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Die Erfindung der Flügel Roman von Kidd, Sue Monk (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.01.2015
  • Verlag: btb
eBook (ePUB)
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Die Erfindung der Flügel

Zwei Frauen, die die Welt verändern Die elfjährige Sarah, wohlbehütete Tochter reicher Gutsbesitzer, erhält in Charleston ein ungewöhnliches Geburtstagsgeschenk - die zehnjährige Hetty "Handful", die ihr als Dienstmädchen zur Seite stehen soll. Dass Sarah dem schwarzen Mädchen allerdings das Lesen beibringt, hatten ihre Eltern nicht erwartet. Und dass sowohl Sarah als auch Hetty sich befreien wollen aus den Zwängen ihrer Zeit, natürlich auch nicht. Doch Sarah ahnt: Auf sie wartet eine besondere Aufgabe im Leben. Obwohl sie eine Frau ist. Handful ihrerseits sehnt sich nach einem Stück Freiheit. Denn sie weiß aus den märchenhaften Geschichten ihrer Mutter: Einst haben alle Menschen Flügel gehabt ... Sue Monk Kidd hatte sich in den USA bereits mit dem Schreiben von Biografien einen Namen gemacht, ehe 'Die Bienenhüterin' erst zum Geheimtipp, dann zum großen internationalen Bestseller wurde, der sich allein in den USA über 6 Millionen Mal verkaufte und in England für den renommierten Orange Prize nominiert war. Auch 'Die Meerfrau' stand monatelang auf den Bestsellerlisten. Ihr lange erwarteter neuer Roman 'Die Erfindung der Flügel' sorgte in den USA gleich nach Erscheinen für großes Aufsehen und stieg auf Platz 1 der New-York-Times-Bestsellerliste ein. Die Filmrechte hat sich Oprah Winfrey gesichert. Sue Monk Kidd lebt mit ihrer Familie in South Carolina.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 496
    Erscheinungsdatum: 19.01.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641151492
    Verlag: btb
    Originaltitel: The Invention of Wings
    Größe: 1060 kBytes
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Die Erfindung der Flügel

Hetty Handful Grimké

E s war einmal eine Zeit, da konnten die Menschen in Afrika fliegen. Das hat Mauma mir eines Abends erzählt. Damals war ich zehn. "Handful", hat sie gesagt, "deine Omama hat es noch selbst gesehen. Sie sagt, über Bäume und Wo lken sind sie geflogen. Sie sagt, wie Schwarzdrosseln sind sie geflogen. Dann hat man sie hergebracht, und da war der Zauber vorbei."

Meine Mauma war klug. Auch wenn sie nicht, so wie ich, lesen und schreiben konnte. Alles, was sie wusste, hatte sie ein Leben im Schatten der Gnade gelehrt. Sie hatte mir ins Gesicht geschaut, in dieses Meer aus Not und Zweifel. "Du glaubst mir nich? Mädchen, wo kommen deine Schulterblätter her?"

Die dürren Knochen. Sie hatten wie Grate aus meinem R ücken geragt. Mauma hatte sie sanft getätschelt. "Mehr is nich mehr da von deinen Flügeln, nur zwei platte Knochen. Aber eines Tages kommen sie wieder."

Ich war genauso klug wie meine Mauma. Selbst mit zehn war mir klar, Menschen, die fliegen konnten, das war Blödsinn. Wir waren doch keine besonderen Menschen, die ihre Zauberkräfte verloren hatten. Wir waren Sklaven, für uns ging es nirgendshin. Erst später habe ich verstanden, was sie mir sagen wollte. Wir konnten wirklich fliegen, aber das hatte nichts mit einem Zauber zu tun.

An dem Tag, an dem ich mein Leben in der Welt verloren glaubte, kochte ich im Wirtschaftshof das Bettzeug von uns Sklaven. Ich schürte das Feuer unterm Waschtrog. Der Wind wehte mir die Laugenseife ins Gesicht, und meine Augen brannten. Der Morgen war kalt - die Sonne wie ein kleiner weißer Knopf fest an den Himmel geheftet. Im Sommer trugen wir nicht mehr als schlichte Baumwollkleider über der Unterhose, aber wenn ab November oder Januar der Winter wie ein müßiges Mädchen in Charleston einzog, stiegen wir in unsere Säcke - derbe Mäntel aus schwerem Garn. Es waren wirklich alte Säcke mit Ärmeln. Meiner war ein Erbstück und reichte mir bis an die Knöchel. Keine Ahnung, wie viele ungewaschene Leiber ihn vor mir getragen hatten, aber netterweise hatten sie mir alle ihren Duft hinterlassen.

Schon am Morgen hatte ich den Stock von der Missus im R ücken gespürt. Ich war eingeschlafen, beim Beten. Jeden Tag wurden wir Sklaven, bis auf R osetta, die alt und verwirrt war, noch vor dem Frühstück ins Speisezimmer gepfercht, und während wir versuchten, den Schlaf abzuschütteln, brachte uns die Missus knappe Bibelverse bei, so was wie "Jesus weinte", oder sie sprach ein Gebet zu Gottes Lieblingsthema Gehorsam . Wer eindämmerte, bekam Schläge, auch wenn Gott im gleichen Moment noch dieses oder jenes zu sagen hatte.

Bei Aunt-Sister aber riskierte ich nach dieser grässlichen Veranstaltung immer eine dicke Lippe. "Lass diesen Kelch an mir vorübergehen", plapperte ich die Bibelstelle nach. Oder ich spottete: "Jesus weinte, weil er auch bei der Missus festsitzt, so wie wir."

Aunt-Sister war die Köchin - sie war zur Missus gekommen, da war die Missus noch ein Mädchen gewesen -, und gemeinsam mit Tomfry, dem Butler, schmiss sie den Laden. Sie war die Einzige, die nicht der Stock traf, wenn sie der Missus etwas freiheraus sagte. Von Mauma hörte ich ständig, pass auf, was du sagst, aber das tat ich trotzdem nicht. Ich fing mir bestimmt dreimal am Tag von Aunt-Sister eine Backpfeife ein.

Mit mir hatten sie wirklich alle Hände voll zu tun. Aber nicht darum wurde ich Handful genannt. Das war mein R ufname. Der Master und die Missus, die gaben einem Kind den offiziellen Namen, aber eine Mauma schaute ihr Baby in seinem Körbchen an, und dabei fiel ihr der R ufname ein. Er konnte damit zu tun haben, wie ihr Neugeborenes aussah, welcher Wochentag war, was das Wetter gerade machte oder einfach, wie ihr die Welt an jenem Tag erschien. Der R ufname meiner Mauma war Summer, ihr richtiger Na

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