text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Die Familie des Teufels Allein gegen die Literaturgeschichte von Gstättner, Egyd (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.09.2018
  • Verlag: Picus
eBook (ePUB)
18,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Die Familie des Teufels

Egyd Gstättner begibt sich auf die Spuren bedeutender Kollegen und schafft aus zehn literarischen Porträts ein großartiges Selbstbildnis. Vor Egyd Gstättner ist niemand sicher: Selbst Nobelpreisträger und Ikonen der Literatur müssen seine spitze Feder über sich ergehen lassen. Von großer Kenntnis und tiefer Einsicht, von Anteilnahme und von Abneigung gleichermaßen sind seine Annäherungen geprägt - sprechen sie doch immer auch von ihm selbst. Er erzählt tragische Geschichten und dramatische Ereignisse, voll Zynismus und Galgenhumor. Und dennoch wird am Ende klar, wie sehr das Leben und das damit untrennbar verwobene Werk aller zehn Porträtierten seine Entwicklung und sein Schreiben beeinflusst haben. Und eines ist sicher: Man kann sich seine Vorbilder nicht aussuchen. Egyd Gstättner, geboren 1962, lebt als freier Autor in seiner Heimatstadt Klagenfurt. Ständige Publikationen in 'Kleine Zeitung' und 'Die Presse' sowie in vielen anderen nationalen und internationalen Medien. Zahlreiche Preise und Auszeichnungen. Im Picus Verlag erschienen unter anderem 'Ein Endsommernachtsalbtraum', 'Das Geisterschiff', 'Am Fuß des Wörthersees', 'Das Freudenhaus' (2015), 'Karl Kraus lernt Dummdeutsch' (2016) sowie 'Wiener Fenstersturz' (2017). 'Die Familie des Teufels. Allein gegen die Literaturgeschichte' erschien 2018.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 392
    Erscheinungsdatum: 10.09.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783711753854
    Verlag: Picus
    Größe: 957 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Die Familie des Teufels

APOKALYPTISCHER HOCKEY CLUB WELLS ODER: DAS WUNDER DER HYDRAULIK

1

WIE EIDSCHI JANE NAHM UND WAS ER DABEI DACHTE

Als H. G. Wells im Alter von fünfundvierzig Jahren zusätzlich zu seinem Haus in London einen hübschen roten Backsteinbau in Easton Glebe in Essex, also im Süden Englands mietete, hatte er seine bedeutendsten Werke, allen voran Die Zeitmaschine , bereits geschrieben und war auf dem Gipfel seines Ruhms. Es sollten noch zwanzig weitere Romane folgen, die aber allesamt nicht beachtet wurden.

Mit Little Easton war auch ein Herzenswunsch von Jane, seiner zweiten Frau, in Erfüllung gegangen. Ihr zuliebe hatte sich H. G. - "Eidschi" - schon vor fünfzehn Jahren von seiner ersten Frau Isabel scheiden lassen. Nun konnte das Söhnchen des Ehepaars Wells auf dem Land aufwachsen, in guter Luft, in angenehmem Klima.

Es gab in Easton Glebe eine ebene Weide, die Eidschi mähen, als Hockeyfeld markieren und mit richtigen Toren mit Netzen ausstatten ließ, die sich herrlich bauschten, wenn man den Ball hineinschoss, was Wells ein unglaubliches Lustgefühl verursachte. Eidschi konnte nicht genug davon bekommen, die Bälle wie Pfeile in die Kreuzecke zu jagen! Wie das eine ins andere passte! Wie das krachte, wenn die Geschoße die Tore beinahe aus der Verankerung rissen! Phänomenal! Das war wie Sex, wie ein Orgasmus, wie ein täglicher Welt-Höhepunkt! Enormer Druck. Enorme Entladung. Enorme Erleichterung. Ahhh! Die Netze in Easton Glebe mussten sich bauschen; die wunderschönen Spielzüge, die zu den wunderschönen Toren führten, leuchteten und glitzerten in Eidschis Geist wie bunte Neonketten. Wie Nabelschnüre des Universums. Noch nachts am Schreibtisch zeichnete er sie in tiefster Befriedigung nach und schuf aus dem Hockeyspiel Geometrie und Mathematik, pure Schönheit, pure Lust! Überall Sturm und Drang und Druck auf Wiesen und Feldern, überdimensionierte Peniskanäle der Fantasie, überall vergoss Eidschi seinen Samen! Jane freute sich, wenn sich Eidschi freute, auch wenn er dadurch später zu Bett ging. Außerdem war zwischen ihnen ja noch ihr kleiner George Philip, Gip genannt. "Jane" hieß eigentlich Amy Catherine. Eidschi nannte sie bloß "Jane" - er hatte eine Abneigung, jemanden so zu nennen, wie er genannt war. Diese dichterische Freiheit nehmen sich viele Dichter, denn sie kostet nichts und erregt im Glücksfall Aufsehen. Dichter sind schließlich im Grund nichts anderes als Benennungskünstler. Ringelnatz nannte sich Ringelnatz, obwohl er eigentlich Hans Gustav Bötticher hieß. Wirklich schön ist Ringelnatz auch nicht, lässt ein wenig an wirbellose Fauna denken ... hier im Reptilienzoo sehen wir heute ein schönes Ringelnatzexemplar, na, wie auch immer, seine Frau nannte Ringelnatz Muschelkalk, und die Wahrheit ist, dass Muschelkalk Ringelnatz weder Muschelkalk noch Ringelnatz geheißen hat, sondern Leonharda Pieper. Dazu später mehr. Wells hingegen kommt nicht vom Fisch, Wells hieß wirklich Wells, allerdings wurde er postum mit Orson Welles verwechselt. Ob Orson wirklich Orson hieß, weiß man nicht so genau.

Jane und Eidschi gaben oft Partys in Easton Glebe, empfingen Freunde und Kollegen aus London, und Eidschis Wochenendgäste, Männer wie Frauen, mussten dort alle gemischtes Hockey spielen. Sogar Joyce war einmal eingeladen, aber der Schlappschwanz kam nicht. Wells sorgte dafür, dass stets genügend Hockeyschläger für Rechts- und Linkshänder zur Verfügung standen, gepolsterte Schienbeinschützer und eine große Kiste weißer Cricket- und Tennisschuhe sowie zwei Garnituren Shirts, eine braun-pink-gelb, die andere moosgrün-violett! Gespielt wurde mit einem harten Ledercricketball. Wenn man den auf einen ungeschützten Körperteil geschossen bekam, brannte die Stelle fürchterlich und tat weh, aber das gehört nun einmal zum Leben. Alw

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen