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Die Einsamkeit der Wölfe Roman von Wall, Carolyn D. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.09.2011
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Die Einsamkeit der Wölfe

Für ihren Enkel stellt sich eine starke Frau der Vergangenheit - und findet dabei ihre eigene Zukunft

Das Leben in Pope County, Kentucky, ist hart. Niemand weiß das besser als Olivia Harker: Bei einem Unfall verlor sie ihren geliebten Vater und wurde selbst fürs Leben gezeichnet. Auch ihre Tochter wandte sich von ihr ab, kehrte aber noch einmal zurück, um ihren Sohn, den kleinen William, in Olivias Obhut zu übergeben. Die Liebe zu ihrem Enkel - und zu den Alaskawölfen, die einst ihr Großvater hier angesiedelt hat -, ist alles, was Olivia geblieben ist. Doch als jemand Jagd auf die Wölfe macht und schließlich auch William bedroht, stellt sich Olivia mutig einem übermächtigen Gegner entgegen ...

Carolyn D. Wall ist als freiberufliche Lektorin, Journalistin und Dozentin für Creative Writing tätig. Sie lebt mit ihrem Mann in Oklahoma City, wo sie derzeit an ihrem neuen Roman arbeitet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 26.09.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641066604
    Verlag: Goldmann
    Originaltitel: Sweeping Up Glass
    Größe: 784 kBytes
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Die Einsamkeit der Wölfe

Kapitel 24 (S. 116-117)

Zuerst dachte ich mir, Ida sei nun ganz und gar irr geworden. Sogar bei Wind und Wetter stand sie draußen vor ihrer Hütte, die Haare zerzaust, eine Rosshaardecke um die Schultern gelegt. Dann merkte ich, dass sie durchs Fenster ins Haus schaute, mich und den Kleinen beobachtete und sich Gott weiß was dachte. Einmal überlegte ich, ob sie sich wohl einsam fühlte, sagte mir aber dann, dass ich mich seit dem Tag meiner Geburt nach meiner Mutter gesehnt hatte. Jetzt sollte ihr ruhig mal was wehtun. Aber wenn das Wetter schlecht war, legte ich dennoch das Baby hin und ging raus, um Ida in ihre Hütte und zu ihrem Bett zu führen. Irgendwie war sie an eine Maiskolbenpfeife gekommen. Ich brachte ihr Tabak, und sie rauchte bis spät in die Nacht.

Will'm und ich hatten das Haus für uns alleine, und bald krabbelte er und fing an zu laufen und mich um Lutschtüten und andere süße Sachen anzubetteln. Ich führte den Laden, nähte meine Quilts und unterrichtete Will'm am Küchentisch. Als er sechs wurde, brachte ich ihn täglich zur Schule. Ich sagte ihm, die einzige Regel, nach der wir lebten, sei, uns selbst und die anderen zu lieben – was ich immer wieder sagen musste, weil Will'm alt genug war, um zu merken, dass ich das nicht auf Ida bezog. Er liebte sie trotzdem. Ida lebte in ihrem Bett, wo sie in ihrer Bibel las und über alles und jeden wetterte. Sie aß das Essen, das ich ihr brachte, und obwohl sie zu den Mahlzeiten ins Haus kommen durfte, ließ sie sich so gut wie nie blicken.

Als Will'm größer wurde, schickte ich ihn immer mal wieder mit einer Tasse Tee oder Kaffee zu ihr. Zweimal hörte ich sie freundlich und sogar weise mit ihm reden. Wenn sie einschlief, deckte Will'm sie zu, und oft genug klopfte er ihre Pfeife aus. Zuerst war ich verärgert, dass er sich so gut mit ihr verstand, was ich nie geschafft hatte. Es war nun mal so: Ida und ich waren wie eine Achterbahn aus Kränkungen, ein rasendes Auf und Ab, das man niemals anhalten konnte.

Will'm wuchs heran und wurde ein aufrichtiger, liebenswerter Bursche. Die gelben Haare und die großen runden Augen hatte er von seiner Mama geerbt. Er war nicht arbeitsscheu, und da ich ihm kein Gewehr erlaubte, bastelte er pfiffige Fallen, in denen er Kaninchen und Opossums fing – die waren zwar fasrig und zäh, aber ich freute mich, wenn ich Fleisch auf den Tisch bringen konnte. Er brachte immer irgendwas Essbares nach Hause. Will'm las gerne Bücher, und während ich abends am Tisch saß und stickte, las er mir vor, bis ich alles von Mark Twain und William Faulkner kannte.

Und obwohl ich versuchte, ihn davon abzuhalten, kümmerte er sich mit Vorliebe um kranke und verletzte Tiere. Ich nehme an, dass er sie nicht von sich unterscheiden konnte, sosehr ich mich auch bemühte, ihn davon abzubringen. Er war ein stilles, großherziges Kind mit einem starrsinnigen Zug, den er wohl von mir geerbt hatte. Ich war froh, dass er es sich nie in den Kopf gesetzt hatte, die verschlossene Kellertür zu öffnen.

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