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Die Eisbaronin Bis ans Ende der Welt - Roman - Die Eisbaronin-Saga 1 von Vosseler, Nicole C. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.08.2019
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Die Eisbaronin

Katya hat ein Gespür für Eis - eine Gabe, die sie bis ans Ende der Welt führen wird
Russland 1822. Katya kann im Eis lesen. Farbe und Klang verraten ihr, wie es beschaffen ist - eine besondere Gabe, die sie mit ihrem Bruder Grischa verbindet. Beide haben große Träume und lassen schließlich die Armut ihres Heimatdorfes hinter sich. Ihre Reise führt sie über die Nordmeere bis nach Hamburg. Zusammen mit den ehrgeizigen Kaufmannsbrüdern Thilo und Christian gründen sie ein Handelsunternehmen. Der kühne Plan: das Eis des Nordens bis in die Tropen zu verschiffen. Doch der Weg zum Erfolg ist mit Stolpersteinen gepflastert, und auch die Gefühle zwischen Katya und dem verheirateten Christian drohen die jungen Eisbarone zu Fall zu bringen ...
Der Auftakt einer bewegenden Familiensaga um den Aufstieg einer Hamburger Handelsdynastie

Nicole C. Vosseler, am Rand des Schwarzwalds geboren und aufgewachsen, finanzierte sich ihr Studium der Literaturwissenschaften und der Psychologie mit einer Reihe von Nebenjobs. Bereits früh für ihre Kurzprosa, für Essays und Lyrik ausgezeichnet, wandte sie sich später dem Schreiben von Romanen zu. Ihre Bücher wurden bisher in neun Sprachen übersetzt. Nicole C. Vosseler lebt in Konstanz, in einem Stadtteil, der ganz offiziell "Paradies" heißt. Wenn sie nicht in ihrem Schreibstudio am Seerhein an einem ihrer Romane arbeitet, reist sie mit der Kamera um die Welt, wo sie trotz ihrer Höhenangst auch mal einen Vulkan besteigt und auch sonst das Abenteuer sucht.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Erscheinungsdatum: 19.08.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641172299
    Verlag: Goldmann
    Größe: 1997 kBytes
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Die Eisbaronin

2

Katyas Gesicht glühte in der Hitze des Herdfeuers. Einen vom Brotlaib abgerissenen Kanten in der Hand, wartete ihr Vater im Schein des Talglichts darauf, dass sie die dampfende Schale vor ihn hinstellte. Ohne seiner Tochter auch nur einen Blick zu gönnen, begann er, den Eintopf in sich hineinzuschlingen. Katya beeilte sich, wieder auf den Holzklotz hinaufzusteigen, den sie noch brauchte, um an den Kupfertopf heranzureichen, und für Jakov zu schöpfen.

Sie konnte sich an keine Zeit erinnern, in der sie nicht einen Rührlöffel in der Hand gehalten, Rüben geschnitten, Erbsen aus den Hülsen gelöst, Mehl gemahlen oder Teig geknetet hatte. Mit Tante Wera, Tante Ludmila, die das kleine Mädchen mit strenger Hand anleiteten, kaum dass es richtig laufen konnte, und dann schnell an ihren eigenen Herd zurückkehrten.

Es war ein großes Unglück, wenn eine Familie die Mutter verlor, bevor eine Tochter oder eine Schwiegertochter an ihrer Stelle kochen und nähen und waschen konnte, und keiner ließ Katya je vergessen, dass sie die Schuld daran trug.

Die Finger um den Holzlöffel gekrampft, hielt Grischa den Kopf gesenkt; erst wenn er nach den älteren Brüdern an der Reihe gewesen war, würde auch Katya sich zum Essen setzen dürfen.

Ein paarmal hatte er es gewagt, zum Messer zu greifen und Zwiebeln zu schälen, für Katya eine Schale zu füllen, bevor er für sich selbst schöpfte, und der Zorn des Vaters war fürchterlich gewesen. Genauso gut hätte Grischa versuchen können, den Grundherrn mit der Mistgabel zu verjagen und dessen Land in Besitz zu nehmen.

Es gab keine größere Sünde, als an der gottgewollten Ordnung der Dinge zu rütteln.

Die Schale für Jakov in den Händen, kehrte Katya vom Herd zurück. Igors Fuß schnellte unter dem Tisch hervor und traf sie hart am Knöchel.

Jakov röhrte auf, als der Eintopf über seine Jacke schwappte, und stürzte sich auf Katya. Grischa fuhr dazwischen; wie wütende Bären rangen die beiden Brüder miteinander, während Igor und Boris sich vor Lachen bogen.

»Schluss jetzt!«

Die Faust des Vaters krachte auf den Tisch. Igor und Boris verstummten jäh und zogen die Köpfe ein; diese Faust hatten sie alle schon zu spüren bekommen.

»Setz dich hin«, herrschte der Vater Jakov an.

Sein Zeigefinger, knotig und schwarz gerändert, stach erst in Katyas Richtung, dann in Grischas.

»Du. Mach sauber. Auch die Jacke. Eher gibt es für dich nichts zu essen. Und du kühl dich draußen ab.«

Einen bösen Ausdruck auf dem verwitterten Gesicht, erstickte er Grischas Widerworte im Keim.

»Raus!«

Wie Nadelstiche trafen Schneeflocken auf Grischas erhitztes Gesicht; er brannte vor Zorn. Ein hoch aufschießender, maßloser Zorn, der danach schrie, alles kurz und klein zu schlagen.

Wütend kickte er weiße Fontänen auf, knetete harte Geschosse aus Schnee und spie Flüche hinterher, bis seine Hände und Füße taub waren vor Kälte.

Zuflucht fand er in der Wärme des Stalls. Aus glänzenden Augen musterten ihn die Ziegen, während die Schafe sich geduckt aneinanderdrängten. Unter dem stumpfsinnigen Blick des Ochsen wickelte Grischa seine Jacke fester um sich und verkroch sich im hintersten Winkel.

Wie die Tiere, ging es ihm durch den Kopf. Der Vater und die Brüder sind wie Tiere. Schlimmer noch, Tiere wissen es schließlich nicht besser.

Immer öfter brodelte dieser Zorn in ihm auf, für den seine Brust zu eng schien. Als würde er irgendwann seine Rippen sprengen, wenn er ihm nicht beim Holzhacken und Mistschaufeln freien Lauf ließ. Und mit diesem Zorn kroch die Furcht heran, genauso zu werden wie der Vater, die Brüder, Grischas breitere Schultern, die kräftigeren Knochen und Muskeln wie die Vorboten eines unausweichlichen Schicksals. All die sonderbaren Anwandlungen dieses neuen Körpers, heftig und roh, für die er sich ebenso schämte, wie er sie genoss.

Er bemerkte

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