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Die Farbe des Goldes Historischer Roman von Zinßmeister, Deana (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.09.2019
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Die Farbe des Goldes

Württemberg 1605. Elisabeth lebt mit ihren Eltern in einem kleinen Dorf, harte Arbeit bestimmt ihr Leben. Als sie 17 Jahre alt ist, begegnet sie dem charismatischen Frédéric und lässt sich auf ihn ein. Doch Frédéric ist nicht, wer er vorgibt zu sein. Als Elisabeth unerwartet schwanger wird, will er nur noch eins: sie um jeden Preis loswerden. Und so findet Elisabeth sich plötzlich als Gefangene in einem Freudenhaus wieder. Erst als sie den Alchemisten Johannes Keilholz kennenlernt, scheint es Hoffnung zu geben. Denn durch ihn trifft sie jemanden, dem sie mehr wert ist als alles Gold der Welt ... Deana Zinßmeister widmet sich seit einigen Jahren ganz dem Schreiben historischer Romane. Bei ihren Recherchen wird sie von führenden Fachleuten unterstützt, und für ihren Bestseller "Das Hexenmal" ist sie sogar den Fluchtweg ihrer Protagonisten selbst abgewandert. Die Autorin lebt mit ihrer Familie im Saarland.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 528
    Erscheinungsdatum: 16.09.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641238988
    Verlag: Goldmann
    Größe: 1922 kBytes
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Die Farbe des Goldes

Kapitel 3

Kapitel 3

Nach einer Weile schaute Elisabeth über die Schulter zurück. Als sie den Mann nicht mehr sehen konnte, rannte sie los. Sie wollte so schnell wie möglich Abstand zwischen sich und den Fremden bringen. Hoffentlich taucht er nicht noch einmal zwischen den Bäumen auf, dachte sie, als im selben Augenblick ihre Füße wegrutschten. Sie strauchelte, fing sich aber und lief weiter.

Die Luft war feucht und eisig. Winzige Wasserperlen legten sich auf ihr Haar und ihre Kleidung. Die Kälte brannte in ihrem Schlund. Sie versuchte durch die Nase zu atmen, doch sie hatte das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen. Schnaufend riss sie den Mund auf. Obwohl in der Kiepe nur ihr Kleid lag, schien der Korb so schwer, als sei er noch mit Karpfen gefüllt. Das ungewohnte Laufen strengte Elisabeth an. Ihr Herz pochte heftig und schmerzte unter ihren Rippen. Trotzdem verlangsamte sie ihre Schritte nicht.

Das schwindende Licht tauchte die Umgebung in helles Grau. Sie konnte kaum mehr den Weg erkennen. Doch schließlich nahm sie den Geruch von verbranntem Holz wahr. Ihr Dorf konnte nicht mehr weit sein. Erleichtert erkannte sie die Umrisse der Kirche am Ortsrand. Erst jetzt zügelte sie ihr Tempo. Mit schmerzverzerrtem Gesicht presste sie sich die Hand gegen den Rippenbogen.

Kurz vor den ersten Häusern blieb sie stehen und drehte sich um. Obwohl die Landschaft im Dunst verschwand, ließ sie den Blick umherschweifen.

Er ist mir nicht gefolgt, stellte sie erleichtert fest und bog in die Gasse ein, an deren Ende die Kate ihrer Familie stand.

Sie öffnete die Eingangstür, zog den Kopf ein und trat in den Raum, der durch einen zerschlissenen Vorhang in zwei Bereiche geteilt war. Im hinteren Teil der Hütte befanden sich die Schlafplätze der Familie sowie die Verschläge für vier Ziegen, acht Hühner und eine Sau. Während des Winters lebten die Tiere mit den Menschen unter einem Dach, damit sie sich gegenseitig wärmten.

Der Bereich, in dem Elisabeth nun stand, war Küche und Wohnraum zugleich. Ein Tisch mit fünf Schemeln, eine Truhe für die Wäsche sowie ein kleiner Schrank für das wenige Geschirr, das die Familie besaß, waren das einzige Mobiliar. An der schmalen Wand befand sich ein gemauerter Herd, von dessen Feuerstelle dichter Rauch aufstieg, der durch den Schornstein abziehen sollte. Doch der kalte Wind drückte ihn zurück in die Kammer. Da die Fenster mit Stroh verstopft waren, konnte er nur notdürftig entweichen.

Das Mädchen kniff die Augen zusammen, die vom Rauch zu brennen begannen. "Wie oft habe ich dir gesagt, dass du das nasse Holz erst vor dem Ofen trocknen sollst! Es brennt nicht, es qualmt nur, und wärmt kein bisschen", maulte sie hustend ihren Bruder an, der mit ihrer Schwester Adelheid am Tisch saß und getrocknete Maiskolben schälte. Mit dem Schürhaken zog sie das rauchende Scheit zur Seite.

Dann schnallte sie den Tragekorb ab, lehnte ihn gegen die gekalkte Wand und öffnete den Eingang. "Wenn man nicht alles selber macht", murmelte sie und wedelte mit dem Türblatt den Rauch nach draußen.

Da wurde der Vorhang zur Seite geworfen, und ihre Mutter erschien. "Warum ist es so kalt in der Stube?", fragte sie. Kaum erblickte sie Elisabeth, keifte sie ihre Tochter an: "Wo bist du so lang gewesen?"

Elisabeth schloss die Tür wieder und legte ihren feuchten Umhang über den Stuhl. Sie war verärgert über den anklagenden Tonfall der Mutter. "Du weißt, dass Vater mich mit den Karpfen zu Johanna geschickt hat", erklärte sie ihr.

"Das war am Mittag. Seit Stunden warte ich auf dich!"

"Der Korb war schwer und der Weg rutschig und mühsam", verteidigte sich das Mädchen.

"Du weißt, dass meine Finger bei diesem Wetter schmerzen, sodass ich die Ziegen nicht melken kann." Die Mutter streckte ihr die verkrüppelte rechte Hand hin, an der man Verdickungen an den Gliedern erkennen konnte. Ihre Miene verriet die Schmerzen, die sie plagten.

"

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