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Die Einfälle der heiligen Klara von Kohout, Pavel (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.08.2015
  • Verlag: Saga Egmont
eBook (ePUB)
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Die Einfälle der heiligen Klara

Kann die fünfzehnjährige Klara hellsehen? Kann sie vielleicht sogar die Lottozahlen voraussagen? Eine ganze Kleinstadt gerät vorübergehend in Aufruhr. Schritt für Schritt entwickelt sich eine ebenso vergnügliche wie turbulente Geschichte von ganz und gar normalen Leuten, die unverhofft mit ganz und gar abnormalen Ereignissen konfrontiert werden. Pavel Kohout erzählt diese Geschichte mit leichter Hand, aber doch auf eindringliche Weise, unterhaltsam, aber doch mit Hintersinn. Biografische Anmerkung Pavel Kohout, 1928 in Prag geboren, zählt zu den international bekanntesten Schriftstellern und Dramatikern. Als einer der Wortführer des 'Prager Frühlings' von 1968 wurde er aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen und über 20 Jahre totgeschwiegen. Mitverfasser der 'Charta 77', daraufhin 1979 ausgebürgert. Zu seinen bekanntesten Werken gehören 'Die Henkerin' (1978), 'Wo der Hund begraben liegt' (1987) und 'Sternstunde der Mörder' (1995). 2010 erschien seine Autobiografie 'Mein tolles Leben mit Hitler, Stalin und Havel'. Pavel Kohout lebt heute wieder in Prag.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 286
    Erscheinungsdatum: 28.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788711461365
    Verlag: Saga Egmont
    Größe: 1619 kBytes
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Die Einfälle der heiligen Klara

II

Woran man einen anständigen Bürger erkennt. - Denunziation als Unterrichtsfach. - Vierzig Verhöre und ... - Hilft eine lebhafte Phantasie beim Rechnen? - Die Tochter eines Polizeibeamten muß den anderen ein Vorbild sein. - ... und ein Verrat! - Ist es möglich, daß Mandelaugen abgebrüht lügen können? - Nicht nur Betrug, sondern auch Einbruch! - Jeder hat andere Einfälle.

Es gibt Länder, deren Regierung behauptet, jeder anständige Bürger müsse wenigstens einmal im Leben im Knast gesessen haben. Diese Behauptung ist berechtigt, sofern die Zahl der Bürger, die nicht im Knast gesessen haben, nicht einmal zur Bildung der Regierung ausreicht, in der dann eben auch Knastbrüder sitzen müssen.

Unbedingt gilt jedoch für fast alle Länder, daß gegen jeden anständigen Bürger zumindest einmal im Leben ermittelt wird. Auch darauf werden die künftigen Bürger von der Schule vorbereitet. Will sagen, daß den praktischen Übungen in diesem Fach viel mehr Zeit gewidmet wird als etwa dem Unterricht in Empfängnisverhütung.

In den Ermittlungsstunden, ob nun vom Verlust des Klassenbuchs oder vom Rauch in der Knabentoilette veranlaßt, wird alles eingeübt und abgefragt, womit der Schüler in Berührung kommen und was man von ihm im praktischen Leben erwarten wird: geschicktes Herauswinden und hartnäckiges Abstreiten, väterlicher Zuspruch, der in existentiellen Druck mündet, Denunziation als mildernder Umstand und Geständigkeit als Hauptbeweis für die eigene Schuld.

Die Ermittlung in Sachen des epochalen Erfolgs der Klasse 8 a fand im Direktorzimmer statt. Der Mathematiklehrer rief einen nach dem anderen in alphabetischer Reihenfolge und ohne Ansehen des Geschlechts herein. Schulwart Coufal gab auf dem Korridor acht, daß keine Absprachen stattfanden. Seine Lunge gierte unentwegt nach Nikotin, so daß er immer wieder Patrouillengänge um die Ecke des Korridors vortäuschte, um an der Zigarre ziehen zu können, die hinter der Büste eines Volkstumsbarden versteckt war.

Absprachen erübrigten sich. Alle wußten, daß die Gefahr erst ganz am Ende des Alphabets lauerte. Um Basus bis Tikal bangte keiner.

- Basus,

sagte Direktor Plavec, hinterm Schreibtisch sitzend, genau unter dem Bild des Präsidenten der Republik, der bedeutungsvoll irgendwohin ins Abseits schaute, als wollte er damit Plavecens Autorität unterstreichen,

- du hast es doch nicht nötig, zu schwindeln, du ganz gewiß nicht, hab ich recht?

Er duzte die Schüler grundsätzlich, damit sie um so eher begriffen, daß er ihr zweiter Vater war.

Basus nickte bescheiden. Er war ein ernster Knabe mit starker Brille, und in seiner Freizeit verifizierte er daheim die Richtigkeit der Formeln, die Einstein zur Relativitätstheorie geführt hatten. Mathematiklehrer Brunát nahm ihn seit einiger Zeit lieber nicht mehr dran.

- Ich würde fast glauben,

fuhr der Direktor geradezu freundschaftlich fort und neigte den scharfgespitzten Bleistift, der bis dahin auf Basusens Brust gezielt hatte,

- daß du ihnen das ausgerechnet hast, wenn's nicht einhundertzwanzig Beispiele wären. Einhundertzwanzig Spickzettel schreiben, das zahlt sich für niemanden aus, was meinst du?

Basus zuckte höflich die Achseln.

- Also, weißt du was davon oder nicht?

Basus schüttelte bedauernd den Kopf.

Der Direktor hatte keinen Grund, ihm nicht zu glauben, aber ebensowenig, ihm zu glauben. Beides gab er ihm zu verstehen.

- Nun, ich danke dir. Du kannst gehen, einstweilen.

- Batková!

rief der Mathematiklehrer auf den Korridor hinaus.

Basus nahm auf der Schwelle die Brille ab, um seiner Mitschülerin aufmunternd zublinzeln zu können.

Das zweite bis vierzigste Verhör lief, von Abweichungen abgesehen, in denselben Bahnen.

- Batková,

sagte Direktor Plavec, den Bleistift auf sie gerichtet, den er jedoch sofort senkte, als er bemerkte, daß der Mädchenbrust neuerdings ein weiblicher Bu

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