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Die fragwürdige Betreuung Psychologischer Roman. von Bitter, Oskar (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.04.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Die fragwürdige Betreuung

Philipp Mahrong möchte Berufsbetreuer werden. Die Kontaktaufnahme mit der zuständigen Behörde verläuft kurios. Nach langer Wartezeit wird ihm ein problematischer Einstiegsfall angeboten. Mahrong lässt sich ködern - und gerät ins Schleudern.

Oskar Bitter ist von Beruf Statistiker und hat sich nach langjähriger Mitarbeit in einer großen Versicherung als freiberuflicher Experte selbständig gemacht. Seit einiger Zeit verfasst er spannende psychologische Romane. Die Inhalte entspringen seiner Phantasie, ergänzt durch allerlei Recherchen. Am liebsten zieht er sich zum Schreiben auf eine bewaldete Insel mit langen Sandstränden zurück. Begleitet von den Rufen der Möwen und Seeschwalben, lässt er dort den Gedanken freien Lauf.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 21.04.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783741254482
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 526kBytes
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Die fragwürdige Betreuung

II

10.

Das Haus lag in einer gepflegten Anlage, die eine fast mannshohe Mauer vom Bürgersteig abtrennte. Philipp Mahrong stand auf dem kleinen Balkon im ersten Stock und blickte ins Grüne. Krokusse, Schneeglöckchen und Osterglocken waren längst verblüht. Ebenso Tulpen und Forsythien. Bald müssten die Knospen der violetten Pfingstrosen aufgehen. Auf den weißen Blüten der Vogelkirsche summten emsige Bienen. Das Bild, das sich vor ihm ausbreitete, passte nicht im Geringsten zu seiner Stimmung. Er war enttäuscht, ja sogar ein wenig gekränkt, dass sein Engagement für die Berufsbretreuung so sträflich ignoriert wurde. Das rüttelte an seinem Selbstvertrauen. Die Balkontür blieb einen Spalt offen, als er sich an den Schreibtisch setzte. Beim Durchgehen der E-Mails ergab sich nichts Weltbewegendes. Die zahlreichen Werbesendungen und sonstigen Plunder löschte er unbesehen. Auf dem Anrufbeantworter waren keine Nachrichten gespeichert. Als er das Programm für Online-Banking öffnete, hörte er, wie die Post eingeworfen wurde. Es war viertel nach zehn. Resigniert dachte er:

"Wieder nichts, es lohnt sich nicht, nachzusehen."

Also blieb er im Schreitischsessel sitzen und gab stattdessen die Überweisung einer Zahnarztrechnung ein. Nachdem er seine Finanzen gründlich gecheckt hatte, schlürfte er lustlos einen Schluck lauwarmen Kaffee und widmete sich seinem allmorgendlichen Ritual: Eine überregionale Zeitung veröffentlichte auf ihrer Internetseite täglich ein Rätsel mit zehn Fragen zu aktuellen Ereignissen. Leider kreuzte er nur drei richtige Antworten an. Heute war nicht sein Tag. Verdrossen legte er eine neue Excel-Datei an, um etwas zu berechnen. Auf einmal musste er an die Post denken. Trotz fehlender Erwartungen machte ihn seine Neugier ganz kribbelig. Das stand auffällig im Gegensatz zur "Coolness in allen Lebenslagen", einer Maxime, die er gern gegenüber anderen zur Schau trug. Als er es nicht mehr aushielt, stürzte er das Treppenhaus hinunter.

Der Briefkasten war prall gefüllt. Beim Durchsehen stieß er auf ein graues Fensterkuvert: Die Volkshochschule schickte ihm einen Zahlungsbeleg über die Teilnahmegebühr seines Spanischkurses. Zwischen zwei in Plastikhüllen eingeschweißten DIN-A4 Katalogen mit Reklame für Büromaterial und Outdoor-Bekleidung versteckte sich ein dickerer, goldgelber Umschlag. Absender: Betreuungsgericht Eibenstädt. Da war sie, die Bestellung zum gesetzlichen Betreuer von Ottmar Kindler! Mit Datum vom 30. April. Er versah das Schreiben mit dem Eingangsstempel: 28. Mai. Bis zur Zustellung waren vier Wochen vergangen. Achtundzwanzig Tage für den Weg vom Gericht zu ihm ins Büro? Mahrong wurde aufgefordert, sich umgehend von Frau Elke Bogenhausen in die Tätigkeit einweisen zu lassen und sich den Betreuerausweis abzuholen. In dem Umschlag steckte außer der Bestellungsurkunde noch ein mehrseitiges Dokument, das mit "Betreuungsbezogene Signifikanz-Analyse" überschrieben war. Datum: 25. Mai. Hatten der Richter und seine Sachbearbeiterin darauf so lange gewartet? Ernüchtert stellte Mahrong fest:

"Jetzt führt kein Weg mehr an Kindler vorbei."

Plötzlich erfasste ihn ein unaufhörlicher Drang zum Handeln, als wäre er unentrinnbar in ein Kraftfeld hineingeraten. Er ließ alles stehen und liegen, setzte sich an den Tisch im Besprechungszimmer und vertiefte sich in seine Lektüre. Um halb zwölf hatte er das Papier durchgearbeitet. Die Sonne schien durch das Fenster und blendete ihn. Für einen Moment schloss er die Augen und ließ das Gelesene Revue passieren. Dann ging er das Papier noch einmal Punkt für Punkt durch:

Das Gericht hatte auf Antrag von Loni Schmidt eine Betreuung für Kindler eingerichtet. Der von ihr in Absprache mit Alfons Neumeyer vorgeschlagene und durch Richter Holler bestellte Betreuer hieß Ewald Kreiss. Die Fallakte war nach eineinhalb Jahren übervoll. Kindler machte permanent Ärger. Mahrong las zwischen den Z

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