text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Die flammende Nacht von Hyan, Hans (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.07.2015
  • Verlag: Saga Egmont
eBook (ePUB)
1,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Die flammende Nacht

Mitten hinein in die Kabarettszene und die Spielklubs der Metropole Berlin führt dieses Melodram. Hella Eichholz, zu Unrecht wegen Giftmord verurteilt, wird aus der Haft entlassen. Der couragierte Journalist Martin Deinhardt hilft dem entkräfteten Mädchen, versucht den verworrenen Fall zu klären und sie zu rehabilitieren. Deinhardt, hin und hergerissen zwischen seiner alten Liebe Tessi und Hella, verhilft der schönen Blonden zu einer Karriere als Chansonsängerin. Wäre da nur nicht Hans von Hohenhausen, eine Spielernatur, der ein Auge auf Hella geworfen hat ... Zum Autor: Hans Hyan (1868-1944) war ein deutscher Kabarettist, Gerichtsreporter und Schriftsteller. Er verfasste vor allem Kriminalromane, aber auch Drehbücher. Hyan besuchte das Gymnasium in Prenzlau, Brandenburg. 1901 hob er in Berlin das Kabarett 'Zur Silbernen Punschterrine' aus der Taufe, das bis 1904 bestand. Hyan war liberal und sozialkritisch eingestellt. Diese Haltung schlug sich auch in seinen zahlreichen Kriminalromanen nieder.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 214
    Erscheinungsdatum: 17.07.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788711445884
    Verlag: Saga Egmont
    Größe: 1346 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Die flammende Nacht

2

Man mag sich noch so oft im Küssen üben

Und in der Lieb' verwechseln mein und dein

Nur einen einzigen kann man wirklich lieben

Und nur mit einem kann man glücklich sein!"

Die grosse Blonde, die den Refrain des Gassenhauers mit Inbrunst sang, stieg rasch, vom Conferencier bei der Hand genommen, die Stufen des Podiums hinab und musste durch den vollen Saal hindurch, um hinter der Klapptür zu verschwinden. Erst vom kleinen Gang aus ging's in die im Keller gelegene Garderobe.

Der Kabarettraum war, wie ein Stall, zu ebener Erde gelegen. Ein alter Tanzsaal, in dem ehemals die Bäckergilde ihre Bälle abhielt. Dann ein Berliner "Schwoof" übelster Sorte und nun - seltsamer Phönix! - das Kabarett "Zur schmetternden Lerche".

Martin Deinhardt, der in der Elsässer Strasse wohnte, kam als Nachbar manchmal hierher und kannte alle Künstler. Als Journalist besass er genug Schwung, ein sangbares Lied und hier und da auch ein Couplet zu schmieden. Verschiedenes wurde hier von ihm gesungen. Auch das Walzerlied, das Tessi Sommer - die Blonde, die ihm nicht ganz fern stand - noch eben mit vielem Beifall und mit einer mehr kräftigen als melodischen Stimme gegeben hatte.

Sie war bei ihm stehengeblieben und hatte mit den Augen neugierig zu Hella Eichholz hingewinkt. Als aber der Journalist abweisend den Kopf schüttelte, hatte sie den blonden Haarknoten etwas energisch nach hinten geschoben und war grusslos gegangen. Ihr blaues Seidenkleid, das eng anschliessend und rechts geschlitzt, das vollkräftige Bein freigab, flog glänzend in dem Licht der grossen Deckenlampen, die eben wieder erloschen.

Der Scheinwerfer flirrte über die winzige Bühne und das darunter sitzende Orchestertrio. Dann war der Conferencier oben und schleuderte politische Bonmots ins Parterre, die nicht von allen dort unten begriffen wurden. Er empfahl sich mit dem Bemerken, dass er nicht zu seinem Vergnügen, sondern nur, das Publikum zu erfreuen, hier wäre.

Er werde dafür bezahlt, während die Herrschaften ihr mehr oder minder sauer erworbenes Geld dafür hingäben - eine Tatsache, die er in all den Jahren seiner Kabarettätigkeit nie habe begreifen können .. Und nun, da er die hier offenbar gewünschte Note schon aus reinen Geschlechtsgründen nicht treffen könne, wolle er die grössten Kanonen der "schmetternden Lerche" ins Feuer schicken, in der sicheren Gewissheit, dass sich auch jetzt wieder der alte Satz bewähren würde: "Je weniger eine Frau anzieht, desto mehr zieht sie an!"

Dann formte er die Hände wie zum Fanfarenstoss vor seinem Munde und schmetterte den Namen der nächsten Programmnummer in den Saal:

"Lala Rokhs Nacktballett!"

Aber die Toilette der Lala-Damen schien noch nicht beendet. Die Lampen, schon im Erlöschen, brannten wieder hoch, und die Musik intonierte einen neuen Shimmy. Das Publikum plauderte gedämpft, nur die Stimme eines Halbtrunkenen und das Geschirrklappern am Büfett waren störend laut.

Martin Deinhardt kannte das alles. Er sah auf seine Dame, die mit gesenktem Kopf neben ihm in der kleinen Weinnische sass. Er bemerkte jetzt erst, wie unordentlich und zerzaust ihr das blonde Haar um die Schläfen und im Nacken hing. Der runde, tiefkrempige Hut aus verblichenem Samt von dunkler Farbe liess nur ein Stückchen ihrer zarten Wange und die ein wenig zu starke Nase sehen. Und auf einmal däuchte ihn dieses Geschöpf unendlich reizlos; er wusste gar nicht, wie er es fertig bekommen hatte, sich derart für sie zu interessieren.

Was wollte er denn? Ein Abenteuer? Doch gewiss nicht! So einen verhungerten Sperling steckt man nicht in seinen Käfig, wenn man hundert bunte Singvögel haben kann. Etwa den Heiland en petit pied spielen? Lächerlich! Er hatte wahrlich das Zeug nicht dazu! Da gab's doch nur eins: Den schmalen Kassenstand mal bis zur Neige erschöpfen und der armen Kleinen einen Obolus ins ungewaschene Händchen drücken, das wohl nur deshalb nicht aus dem ver

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen