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Die Ermordung Margaret Thatchers Erzählungen von Mantel, Hilary (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.09.2014
  • Verlag: DuMont Buchverlag
eBook (ePUB)
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Die Ermordung Margaret Thatchers

Meisterliche Erzählungen von Englands größter Schriftstellerin Ein Unfall mit tödlichem Ausgang. Ein geheimnisvolles Satzzeichen. Ein aufdringlicher Besucher. Ein plötzlicher Herzstillstand. Es sind die unterschiedlichsten Dinge und Ereignisse, die Hilary Mantels Figuren aus der Lebensbahn werfen - mal für kurze Zeit, mal für immer. Gemein ist ihnen, dass sie tief ins Fleisch des Daseins schneiden. Mit einem untrüglichen Gespür für die Balance zwischen subtiler Andeutung und zielsicher gesetzten Schockeffekten entlarvt "die größte englische Schriftstellerin" (so die Jury des Booker-Preises) die Abgründe, über denen das Leben wie ein dünner Teppich liegt. Diese hintersinnigen, pointiert und mit lakonischem Humor erzählten Storys sind der Beweis, dass die Großmeisterin des üppigen historischen Romans in der kurzen Form - und im Hier und Jetzt - nicht weniger heimisch ist. Mit einer bisher unveröffentlichten Erzählung Hilary Mantel, geboren 1952 in Glossop, England, war nach dem Jurastudium in London als Sozialarbeiterin tätig. Für den Roman Wölfe Falken Der Hilfsprediger

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 158
    Erscheinungsdatum: 15.09.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783832188184
    Verlag: DuMont Buchverlag
    Originaltitel: The Assassination of Margaret Thatcher
    Größe: 2092 kBytes
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Die Ermordung Margaret Thatchers

Der Besucher

In jenen Tagen klingelte es bei uns nicht oft, und wenn, dann zog ich mich in die Tiefe der Wohnung zurück. Nur wenn jemand nicht nachgeben wollte, schlich ich über die Teppiche hinweg zur Tür und sah durch den Spion. Wir waren bestens mit Riegeln und Rollläden, Schlössern und Sicherheitsketten ausgestattet, die Fenster lagen hoch und hatten Gitter. Durch den Spion sah ich einen aufgelösten Mann in einem zerknitterten, silbergrauen Anzug, gut dreißig Jahre alt und Asiat. Er war von der Tür zurückgetreten und ließ den Blick zur verschlossenen Tür gegenüber und die staubige Marmortreppe hinauf schweifen. Er befühlte seine Taschen, holte ein zerknülltes Taschentuch hervor und rieb sich damit über das Gesicht. Der Mann wirkte so angespannt, dass er sich statt Schweiß auch Tränen hätte abwischen können. Ich öffnete die Tür.

Er hob gleich die Hände, als wollte er zeigen, dass er unbewaffnet sei. Das Taschentuch fiel wie eine weiße Flagge zu Boden. "Madam!" Ich muss in dem Licht, das die gekachelten Wände mit hin- und herfahrenden Schatten überzog, entsetzlich blass ausgesehen haben. Aber dann holte er Luft, zog an seinem zerknitterten Jackett, fuhr sich mit der Hand durchs Haar und zauberte eine Visitenkarte hervor. "Muhammas Ijaz. Import/Export. Es tut mir so leid, Ihren Nachmittag zu stören. Ich habe mich verlaufen. Würden Sie mir die Benutzung Ihres Telefons gestatten?"

Ich trat zur Seite, um ihn hereinzulassen. Zweifellos lächelte ich. Angesichts dessen, was folgen sollte, muss ich annehmen, dass ich es tat. "Natürlich. Falls es heute funktioniert."

Ich ging voraus, und er folgte mir, wobei er sich erklärte: ein wichtiges Geschäft, fast abgeschlossen, ein Besuch des Kunden sei nötig, doch die Zeit - er schob den Ärmel hoch und sah auf seine gefälschte Rolex -, die Zeit werde knapp, und die Adresse - wieder befühlte er seine Taschen - nun, das Büro sei nicht da, wo es sein sollte. Er sprach schnell ins Telefon, sein Arabisch war fließend, aggressiv, die Brauen schossen in die Höhe, und am Schluss schüttelte er den Kopf, legte auf und sah bedauernd auf den Hörer. Säuerlich lächelnd hob er den Blick. Ein schwacher Mund, dachte ich. Fast ein gut aussehender Mann, doch nein: schmal, farblos, leicht aus dem Gleichgewicht zu bringen. "Ich stehe in Ihrer Schuld, Madam", sagte er. "Jetzt muss ich laufen."

Ich wollte ihm anbieten ... was? Das Bad zu benutzen? Sich auszuruhen? Ich hatte keine Ahnung, wie ich es formulieren sollte. Die absurden Worte "sich waschen und frisch machen" kamen mir in den Sinn, doch er war schon wieder in Richtung Tür unterwegs, obwohl ich angesichts der Art, wie der Anruf geendet hatte, annahm, dass sie ihn dort, wo er hinwollte, nicht so dringend sehen wollten wie er sie.

"Diese verrückte Stadt", sagte er. "Ständig reißen sie die Straßen auf und verlegen sie. Es tut mir so leid, Ihre Ruhe gestört zu haben." Vor der Tür ließ er ein weiteres Mal den Blick schweifen und sah die Treppe hinauf. "Es sind immer nur die Briten, die einem helfen."

Er schlitterte durch den Hausflur, stemmte die Tür mit ihrem schweren Eisengitter auf und ließ einen Moment lang den dumpfen Verkehrslärm der Medina Road herein. Die Tür schwang wieder zu, er war verschwunden.

Ich schloss leise die Wohnungstür und verschmolz mit der drückenden Stille. Die Klimaanlage ratterte wie eine alte Verwandte mit einem sich lösenden Husten. Die Luft hing voller Insektenspray. Manchmal versprühte ich es im Herumgehen, worauf es sich wie heller Nebel, einem Schleier gleich, auf mich herabsenkte. Ich wandte mich wieder meinem Sprachführer und dem Kassettengerät zu. Lektion fünf: Ich wohne in Dschidda. Ich habe heute zu tun. Gott gebe Ihnen Kraft!

Als mein Mann nach Hause kam, erzählte ich ihm: "Es war jemand hier, der sich verlaufen hatte. Ein Pakistaner. Geschäftsmann. Ich habe ihn telefonieren lassen."

Mein Mann schwieg. Die Klimaanl

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