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Die Festung der Einsamkeit Roman von Lethem, Jonathan (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 31.01.2019
  • Verlag: Tropen
eBook (ePUB)
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Die Festung der Einsamkeit

Die "Festung der Einsamkeit" ist ein großer und bewegender Roman über die Kraft der Freundschaft und das Erwachsen werden im Großstadtdschungel New Yorks. Die New York Times kürte das Buch bei Erscheinen zum "Besten Roman des Jahres". Anfang der siebziger Jahre ziehen die ersten weißen Hippiefamilien ins Zentrum Brooklyns, das zu der Zeit überwiegend von Schwarzen und Puerto-Ricanern bewohnt wird. Dylan, der schüchterne Sohn des Malers Abraham Ebdus und dessen Frau Rachel sieht sich mit dem Umzug der Familie in eine bedrohliche Welt versetzt. Jede Zuneigung muss er sich erkämpfen wie das Stück Asphalt beim Spielen auf der Straße. Dennoch versucht seine Mutter ihn mit aller Macht in dem Viertel, in dem sie selbst aufwuchs, zu integrieren. Als sie eines Tages verschwindet und sich der Vater in die abstrakte Welt seiner Malerei flüchtet, ist der achtjährige Dylan auf sich allein gestellt. Beschützt von seinem gleichaltrigen schwarzen Freund Mingus Rude, den selbstbewussten Sohn eines früher berühmten Jazzmusikers aus der Nachbarschaft, und begleitet von einem geheimnisvollen Ring, begibt er sich auf die Suche nach seiner Identität. "Ein Jahrhundertroman!" Tagesspiegel Jonathan Lethem, geboren 1964 in New York, ist Autor zahlreicher Romane, darunter die Brooklyn-Romane "Motherless Brooklyn" und "Die Festung der Einsamkeit". Für sein Werk erhielt er zahlreiche Preise und Auszeichnungen, u.a. den "National Book Critics Award", den "Gold Dagger" und das "MacArthur Fellowship". Lethem hat am Pomona College in Südkalifornien die Professur für Creative Writing inne. Zurzeit lebt er mit seiner Familie in Kalifornien.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 672
    Erscheinungsdatum: 31.01.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783608110791
    Verlag: Tropen
    Originaltitel: The Fortress of Soiltude
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Die Festung der Einsamkeit

Eins

Wie ein entzündetes Streichholz in einem dunklen Zimmer:

An einem Juliabend um sieben Uhr zogen zwei weiße Mädchen in Flanellnachthemden auf roten Kunststoffrollschuhen vorsichtig ihre Kreise auf dem geplatzten bläulichen Schiefer des Gehsteigs.

Die Mädchen murmelten Reime, waren gemurmelte Reime, ihr feines, himmelrosa Haar wehte, als wäre es niemals geschnitten worden. Unter der Bedingung, dass sie sich zuvor die Nachthemden anzögen und die Zähne putzten, hatten die Eltern den Mädchen erlaubt, nach dem Abendessen noch einmal auf die Straße zu gehen, noch einmal hinaus in die orangefarbene Dämmerung des wärmenden Sommerabends, in die Luft und das Licht, die über der Straße, über ganz Gowanus lagen wie eine Handfläche oder die Wölbung einer Muschel. Die Puerto Ricaner, die vor der Bodega an der Ecke auf Milchkästen hockten, brummten angesichts dieser Erscheinung, ein wenig unschlüssig, was sie da vor Augen hatten. Sie öffneten leicht die Münder, um einander das Weiß ihrer Zähne zu zeigen, ein Zeichen ihrer Geduld, ihrer wortlosen Ausdauer. Die Straße war übersät mit Kronkorken, die halb in den aufgeweichten Teer gedrückt waren: Yoo-Hoo, Rheingold, Manhattan Special.

Die Mädchen, Thea und Ana Solver, leuchteten wie eine neu entzündete Flamme.

Eine alte Frau, auch eine Weiße, war vor den Solvers hier im Viertel eingetroffen, um eines der verwahrlosten Häuser, ein ehemaliges Logierhaus, für sich zu beanspruchen, und sie hatte fünfzehn Mann allein durch sich selbst und ihre in Kartons verpackten Habseligkeiten ersetzt. Sie war gewissermaßen die Erste. Aber Isabel Vendle lag nur auf der Lauer wie ein Gerücht, wie eine Vorrede eingeschlossen in ihrem Brownstone, wo sie sich in diesem Moment an einem Stock vom Apartment im Untergeschoss zu ihrem Schlafzimmer im alten Salon des Erdgeschosses hinaufschleppte, zu dem Raum, in dem sie unter einer abbröckelnden, unrestaurierten Stuckdecke las und schlief. Isabel Vendle war nur noch ein Knöchel, ihr Körper wand sich um den Knorpel alter Verletzungen. Isabel Vendle erinnerte sich an einen Tag an Bord eines Postschiffs auf dem Lake George, sie kratzte Briefe mit einem in Tinte getauchten Füllfederhalter, drückte Briefmarken auf einen Schwamm in einem Schälchen. Die Schreibunterlage war aus Kork. Isabel Vendle hatte Geld, aber ihre Zimmer im Untergeschoss stanken nach Küchenabfällen, nach feuchten Zeitungen.

Die Mädchen auf Rollen waren das eigentlich Neue, vom Scheinwerferlicht angestrahlt, um die Vorstellung zu eröffnen: Die Weißen kehrten in die Dean Street zurück. Ein paar zumindest.

Mit fünf tötete Dylan Ebdus unter dem Ailanthusbaum im Hinterhof versehentlich ein Kätzchen. Die Mieter der Familie Ebdus im Untergeschoss hatten einen ganzen Wurf, fünf, sechs, sieben. Sie wanden sich dort am Boden, in dem senkrechten Käfig aus Backsteinmauern, zwischen Schotter und neu gepflanztem Efeu und den moschusartigen Ausströmungen des Ailanthus, unter dem Dylan allein spielte und forschte, während seine Mutter mit einer kleinen Harke Erde umgrub oder rauchend dasaß, derweil man das Pärchen von unten gemeinsam singen hörte, begleitet von einer mit Peacezeichen beklebten, ungestimmten Gitarre. Dylan tanzte mit den winzigen, scharfkralligen, insektenäugigen Katzen, jagte sie in den nacktschneckenbesetzten Backsteinhaufen, und am zweiten Tag zerquetschte er eine mit seinem beturnschuhten Fuß, als er armrudernd vor einer anderen zurückwich.

Die Mieter aus dem Untergeschoss nahmen das verletzte, aber noch lebende Kätzchen, während der weinende Dylan von seinen Eltern fortgedrängt wurde. Dylan begriff jedoch, dass das Kätzchen irgendwie ein gnadenvolles Ende fand, erstickt oder ertränkt wurde. Irgendwie. Er fragte nach, doch das Thema wurde ebenfalls erstickt. Die Erwachsenen zeigten nur im Augenblick der Entdeckung, was sie dachten, ließen Dylan ihren empfindlichen Ärger erahnen, bevor sie ihn

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