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Die englische Fotografin Roman von Jefferies, Dinah (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.07.2018
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
11,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Ab 27.07.2018 per Download lieferbar

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Die englische Fotografin

Indien, 1930. Als die junge Fotografin Eliza im Auftrag der britischen Krone nach Indien entsandt wird, um die Familie des Maharadscha von Rajputana zu porträtieren, kann sie ihr Glück kaum fassen. Nach dem freundlichen Empfang holt sie jedoch bald die Wirklichkeit ein. Intrigen und Streitigkeiten im Palast halten sie auf Abstand, ihr einziger Lichtblick ist Jay, der Bruder des Fürsten. Trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft fühlen Eliza und Jay sich zueinander hingezogen. Doch diese Liebe darf nicht sein. Denn Jay ist einer indischen Prinzessin versprochen ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 27.07.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732555826
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: Before the Rains
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Die englische Fotografin

Delhi, 23. Dezember 1912

A nna Fraser wartete auf dem Balkon eines der vielen Havelis entlang der Route, die der Zug des Vizekönigs nehmen würde. Es war elf Uhr am Vormittag. Die Straßen waren gereinigt und mit Öl besprüht, und dennoch reizte vom Wind aufgewirbelter Staub die Augen der versammelten Menschen. Die ausladenden Neem- und Peepalbäume in der Mitte des alten Chandni Chowk rauschten wie zum Hohn, und hoch über den Gassen, die von dem Platz abgingen, krächzten Krähen.

Anna hielt ihren weißen Schirm über sich und schaute vom Balkon des prächtig ausgestalteten Wohnhauses unruhig zu den Ständen der Händler hinunter. Dort gab es alles Mögliche zu kaufen, Speiseeis und Bratfisch mit Chili, exotische Früchte, Chiffonsaris, Bücher und Schmuck, und hinter hübsch vergitterten Fenstern saßen Frauen mit schwindendem Augenlicht und bestickten zarte Seidenschals. Wo der Geruch von Sandelholz durch die Luft zog, verdienten Apotheker ein Vermögen an Ölen und Tränken in eigentümlichen Farben. "Schlangenöl" nannte David sie, obwohl manche, wie Anna gehört hatte, aus zerdrückten Eidechsen gewonnen wurden und die Farbe von Granatäpfeln stammte. Am Chandni Chowk bekommt man alles, was das Herz begehrt, so hieß es.

Was das Herz begehrt? Welche Ironie!, dachte sie.

Sie wandte den Blick zu der Stelle, wo der Vizekönig bald erscheinen musste, auf einem Elefanten und in Begleitung seiner Gemahlin. David hatte ihr mit stolzgeschwellter Brust erzählt, er werde als der stellvertretende Distriktleiter ebenfalls auf einem Elefanten reiten, einem der dreiundfünfzig des Zuges, und zwar unmittelbar hinter dem Vizekönig. Delhi sollte Kalkutta als Regierungssitz ablösen, und dies war der Tag, da der Vizekönig Lord Hardinge die Ankündigung wahrmachte, indem er vom Hauptbahnhof an der Queen's Road aus prunkvollen Einzug in die alte ummauerte Stadt hielt.

Anna hörte unten die Kanarienvögel und Nachtigallen singen, die in unzähligen Käfigen die Ladenfronten zierten, und weiter entfernt das schrille Geräusch einer elektrischen Straßenbahn. Dann schaute sie wieder auf das Meer orientalischer Farben hinunter, wo sich immer mehr Menschen einfanden. Schließlich rief sie ihre Tochter Eliza.

"Komm jetzt, mein Engel. Sie werden gleich hier sein."

Eliza hatte gelesen, um sich die Zeit zu vertreiben, und eilte nun auf den Balkon. "Wo? Wo?"

"So zappelig? Schon wieder? Du musst Geduld haben", sagte Anna und sah erneut auf ihre Uhr. Halb zwölf.

Eliza schüttelte den Kopf. Sie war so aufgeregt wie noch nie und wartete nun schon so lange. Da fiel es schwer, Geduld zu haben, zumal mit zehn Jahren. "Es muss doch fast so weit sein", sagte sie.

Anna seufzte. "Sieh dich an. Dein Kleid ist schon verknittert."

Eliza schaute an ihrem rüschenbesetzten weißen Kleid hinab, das eigens für diesen Tag genäht worden war. Sie war äußerst behutsam damit umgegangen, doch Kleider und sie vertrugen sich schlecht. Sie versuchte durchaus, sie sauber zu halten, aber es gab ständig etwas Interessantes zu tun. Zum Glück nahm ihr Vater es nie übel, wenn sie sich schmutzig machte. Er war ihr Ein und Alles, ein stattlicher, lustiger Mann, der immer eine herzliche Umarmung für sie hatte und vom Grund seiner Hemdtasche ein Bonbon hervorzaubern konnte.

Die Briten, die entlang der Straße hinter den Einheimischen auf Tribünen saßen, wirkten in ihrer hellen Baumwoll- und Leinenkleidung vergleichsweise blass. Von den Indern sahen trotz des prächtigen Wetters viele lustlos aus, wie Anna fand. Das mochte aber an dem bitterkalten Wind liegen, der vom Himalaya her wehte. Wenigstens strahlten die Briten angemessene Freude aus. Anna rümpfte die Nase, weil es von unten nach Ingwer und Butterschmalz roch, und trommelte mit den Fingern auf der Balkonbrüstung. David hatte ihr so viel versprochen, als er vorgeschlagen hatte, sie solle mit ihm nach Indien gehen, aber jedes Jahr wa

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