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Die Diamanten der Großmutter (Vollständige Ausgabe) von Schücking, Levin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.01.2016
  • Verlag: e-artnow
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Die Diamanten der Großmutter (Vollständige Ausgabe)

Dieses eBook: 'Die Diamanten der Großmutter (Vollständige Ausgabe)' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Aus dem Buch: 'In den letzten Septembertagen des Jahres 1870 saß eine Gesellschaft deutscher Officiere, ein Hauptmann und drei Lieutenants - just so viel, wie zur Führung einer Compagnie genügen, wenn ein intelligenter Vicefeldwebel sie mit seiner Einsicht unterstützt - in dem kleinen, terrassenförmig angelegten Garten eines Restaurants in einem französischen Städtlein, das den Namen Void führt und im obern Maasthal liegt. Die Maas ist hier noch ein sehr bescheidenes Gewässer, sie ist eben aus dem wasserreichen Schooß der Sichelberge entsprungen, um an ihrem linken Ufer das berühmte Vaucouleurs zu bespülen; eine Strecke weiter abwärts schlägt sie nach Nordost einen Bogen, an dessen Ende, am Fuß ansehnlicher Höhen Void liegt, und wendet sich dann wieder dem Norden zu, um zunächst Commercy, die alte Residenz der Herzöge von Lothringen und Bar, zu berühren, dessen schönes Schloß mit seinen Erinnerungen an den guten König Stanislaus, an Voltaire und an die "divine Emilie", die Marquise du Chatelet, jetzt eine große Caserne ist.' Levin Schücking (1814-1883) war ein deutscher Schriftsteller und Journalist.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 100
    Erscheinungsdatum: 11.01.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788026849704
    Verlag: e-artnow
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Die Diamanten der Großmutter (Vollständige Ausgabe)

2.

Inhaltsverzeichnis
La Ferme des Auges lag nicht im offenen Flußthal der Maas, sondern im Hintergrunde einer Seitenbucht des Thals, eines nach allen Seiten hin leise anschwellenden Terrains, das, von einem Kranz von oben bewaldeten Höhen umgeben, nur nach Südost, nach dem Flusse hin offen war. Diese geschützte Lage mußte viel zu der Fruchtbarkeit des hübschen kleinen, in den Bergen versteckt liegenden Erdwinkels beigetragen haben - viel auch der fleißige und sorgsame Anbau, die zweckmäßige Bewirthschaftung, die überall wahrnehmbar war; der Besitzer schien besonders auf Obstcultur großes Gewicht gelegt zu haben; überall durchzogen Reihen wohlgepflegter Obstbäume die Felder; eine stattliche Nußbaumallee durchschnitt das Terrain in gerader Linie und führte auf das Wohnhaus zu - zunächst auf einen mauerumzogenen großen Garten, der, heute noch wie er vielleicht vor hundert Jahren angelegt worden, die ganze Regelmäßigkeit des alten französischen Geschmacks zeigte, sogar noch Taxushecken und Sandsteinfiguren am Ende dunkler Berceaux - im Hintergrunde des Gartens führte eine breite Steintreppe auf eine Terrasse und über ihr erhob sich das Herrenhaus - nicht, wie es der Charakter der Gartenanlage erwarten ließ, ein kleines Rococoschloß mit stattlichen Flügeln, sondern nur ein einfaches Landhaus, nur ein Stockwerk mit hohem Mansardendach darüber zeigend, weiß getüncht, mit grünen Jalousien; statt der Flügel nur ein kleines Gewächshaus an der einen und eine Volière an der anderen Seite.

Das Alles recognoscirte Daveland, als er am andern Tage um die Nachmittagsstunde, von Hartig begleitet, durch die Kastanienallee auf die Ferme des Auges zuritt und dann um die Gartenmauer herum den Hof des Gebäudes erreichte. Er hatte Hartig bewogen, ihn zu begleiten, und es bei diesem an Gründen, weshalb er so rasch das Versprechen erfüllen wolle, welches er Herrn d'Avelon gegeben, nicht fehlen lassen. Zuerst den, daß es in Void in Frankreich gerade ebenso langweilig war wie in jedem anderen Orte auf Erden, wo man eben nichts zu thun hat. Und weiter den, daß es sehr interessant sein mußte, eine vornehme französische Familie in ihrem "Interieur" kennen zu lernen; ganz zuletzt den, daß ihn dieser Herr d'Avelon, sein Wesen, sein Gesicht anziehe - vielleicht nur aus Widerspruchsgeist, weil sich Sontheim so scharf wider ihn erklärt. Und doch war, was ihn zog, etwas ganz Anderes, ein Gefühl, das sich eigenthümlich mit Spannung, Scheu und Beklemmung vermischte und doch stark genug war, ihn mit einem gewissen Heroismus dieses Alles, was ihn zurückhalten wollte, überwinden zu lassen. Genug, unser Landwehrlieutenant hielt am anderen Tage, von Hartig, dem Gelehrten der Compagnie, gefolgt, auf dem Oekonomiehofe der Ferme und wurde, nachdem ein Knecht die Pferde übernommen, auf die Terrasse vor dem Wohnhause geführt, wo die Herrschaft sich befinden sollte.

Auf der Terrasse, an einem runden Tische von Gußeisen saßen zwei Damen; ein Herr stand vor ihnen und sprach sehr lebhaft. Max Daveland erkannte den Lenker des Wagens von gestern in ihm, in einer der Damen das Original seines Bildes, bei deren erstem Anblick ihn gestern ein großer Schmerz getroffen hatte; die andere war eine dunkle, ein wenig verblühte Schönheit, sie sah wie eine Engländerin aus, ein etwas zu längliches Gesicht mit feinen Zügen, umgeben von hängenden Locken und etwas Steifes in der Haltung, etwas Verurtheilendes, Mißbilligendes, das für die ganze irdische Erscheinungswelt und was der wechselnde neue Tag brachte, stetig um ihre Lippen lag, deuteten darauf hin. Daveland machte diese Bemerkung freilich erst später. Jetzt näherte er sich der Gesellschaft mit einiger Verlegenheit, er sah keine sehr freundliche Aufnahme von dem Herrn voraus, der ihn mit einem sehr kalten, fast feindlichen Blicke maß. Mit einer Verbeugung übergab er ihm seine und Hartig's Karte und erklärte sein Kommen. Der Herr bat mit kühler Höflichkeit Platz

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