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Die Farbe des Sturms Roman von Lafaye, Vanessa (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.06.2019
  • Verlag: Blanvalet
eBook (ePUB)
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Die Farbe des Sturms

Ein Sturm zieht auf, der alle Geheimnisse ans Tageslicht bringen wird ... Florida, 1935. Fast zwanzig Jahre sind vergangen, seit Henry die Stadt verlassen hat, um in Europa zu kämpfen. Die ganze Zeit hat Missy auf ihn gewartet. Nun ist er zurück, doch in dem Veteranen erkennt sie kaum noch den einst stolzen Mann. Als eine weiße Frau in der Nacht vom 4. Juli halbtot am Strand gefunden wird, gerät Henry in Verdacht. Während die Anspannung in der kleinen Stadt weiter ansteigt, fällt das Barometer - der verheerendste Tornado aller Zeiten zieht auf. Im Auge des Sturms offenbaren sich Tragödien, lüften sich Jahrzehnte alte Geheimnisse - und Missys und Henrys Liebe wird auf die Probe gestellt ... Die Hardcover-Ausgabe erschien unter dem Titel "SUMMERTIME - Die Farbe des Sturms" bei Limes. Vanessa Lafaye wurde in Talahassee geboren und wuchs in Tampa, Florida, auf, wo kaum ein Jahr ohne Wirbelstürme vergeht. 1987 kam sie das erste Mal nach England, suchte das Abenteuer - und wurde fündig. Nach Zwischenstopps in Paris und Oxford zog sie mit ihrem Mann nach Marlborough, Wiltshire, wo sie bis zu ihrem Tod im Jahr 2018 lebte.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 416
    Erscheinungsdatum: 18.06.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641245313
    Verlag: Blanvalet
    Originaltitel: Summertime
    Größe: 3601 kBytes
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Die Farbe des Sturms

1

Die schwüle Luft fühlte sich wie Wasser in der Lunge an; man kam sich vor, als ertrinke man. Eine lasche Brise ließ die Wäsche auf der Leine kurz flattern, ehe die einzelnen Teile erschöpft in sich zusammenfielen und sich trotz der Hitze standhaft weigerten zu trocknen. Auch die täglichen Gewitter brachten keinerlei Abkühlung, sondern machten die Luft nur noch dampfiger. Es ist, als würde man bei lebendigem Leib gekocht , dachte Missy. So wie die großen Krabben, die in einem Eimer Meerwasser darauf warteten, in den abendlichen Kochtopf zu wandern.

Sie badete das Baby im Garten im Schatten der Banyan-Feige, nicht nur um den Kleinen zu säubern, sondern auch um ihm etwas Abkühlung zu verschaffen. Fröhlich patschte er mit den Händchen in seinem Zuber und bespritzte sie alle beide mit Seifenwasser. Er hatte den ganzen Morgen in seinem neuen Weidenkörbchen geschlafen, und Missy hatte beobachtet, wie seine runden Wangen eine alarmierende Röte angenommen hatten, wie die überreifen Erdbeeren im Garten hinter der Küche. Manchmal war es des Guten einfach zu viel, selbst bei den Erdbeeren; trotz ihrer Einmachkünste hatte sie angesichts der enormen Ernte in diesem Jahr die Waffen strecken müssen, weshalb die Früchte nun an ihren Sträuchern verfaulten.

Die Pfauen hockten schreiend in den Ästen über ihr. Mittlerweile war die Röte auf Nathans Wangen wieder der gewohnten Rosigkeit gewichen, und sie atmete erleichtert auf. Mit einem leisen Stöhnen erhob sie sich, setzte sich auf den hölzernen Küchenstuhl und wischte sich die Grashalme von den Knien. Abgesehen von Sam, dem Spaniel, der hechelnd auf der Veranda lag, war sie allein mit Nathan. Mrs. Kincaid, die eigentlich nur selten das Haus verließ, war bei Nettie, ihrer Schneiderin, und Mr. Kincaid war wie üblich in den Country Club gefahren. Während der vergangenen Monate hatte er bestenfalls eine Handvoll Nächte zu Hause geschlafen. Er arbeitete immer sehr viel. Die Mangroven verströmten einen satten Moschusgeruch, wie ein wildes Tier, und die dunkelbraune Wasseroberfläche erzitterte unter den Insektenbeinchen.

Nathan begann zu quengeln, wie immer, wenn er müde war. Sie nahm ihn aus dem Zuber und trocknete ihn ab. Ihm fielen bereits die Augen zu, und so legte sie ihn wieder in sein Körbchen. Dann streckte sie seufzend die Beine aus, damit die leichte Brise unter ihren Rock wehen konnte, schloss die Augen und wedelte sich mit dem papiernen "Ich liebe Washington"-Fächer, den Mrs. Kincaid ihr von ihrer Reise in die Hauptstadt mitgebracht hatte, Luft zu. Mrs. Kincaid hatte darauf bestanden, ihren Mann zu begleiten, um sich endlich auch mal wieder etwas Schönes kaufen zu können. Sie hatten sich so laut gestritten, dass es selbst Selma auf der anderen Straßenseite mitbekommen hatte, obwohl ihr Gehör nicht das beste war.

Trotzdem wusste Selma über alles und jeden Bescheid. Sie hatte gehört, dass Mrs. Andersons Sohn Cyril in der Fischfabrik seine Hand verloren hatte, noch ehe Doc Williams gerufen worden war; und sie wusste auch, dass Mrs. Campbells Baby eine Hautfarbe wie Milchkaffee haben würde, obwohl Deputy Sheriff Dwayne Campbell das typisch rote Haar und die Sommersprossen seiner schottischen Vorfahren geerbt hatte.

Selma hatte Missy geholfen, als sie zu den Kincaids gekommen war, und ihr gezeigt, wo man das beste Gemüse und den frischesten Fisch bekam. Die Leute vertrauten Selma alles Mögliche an, auch private Dinge. Mit ihrem breiten Lächeln und den sanften Augen, die sie niederschlug, wenn man mit ihr sprach, wirkte sie unaufdringlich und nett, doch Missy wusste genau, dass sie sich nur so bedeckt gab, um ihren messerscharfen Verstand zu verhehlen. Jedenfalls war Missy bereits mehr als einmal Zeuge von Selmas Umtrieben geworden, und offen gestanden fürchtete sie sich ein klein wenig vor ihr, sodass ein leises Gefühl des Misstrauens ihre Freundschaft überschattete. Selma schien jeden im Ort manipulieren zu können, ohne dass

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