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Die Feinde der Hansetochter Historischer Roman von Weiß, Sabine (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.03.2016
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Die Feinde der Hansetochter

Lübeck 1379. Die junge Hansekauffrau Henrike ist bestürzt, als sie ein Brief aus Flandern erreicht: Ihre Familie in Brügge wird bedroht. Ausgerechnet jetzt sind Henrikes Mann Adrian und ihr Bruder Simon auf Handelsreisen - so macht sie sich kurzerhand alleine auf den Weg in die von Aufständen erschütterte Stadt. Als dann aber auch noch Adrian und Simon nur knapp Mordanschlägen entgehen, ist klar: Das kann kein Zufall sein! Gemeinsam decken sie eine Verschwörung auf, die ihre Liebe und ihr Leben zu zerstören droht...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 702
    Erscheinungsdatum: 11.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732515042
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Serie: Die Hansetochter Bd.2
    Größe: 931 kBytes
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Die Feinde der Hansetochter

1

Schonen, Anfang Juni

D er Mann hastet über den Strand. Er bemerkt weder, dass Sand in seine Lederschuhe dringt und sie ausbeult, noch, dass der Strandhafer seine Seidenstrümpfe zerreißt. Die finsteren Blicke seiner Schuldner treiben ihn weiter, genau wie deren Verwünschungen. Würde man es wirklich wagen, ihn anzugreifen? Verfolgte man ihn bereits? Er will lauschen, doch sein eigenes Keuchen übertönt alle Geräusche. Eilig erklimmt er die Düne. Niemand zu sehen. Schnell auf der anderen Seite hinab! Strauchelnd fällt er in den klammen Sand. Jetzt könnte sich jemand auf ihn stürzen! Er rappelt sich auf. Weiter, nur weiter, obgleich die Flanken schmerzen. Eine Düne noch, dann durch das Buchenwäldchen, und er hätte es geschafft.

Deutlich spürt er die schweren Geldbeutel an seiner Hüfte. Die Schonische Messe fängt erst in einigen Wochen an, aber er hat schon ein kleines Vermögen verdient. Am Strand um Falsterbo und Skanör tummeln sich bereits unzählige Menschen. Kaufleute konkurrieren um die besten Lagen für ihre Buden und feilschen mit den Fischern um ein Vorkaufsrecht auf ihren Fang. Alle treffen Vorbereitungen für die bedeutendste Handelsmesse der nordischen Welt. Nicht nur die Lage am wichtigsten Schifffahrtsweg der südlichen Ostsee macht Schonen so begehrt. Ein schlanker Fisch, der in den Sommermonaten hier dicht an dicht im flachen Wasser schwimmt, hat die dänische Halbinsel zu ihrer Bedeutung gebracht: "König Hering" ist die wichtigste Speise der Christenmenschen zur Fastenzeit - und die macht insgesamt immerhin etwa ein Drittel eines Jahres aus. Kein Kaufmann kann es sich leisten, die Schonischen Messen auszulassen, und so finden sich Tausende ein und bringen Waren aus aller Herren Länder mit. Im Moment arbeiten neben den Fischern und Fischweibern vor allem Zimmerleute hier, um die von den Winterstürmen weggefegten Holzschuppen wieder aufzubauen. Die Kaufleute haben, nach Städten geordnet, eigene Vitten, um Handel zu treiben und Salz, Bier, Tuche und andere Güter zu lagern. In einigen Buden wird der Fisch verarbeitet, in anderen der Grum, die Fischabfälle, zu Tran gekocht. Und natürlich können auch die Huren ihrem Gewerbe nicht im Freien nachgehen.

Er rennt über die letzte Düne in die Senke, in der kühle Schatten zwischen den jungen Buchen hängen. Der Kaufmann fröstelt und zieht sein samtenes Wams zusammen, damit der Kragen aus weichem Marderfell seinen Hals umschließt. Er braucht seine Stimme. Sie ist sein wichtigstes Handwerkszeug.

Seine Gedanken wandern zu seinen letzten Geschäften zurück. Er hatte Stangeneisen und Holz geliefert, beides zu einem hohen Preis. Die Nachfrage war so groß, dass er noch heute sein Schiff klarmachen und zurückreisen würde. Vielleicht würde es ihm gelingen, ein weiteres Mal vor seinen Konkurrenten in Schonen einzutreffen und ebenso viel Gewinn zu machen.

Der Waldrand ist erreicht. Endlich ist die Kirche in Sicht! So hell leuchtet die weiße Fassade des Gotteshauses gegen das Blau, dass er die Augen zusammenkneifen muss. Er spürt den Himmel über sich. Gott scheint ihm nah, zu nah. Jeden Winkel seiner Seele prüft der Allmächtige, und was er erblickt, dürfte ihm nicht gefallen ...

Denn der Handel ist nicht das Einzige, mit dem er Geld verdient. Oft wird er als Wucherer geschmäht. Und in einem sind sich alle einig, ob Adelige oder Tagelöhner: Geld wollen sie borgen, aber ihre Schulden nicht bezahlen. Wie der Zimmerer, der ihn vorhin mordlustig beschimpft hat. Aber warum soll er keine Entschädigung erhalten, wenn er Geld verleiht? Schließlich haben seine Kunden auch nur ihren Vorteil im Sinn.

Doch allmählich wird ihm bang um sein Schicksal. Erst letzte Nacht war er wieder aus dem Schlaf geschreckt. Ihm träumte, der Erzengel Michael habe seine Seele gewogen und für zu leicht befunden, weil er angeblich einen unrechten Zins verlangt hatte. Im Traum hatte er versucht, sich zu verteidigen, doch

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