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Die Erben von Seydell - Das Gestüt Roman - Die Gestüt-Saga 1 von Martaler, Sophie (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.10.2020
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Die Erben von Seydell - Das Gestüt

1947: Als Elisabeth Clarkwell erfährt, dass sie ein Gestüt geerbt hat, fällt die junge Witwe aus allen Wolken. Ein Onkel hat ihr das Anwesen in der Lüneburger Heide vermacht - für Elisabeth, die nach dem Tod ihres Mannes hochverschuldet ist, ein Geschenk des Himmels. Doch um den Besitz verkaufen zu können, muss sie sich mit dem zweiten Erben einigen, Javier Castillo y Olivarez. Elisabeth reist nach Navarra, um ihn zu treffen. Doch Javier weigert sich, sie zu empfangen. Elisabeth ist überzeugt, dass Javiers Haltung mit dem Geheimnis ihrer Herkunft zusammenhängt - einer Geschichte, die 1889 mit zwei ungleichen Brüdern begann, die dieselbe Frau liebten ...


Hinter Sophie Martaler verbirgt sich ein erfahrenes Autorenduo. Mit der Trilogie »Die Erben von Seydell« legen sie ihre erste, große Familiensaga vor.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Erscheinungsdatum: 19.10.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641249595
    Verlag: Goldmann
    Größe: 2220 kBytes
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Die Erben von Seydell - Das Gestüt

Kapitel 1
London, November 1947

Elisabeth Clarkwell beerdigte ihren Mann an dem Tag, an dem ihre Namensvetterin, die zukünftige Königin von England, ihre große Liebe heiratete. Es war ein kalter, nebliger Novembermorgen, ein scharfer Wind wehte über den Friedhof von Highgate und ließ Elisabeth unter ihrem zerschlissenen Mantel frösteln.

Sie war allein gekommen, niemand sonst gab Hugh Clarkwell das letzte Geleit. All ihre Bekannten hatten sich entschuldigt, sie versuchten lieber, einen Blick auf das glückliche Brautpaar in der prächtigen Kutsche zu erhaschen. Elisabeth konnte es ihnen nicht verdenken, jeder sehnte sich nach dem Anblick von etwas Schönem in dieser hässlichen, vom Krieg ausgezehrten Stadt. Einzig ihr Onkel Robert hätte ihr gern zur Seite gestanden, doch er war inzwischen zu schwach, um das Bett zu verlassen, ganz zu schweigen davon, dass er sich auf die beschwerliche Zugreise von Norfolk nach London hätte machen können.

Die Zeremonie war kurz und schlicht. Elisabeth konnte sich keine aufwändige Feier leisten und schon gar keinen teuren Sarg. Die Kosten für die Beerdigung hatten ohnehin schon einen Großteil ihrer eisernen Reserve aufgebraucht. Wie in Trance ließ sie alles über sich ergehen und kam erst wieder zu sich, als sie sich auf den Heimweg machte und die Highgate Road hinunter in Richtung Chalk-Farm lief. Je mehr sie sich dem alten Gospel-Oak-Bahnhof näherte, desto grauer und schmutziger wurde es rechts und links von ihr. Gebäude mit vernagelten Fenstern säumten die Straße, von den Fassaden bröckelte der Putz, und wo Bomben niedergegangen waren, klafften hässliche Löcher in den Häuserzeilen. Über allem lag der Gestank der Kohleöfen und der ewige, allgegenwärtige Staub, der sich in den Falten der Kleidung festsetzte, in Nase und Ohren eindrang und einen widerlichen Geschmack auf der Zunge hinterließ.

Schlagartig überfiel Elisabeth ein Gefühl von Einsamkeit, so übermächtig, dass ihr schwindelig wurde. Sie musste einen Augenblick stehen bleiben und sich an eine niedrige Mauer lehnen, sonst wäre sie gestürzt.

»Alles in Ordnung, Miss?«, hörte sie eine Stimme.

Sie hob den Kopf. Vor ihr stand ein junger Mann, kaum zwanzig, in einem abgetragenen Anzug. Sein Kinn war frisch rasiert, sein Haar akkurat zurückgekämmt. Es glänzte so tiefschwarz, als hätte er Schuhcreme statt Pomade benutzt.

»Mir geht es gut«, erklärte sie rasch. »Nur ein kleiner Schwindel.«

»Ich kann einen Arzt rufen.«

»Nein, nicht nötig.« Sie zwang sich ein Lächeln auf die Lippen. »Ich habe wohl zu wenig gegessen.« Sie straffte die Schultern und lief weiter, noch bevor der Mann etwas erwidern konnte. Ein weiteres freundliches Wort, und sie hätte die Tränen nicht länger zurückhalten können.

Als sie ihre Hände in die Manteltaschen schob, stieß sie mit den Fingern an den kleinen Gegenstand, den sie heute Morgen eingesteckt hatte. Es war ein winziger Vogel aus Porzellan, kunstvoll bemalt. Dem armen Tier fehlte ein Flügel, doch je nachdem, wie man ihn hielt, war der Defekt nicht zu sehen. Die Figur war einer der wenigen Gegenstände, die Elisabeth vor mehr als zwanzig Jahren aus ihrer Heimat mitgebracht hatte. Das Vögelchen, eine alte Puppe, eine Spieluhr und die Kette mit dem Medaillon, die sie um den Hals trug und die sie von ihrer Großmutter zur Geburt bekommen hatte.

Als sie Hugh im Herbst 1944 zur Feier ihrer Verlobung zum ersten Mal in ihre Wohnung in den St Ann's Gardens hinaufgebeten hatte, war ihm das kleine Porzellantier auf dem Kaminsims sofort aufgefallen.

»Wir haben beide etwas einbüßen müssen in diesem verfluchten Krieg«, hatte er zu dem Vogel gesagt. »Aber wir lassen uns nicht unterkriegen, nicht wahr, mein Freund?«

Elisabeth hatte ihn nicht berichtigt. Die Porzellanfigur war nämlich nicht bei einem Bombenangriff vom Sims gefallen, sondern schon beschädigt aus Deutschland angereist, im Juli 1926, als man Elisabeth als Dr

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