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Die Frau des Gouverneurs Roman von Wallner, Michael (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.08.2014
  • Verlag: Luchterhand Literaturverlag
eBook (ePUB)
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Die Frau des Gouverneurs

Eine hingebungsvolle Liebe. Gegen alle Widerstände. Wider alle Vernunft.
Lübeck 1928: Christian Tolmein, ein vielversprechender junger Chemiker, ist mit Carlotta Dücker, der Tochter des Inhabers eines großen Stahlwerks, verlobt - eine Beziehung, die mehr auf hanseatischem Pragmatismus und Vernunftgründen basiert als auf tiefer Leidenschaft. Beide schätzen einander und fühlen sich freundschaftlich zueinander hingezogen, und beide glauben, das sei schon Liebe.
Christian ist nicht besonders begeistert, als er seine Verlobte nach Kuba begleiten soll, um dort für die Dückerschen Stahlwerke den Zugang zu den Nickelvorkommen in der Gegend von Santiago zu erschließen. Das Nordlicht Christian leidet auf der Karibikinsel unter der schwülen Hitze, dem täglichen Leerlauf und den steifen gesellschaftlichen Verpflichtungen, die ihre ökonomische Mission mit sich bringt. Doch dann begegnet er eines Tages Yamilé, der Frau des Gouverneurs von Santiago.
Yamilé ist eine selbstbewusste Frau mit einem rebellischen Geist, die große Sympathien für die entrechteten Minenarbeiter und Bauern in der Region empfindet. Christian ahnt nichts davon; für ihn ist sie nur eine faszinierend widersprüchliche Frau: verletzlich und stark zugleich. Wider alle Vernunft verliebt er sich in kürzester Zeit in sie. Blind vor Liebe, will er nicht wahrhaben, dass er leichtsinnig alles aufs Spiel setzt, was sein bisheriges Leben ausgemacht hat. Und doch weiß er im Innersten: Manchmal muss man alle Brücken hinter sich einreißen, wenn man sein wahres Glück finden will.
Präzise recherchiert und souverän erzählt, ist "Die Frau des Gouverneurs" ein Buch, das die flirrenden "Goldenen Zwanziger Jahre" in Kuba und Deutschland am Vorabend der Weltwirtschaftskrise von 1929 auf großartige Weise einzufangen versteht. Und es ist der Roman einer bedingungslosen Liebe gegen alle Widerstände und Vernunft - voller Spannung, Atmosphäre und Romantik und mit wunderbaren, unvergesslichen Figuren.

Michael Wallner wurde 1958 in Graz geboren. Er lebt seit 1997 als Roman- und Drehbuchautor sowie als Regisseur in Berlin. Seine Inszenierung von 'Willy Brandt - Die ersten 100 Jahre' am Theater Lübeck wurde 2013 in der Kritikerumfrage der WELT unter die zehn besten deutschsprachigen Theateraufführungen des Jahres gewählt. International bekannt wurde Michael Wallner als Autor durch den in über 20 Länder übersetzten Roman 'April in Paris'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 18.08.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641088057
    Verlag: Luchterhand Literaturverlag
    Größe: 643 kBytes
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Die Frau des Gouverneurs

1

Als Christian das vertraute Rascheln hört, erhebt er sich langsam, leise und sieht hinaus auf die Veranda. Da ist es wieder, das merkwürdige Tier. Von der zitternden Nase bis zum schlanken Schwanz vielleicht 20 Zentimeter lang, eher weniger. Zu klein für einen Almiqui, den kubanischen Schlitzrüssler, zu haarig für eine Spitzmaus. Was treibt das lichtscheue Tier in der Mittagshitze heraus? Die Veranda liegt im Schatten, wittert es im Innern der Bohlen Larven und Käfer? Der R üssler hebt den Kopf, aus winzigen Augen schaut er Christian an. Was sieht er? Einen schweißglänzenden schlanken Oberkörper, die Haut eine Mischung aus sonnengebräunt und entzündlich rot, weißblondes Haar, unüblich für die Weltgegend, zwei graugrüne Augen mit orangeroten Elementen. Es drängt Christian zu blinzeln. R egungslos, wie er da steht, beginnen seine Beine bald zu zittern, die Fußballen wollen das Körpergewicht nicht länger tragen.

Gerade als der R üssler die Erscheinung als ungefährlich einstuft und weiterschnüffelt, berührt Christians Hüfte den Drehstuhl. Maserungsfreies dunkles Holz, Algarrobo , robuster als die von Jahresringen geprägten Holzstühle daheim. Es knackt. Sofort flieht das Tier zu den Verandastufen, erkennt offenes Gelände und Schutzlosigkeit, macht kehrt, schlüpft zwischen den Geländerstäben hindurch und verschwindet in den Marabú;sträuchern.

Christian lässt sich fallen. Er hat das Hemd abgelegt, die Hitze ist unerträglich. Drei Wo chen, die letzten Tage der Überfahrt nicht eingerechnet, erträgt er die erstickende Schwüle nun schon. Während er jede Nacht schlaflos die Nordostbrise erwartet, die im Morgengrauen etwas Abkühlung bringt, schläft Carlotta im Zimmer nebenan tief und geräuschvoll. Die Wand zwischen ihnen ist nur symbolisch; knapp über Augenhöhe wird sie von gedrechselten Säulen durchbrochen. Durch die glaslosen Fenster soll die Luft zirkulieren. Nichts zirkuliert, schwer wie Brackwasser steht die Luft, selbst die Ventilatoren versetzen sie kaum in Bewegung. Manchmal hat Christian in solchen Nächten Eisfantasien. Dann schweben ihm Schneekristalle an einem Birkenzweig vor, er sieht sich durch Bruchharsch laufen, erklimmt eine Schneewechte und springt in tiefen Pulverschnee.

Obwohl sie außerhalb der R egenzeit nach Kuba kamen, fällt täglich Niederschlag, weit mehr als verdunsten kann. Ständig sind die Möbel von einem feuchten Film bedeckt, Gesicht und Körper fühlen sich an, als sei man in Schweiß gebadet. Manchmal sind die Finger wie gelähmt und lassen sich kaum strecken. Christians Arbeitspapiere wellen sich, die Bücher quellen auf, als ob sie schwanger wären.

Christian Tolmein ist das gesunde R eizklima der Ostsee gewohnt, heilsame Kälte, Seewind, der den Kopf freibläst . A bgekoppelt vom Golfstrom, durch reichen Süßwasserzufluss gespeist, friert die Ostsee im Winter zu und wirkt ganzjährig als Kältespeicher. Spätestens seit ihrer Ankunft in Santiago sehnt sich Christian nach seinen langen Gängen entlang der Trave. Er fühlt sich als Gefangener der Hitze, die Hirn und Körper lähmt.

Unterhalb der Villa verbindet eine Brücke das Festland mit der Halbinsel, auf der sich eine Kirche, ein Friedhof und eine Siedlung der Minenarbeiter befinden. Die Konstruktion fasziniert Christian durch ihre Leichtigkeit. Weder Stahl noch Mauern, auch keine Kettenglieder tragen das Bauwerk. Es scheint der Schwerkraft ein Schnippchen zu schlagen, so elegant schwingt es sich 60 Meter

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