen Haut fehlt ihr. Genauso wie sein hübsches kleines Gesichtchen - wie sehr er Karl ähnelt, ihrem Lieblingsbruder. Sie hatte noch gar nicht genug Zeit, es zu bewundern.

Aus der Wiege ist kein Laut zu hören. Mühsam richtet sie sich auf und schaut zu dem kleinen Bettchen hinüber, aber es ist leer. Sicher hat die Hebamme den Kleinen zu sich genommen, um seine Windeln zu wechseln. Auch sie müsste man umkleiden, sie hat viel Blut verloren. Adele greift nach der Glocke und läutet, mit viel mehr Ungeduld als zuvor. Sofort erscheint ihre Kammerzofe.

"Hannah, ich möchte, dass man mir den Kleinen bringt."

Die junge Frau senkt den Blick.

"Ich sage Bescheid, gnädige Frau, ich sage Bescheid", erwidert sie zögernd.

Dann huscht sie mit abgewandtem Kopf aus dem Zimmer. Adele wartet. Sie kann es kaum erwarten, ihren Sohn in die Arme zu schließen. Sie will nicht mehr an das Unglück des letzten Jahres denken. Zwar wird Fritz seine kleine, totgeborene Schwester niemals ersetzen können. Aber nun ist er da, und sie ist bereit, ihm die ganze Liebe zu schenken, die sich seit damals in ihr angestaut hat. Nie wird sie den 24. Februar vergessen. Sie ist vor Kummer fast vergangen. Weder der Arzt noch die Hebamme hatten zugelassen, dass sie das tote Kind sah. Schlimmer noch, ihre Kleine erhielt weder einen Vornamen noch ein Grab. Von einer Fehlgeburt war die Rede, dabei war sie schon längst über den sechsten Monat hinaus. Stundenlang hat sie an diesem Tag zugesehen, wie der Schnee fiel, alles war eisig. Draußen ebenso wie in ihrer Seele.

Aber nun darf sie nicht in diesem Unglück verharren, sondern wird sich um ihn kümmern, schon gleich wird sie ihn wieder an sich drücken und mit Küssen überhäufen können. Ein wenig sorgt sie sich, weil er so schmächtig ist, aber er wird sicher bald an Gewicht zunehmen. Und auch Adele will sich schnell von dieser schier endlosen Geburt erholen. Stundenlang hatte ihr die Hebamme befohlen zu pressen. Sie hatte schon gedacht, sie würde es nie schaffen. Ganz so, als fühlte sich dieser kleine Schlingel so wohl in ihrem Bauch, dass er nicht herauskommen wollte. Als sei er noch nicht bereit, Bekanntschaft mit seiner Mutter zu machen.

Dabei wünscht sie sich in diesem Moment nichts sehnlicher als das. Wo bleiben sie bloß mit meinem Baby?

Ungeduldig greift sie erneut nach der Glocke und läutet.

Diesmal betritt ihre ältere Schwester Therese das Schlafzimmer.

"Meine liebste Thedy, ich freue mich, dich zu sehen, aber du bist zu früh dran. Sie haben mir meinen Sohn noch nicht gebracht. Dabei möchte ich ihn dir so gerne vorstellen."

Es ist das erste Mal, dass sie es laut ausspricht: "mein Sohn". In dem Moment, als ihr die Worte über die Lippen kommen, hallen sie in ihrem Inneren wider und lösen eine Welle von Glück und Stolz aus. Sie hat jetzt nicht nur ein Kind, sondern sogar einen Sohn: Fritz Bloch. Er wird einmal Großes vollbringen. Anders geht es gar nicht, sie hat ihm so viel Liebe zu schenken.

Therese tritt an ihr Bett, ihr stehen Tränen in den Augen.

"Aber Thedy, warum weinst du? Ich bin so glücklich. Du wirst sehen, wie schön

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