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Die eine wahre Liebe von Mann, Raya (eBook)

  • Verlag: epubli
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Die eine wahre Liebe

Raya hat die eine wahre Liebe verloren. Nach sieben Jahren des Schweigens schreibt ihr Mann ihr plötzlich seltsame Mails. Rayas Freundinnen gehen der Sache auf den Grund. Offenbar hält sich Serenus in einer psychiatrischen Klinik auf, wo er mit einer Mitpatientin eine Beziehung angefangen hat. Aber Agnes möchte sterben und sucht den Mann, der ihr dabei hilft. Diese Ereignisse und ihre Freundinnen zwingen Raya dazu, sich mit ihren Erinnerungen auseinander zu setzen. Ausgehend von der Gegenwart erzählt sie die Geschichte ihrer Liebe, einer unerfüllbaren Liebe, einer Liebe des Glücks und des Leids. Gerade als das Wiedersehen mit Serenus bevorsteht, kommt er bei einem Autounfall ums Leben. Eines Tages taucht Agnes bei Raya auf. Sie erwartet ein Kind von Serenus. Rayas Aufzeichnungen enden in der Vergangenheit, in jener Nacht vor 27 Jahren, als sie ihren Geliebten zum ersten Mal verführte. Das Lektorat besorgte Nina Eisen. -

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 100
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783748519799
    Verlag: epubli
    Größe: 201 kBytes
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Die eine wahre Liebe

Damals Mitte dreißig - 2006 bis 2013

Ich wollte so schnell wie m ö glich wieder nach Hause. Nach einer schlaflosen Nacht hatte ich Serenus zum Flughafen gebracht und in der Eile vergessen, mir etwas Warmes überzuziehen. Es war einer dieser Oktobertage, die für Deutschland so typisch sind. Zwar herrschte strahlender Sonnenschein, aber dennoch würde es den ganzen Tag kalt bleiben.

Ich durchquerte die Abflughalle und hielt auf die verglaste Flucht mit den Ausgängen zu. Die Schiebetüren glitten zur Seite und ich trat ins Freie. Den Lärm um mich herum vernahm ich nicht, weder die Triebwerke der startenden Flugzeuge, noch die Räder der Trollies, die über den genoppten Hartgummiboden rumpelten, auch nicht die zuschlagenden Türen der Taxis. Menschen warteten oder str ö mten mir entgegen, doch ihre Stimmen h ö rte ich nicht. Ebenso wenig sah ich etwas. An der Gruppe bunt gekleideter Pakistani mit ihren zahlreichen Kindern und Koffern blickte ich vorbei. Die monstr ö sen Busse, die mich in ihren Schatten tauchten, nahm ich nicht wahr. Obwohl mich die Sonne blendete, bemerkte ich nicht, dass der Regen inzwischen aufgeh ö rt und der steife Wind die Wolken auseinandergerissen hatte. Ich war viel zu leicht angezogen, doch ich ignorierte, dass ich vor Kä lte zitterte. Ich f ühlte sie nicht.

An diesem Montagmorgen Anfang Oktober empfand ich weder Schmerz noch Leere. Ich ahnte nichts von der Taubheit der Seele, die meine Liebe und alles Begehren lähmte. Die Frage, was jetzt und einst aus mir werden sollte, kam mir nicht in den Sinn. Ein eisiger Windstoß fuhr mir ins Gesicht. Mit beiden Armen umklammerte ich meine Tasche und schützte damit meine Brüste. Die Schultern hochgezogen und den Kopf gesenkt rannte ich über den Parkplatz zurück zu meinem Wagen. Die Sonne fiel direkt auf die Frontscheibe, so dass mich drinnen ein wenig Wärme erwartete. Hastig ö ffnete ich die Tü r, lie ß mich in den Sitz gleiten und zog sie wieder zu. Ich legte die Arme auf das Lenkrad, bettete meine Stirn darauf, schloss die Augen und wartete. Endlich ließ das Pochen in meinen Schläfen nach. Dieser schreckliche Flughafen erregte meine Abscheu. Noch heftiger graute mir jedoch vor unserer Wohnung, zu der ich alleine zurückkehren würde. Es war nicht zu vermeiden und ich konnte es nicht hinausz ö gern. Ich ließ das Seitenfenster hinunter, atmete tief durch und startete den Motor.

Als ich vor unserem Haus aus dem Wagen stieg, stieß ich beinahe mit der Postbotin zusammen. Fr ö hlich begrüßte sie mich, legte aber sogleich die Stirn in Falten.

"Herr Mann lässt seine Post umleiten. Letzte Woche stellte er den Nachsendeantrag", sagte sie und strich sich ein paar Strähnen aus dem Gesicht. Ohne meinem Blick auszuweichen, fügte sie hinzu: "Und einen Antrag auf Umzugsmitteilung an die Absender." Sie hatte keine Frage gestellt und ich tat so, als bemerkte ich ihre Neugier nicht.

"Herr Mann bleibt wohl fü r l ängere Zeit in Madrid", mutmaßte die Postbotin.

Ich schenkte ihr ein Lächeln und sagte: "Ich auch. Mir bleiben noch drei Monate, um hier alles zu regeln. Ende des Jahres bin ich weg."

"Ach so." Ihr Interesse schien verflogen.

"Haben Sie etwas für mich dabei?", fragte ich.

Die Postbotin kramte in ihrem Packen und überreichte mir die Drucksachen und einen an mich adressierten Brief. Er war groß und dick. Ich bedankte mich, schloss die Haustür auf und stieg die Treppe hinauf.

Ich betrat die Wohnung. Ohne mich umzusehen, ging ich durch die Diele und betrat die Küche. Ich sah auf die Uhr.

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