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Die Ermordung des Commendatore Band 2 Eine Metapher wandelt sich. Roman von Murakami, Haruki (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.04.2018
  • Verlag: DuMont Buchverlag
eBook (ePUB)
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Die Ermordung des Commendatore Band 2

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Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 500
    Erscheinungsdatum: 16.04.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783832189891
    Verlag: DuMont Buchverlag
    Originaltitel: Kishidanch goroshi 2
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Die Ermordung des Commendatore Band 2

33 SICHTBARES UND UNSICHTBARES

Auch am Sonntag war herrliches Wetter. Es wehte ein leichter, kaum spürbarer Wind, und die herbstliche Sonne brachte das Laub, das die Berghänge in den verschiedensten Farben sprenkelte, wunderschön zum Leuchten. Kleine weißbrüstige Vögel huschten von Ast zu Ast und pickten munter nach den roten Beeren. Ich saß auf der Terrasse und konnte mich an diesem Anblick nicht sattsehen. Die Schönheit der Natur existiert für Reiche und Arme gleichermaßen. Ebenso wie die Zeit ... Nein, Zeit ist Geld. Also können Wohlhabende sich ein Mehr an Zeit erkaufen.

Pünktlich um zehn kam der hellblaue Toyota Prius den Hang hinauf. Shoko Akikawa trug einen dünnen beigen Rollkragenpullover und eine schmal geschnittene hellgrüne Baumwollhose. Die goldene Gliederkette um ihren Hals schimmerte dezent. Wie beim ersten Mal war sie nahezu perfekt frisiert. Ihre schwingenden Haare gaben einen Blick auf ihren hübschen Nacken frei. Statt einer Handtasche trug sie heute eine Umhängetasche aus Wildleder über der Schulter und dazu braune Deckschuhe. Ein lässiges, unprätentiöses, doch bis in jedes Detail geschmackvoll zusammengestelltes Outfit. Und ihr Busen hatte wirklich eine schöne Form. Den internen Informationen ihrer Nichte zufolge stopfte sie den BH auch nicht aus. Ich fühlte mich - wenn auch vor allem in ästhetischer Hinsicht - ein wenig zu diesem Busen hingezogen.

Anders als beim letzten Mal war Marie in ihren verwaschenen Bluejeans und den weißen Turnschuhen von Kompass alltäglich gekleidet. Ihre Jeans hatten an einigen Stellen Risse, die natürlich absichtlich dort platziert waren. Sie trug eine dünne graue Sweatjacke und ein dickes Holzfällerhemd, unter dem sich nach wie vor gar nichts wölbte. Und wieder machte sie ein eingeschnapptes Gesicht, wie eine Katze, der man ihr Futter weggenommen hat.

Wie beim ersten Mal goss ich in der Küche schwarzen Tee auf und brachte ihn ins Wohnzimmer. Anschließend zeigte ich den beiden die drei Zeichnungen, die ich in der vergangenen Woche angefertigt hatte. Shoko Akikawa schienen sie zu gefallen. "Sehr lebensecht. Eigentlich werden sie Maries Persönlichkeit besser gerecht als jedes Foto."

"Kann ich die haben?", fragte Marie.

"Ja, natürlich", sagte ich. "Sobald ich das Bild fertig habe, ja? Bis dahin brauche ich sie."

"Das ist sehr nett von Ihnen ... aber macht es Ihnen wirklich nichts aus?", fragte die Tante mich besorgt.

"Nein", sagte ich. "Wenn das Gemälde einmal fertig ist, habe ich keine Verwendung mehr dafür."

"Nach welcher von den dreien werden Sie es malen?", fragte Marie.

Ich schüttelte den Kopf. "Nach keiner. Diese drei Zeichnungen dienen mir vor allem dazu, ein plastisches Verständnis von dir zu bekommen. Auf der Leinwand werde ich dich vermutlich ganz anders malen."

"Haben Sie schon eine konkrete Vorstellung?"

Ich schüttelte den Kopf. "Nein, noch nicht. Wir beide werden jetzt gemeinsam darüber nachdenken."

"Über das plastische Verständnis von mir?", fragte Marie.

"Genau", sagte ich. "Geometrisch gesehen, ist eine Leinwand nur eine Fläche, aber ein Porträt muss schließlich dreidimensional wirken. Verstehst du?"

Marie runzelte missvergnügt die Stirn. Vielleicht musste sie bei dem Wort "dreidimensional" an ihren nicht vorhandenen Busen denken. Tatsächlich warf sie einen kurzen Blick auf die schön geformten, wohlgerundeten Brüste ihrer Tante unter dem dünnen Pullover und sah erst dann wieder zu mir.

"Wie kommt es, dass Sie das so gut können?"

"Meinst du die Zeichnungen?"

Marie Akikawa nickte. "Ja, zeichnen und skizzieren und so."

"Durch Übung. Wer viel übt, wird mit der Zeit immer besser."

"Aber es gibt doch auch Leute, die nicht gut werden, egal, wie viel sie üben."

Sie hatte natürlich recht. Ich hatte auf der Kunsthochschule eine Menge Kommilitonen gekannt, die so viel üben konnten, wie sie wollten, oh

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