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Die Eifersüchtigen Roman von Márai, Sándor (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.10.2015
  • Verlag: Piper Verlag
eBook (ePUB)
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Die Eifersüchtigen

Der nahende Tod des Vaters bringt sie alle zusammen. Nach langen Jahren fernab der Heimat kehren Peter Garren und seine Geschwister Anna, Tamás, Albert und Edgár in ihr Elternhaus zurück. Dort werden sie konfrontiert mit einem feinmaschigen Netz aus unausgesprochenen Gesetzen, die das bürgerliche Elternhaus seit jeher geprägt haben. Eifersüchtig beäugen sich die Geschwister, alte Streitigkeiten holen sie ein, und über allem liegt die Stimmung nervösen Wartens. Was geschieht, wenn mit dem Ende Patriarchen das einzige verschwunden sein wird, das sie verbunden hat? Bedeutet das den Untergang ihrer Dynastie? - 'Die Eifersüchtigen' gilt als spätes Hauptwerk Sándor Márais, in dem er die Grundaussage seines Werkes zusammenfasst. Atmosphärisch dicht und psychologisch meisterhaft erzählt es vom Verfall einer bürgerlichen Familie. Sandor Marai, geboren 1900 in Kaschau (heute Slowakei), starb 1989 in San Diego, Kalifornien. Er gehörte in den Dreißigerjahren zu den gefeierten Autoren in ganz Europa, geriet aber nach seiner Emigration in Vergessenheit. Mit dem internationalen Erfolg seines wiederentdeckten Romans 'Die Glut' wurde Sándor Marai als einer der großen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts gefeiert. Seit 1998 erscheinen seine Tagebücher, essayistischen Schriften und zahlreichen Romane im Piper Verlag.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 560
    Erscheinungsdatum: 05.10.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492971584
    Verlag: Piper Verlag
    Originaltitel: Féltékenyek
    Größe: 1889 kBytes
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Die Eifersüchtigen

La und der Schmerz

La war seit anderthalb Jahren Péter Garrens Geliebte. Péter gab ihr an jedem Monatsersten Geld, und auch später, wenn sie darum bat, während des Monats. Ihr Vater war Zimmermann in Würzburg, mit bürgerlichem Namen hieß sie Karola Thinne. Mit sechzehn Jahren war sie mit einem Nürnberger Bauunternehmer durchgebrannt, einem älteren, knausrigen und in weiten Kreisen geehrten Bürger; von ihm bekam sie zum Schluss ein goldenes Kreuz zum Geschenk und dreihundert Franken. Dieses Kreuz hatte sie sich an einer dünnen Goldkette um den Hals schmieden lassen. Wenn sie nackt war, rutschte das Kreuz zwischen ihre vollen Brüste und glänzte dort wie ein glühendes, schmerzhaftes Stigma. Karola war tief und sanft religiös. Manchmal, wenn sie nackt im Bett lag, klammerte sie sich mit beiden Händen an das Kreuz wie eine Ertrinkende. Das Bett, dieses Behältnis der Leidenschaft, explodierte um La, die Sehnsucht riss sie mit sich fort, sie musste sich an etwas festhalten. Dann schlug sie die Arme nach hinten, schloss die Augen und warf sich in die Kissen. In diesen Augenblicken war sie wirklich eine Ertrinkende, die von der Strömung mitgerissen wurde, sie kümmerte sich um nichts mehr, es hätte ihr auch nichts ausgemacht, wenn man sie aufs Rad geflochten oder umgebracht hätte. Ihr grobes und kindliches Gesicht wurde dann schön und ernst.

Jeden Morgen ging sie zur Messe; manchmal direkt aus einem Vergnügungslokal oder zwischen zwei Umarmungen, aus den Armen verkaterter, vor sich hin murmelnder Gelegenheitsliebhaber. Péter wusste, dass man Karola nicht einschränken konnte. Sie hatten sich in der Bibliothek kennengelernt; Karola Thinne suchte Skizzen für das Kostüm, das sie zum Ball des Statthalters tragen wollte. Die Bücher erschreckten sie, und sie sah sich hilfesuchend um. Mit Péter, der ihr zu Hilfe kam, sprach sie in der ersten Stunde mit so demütiger und erschrockener Stimme wie ein ertapptes Stubenmädchen. Als sagte sie in einem fort: "Ja, gnädiger Herr. Nein, gnädiger Herr." Aber als sie endlich das Kostüm gefunden hatten, begann sie vertraulich und zufrieden zu lachen. Als hätte sie unterdessen etwas über Péter in Erfahrung gebracht und könne im Besitz dieses Wissens nun mit ihm tun, was sie wollte. Zuerst wollte sie Eis essen gehen, und Péter gab sofort nach. Unterwegs kauften sie ihr ein Paar Schuhe. Eine Stunde, nachdem sie sich kennengelernt hatten, stritten sie schon auf einem verkehrsreichen öffentlichen Platz wie Eheleute. Karola ging rasch, schlug vor den Kirchen ein Kreuz, sah Péter von Zeit zu Zeit von der Seite her an und lachte zufrieden. Ihr Silberblick wirkte auf die Männer betörend und kindlich wie eine Hexengabe. Sie war sechsundzwanzig Jahre alt und schielte so unterhaltsam und selbstvergessen, als feixte sie nur aus Langeweile, zur Unterhaltung der Erwachsenen.

Die Erwachsenen waren für Karola die Männer; mit den Frauen stand sie auf Kriegsfuß. Nur die Nonnen mochte sie; den Ursulinen der Stadt brachte sie jeden Sonnabend Geschenke, und die Oberin, die ihr geduldig und besorgt zuhörte, überschwemmte sie mit ihren Bekenntnissen. Die Männer, erzählte Karola der Oberin, könnten einfach nicht ohne sie leben. Sie könne nichts dafür und wolle es auch nicht. Die Männer, jeder Mann, hätten eine persönliche Angelegenheit mit Karola, während der Arbeit, wenn sie einen Turm bauten oder gerade jemanden zum Tode verurteilten, würden sie plötzlich unruhig, weil sie auf der Erde lebe, Karola, gerade sie, gerade hier in ihrer Nähe lebe. Die Oberin mahnte sie zur Bescheidenheit. Karola versicherte, sie sei bescheiden. Sie gebe sich mit Tee und trockenem Brot zufrieden; sie, Karola, würde ganz bescheiden und am liebsten nackt den lieben langen Tag in ihrem Zimmer sitzen und in unanständigen Bildbänden blättern oder mit altmodischen Schmuckstücken spielen. Die Oberin seufzte. Von den Männern sprach Karola, als wären sie eine große Prüfung, die Gott ih

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