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Die Frau im hellblauen Kleid Roman von Maxian, Beate (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.11.2017
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Die Frau im hellblauen Kleid

Wien. Marianne Altmann, einst ein gefeierter Filmstar, ist schockiert, als sie von Plänen ihrer Tochter Vera erfährt. Diese möchte einen Film über ihre Familie drehen. Marianne fürchtet, dass nun auch die Abgründe der Familie ans Tageslicht kommen könnten, und mit ihnen ein lange zurückliegendes Vergehen. Es reicht zurück ins Jahr 1927, als ihre Mutter Käthe in einem geliehenen Kleid am Theater vorsprach. Der Beginn einer beispiellosen Karriere - und einer verhängnisvollen Bekanntschaft mit Hans Bleck, der zum mächtigen Produzenten der Ufa aufsteigen sollte ... Beate Maxian lebt mit ihrer Familie in Oberösterreich und Wien und arbeitet neben dem Schreiben als Journalistin und Dozentin. Ihre Wien-Krimis um die Journalistin Sarah Pauli sind Bestseller in Österreich. Beate Maxian ist Initiatorin und Organisatorin des ersten österreichischen Krimifestivals.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 448
    Erscheinungsdatum: 13.11.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641210533
    Verlag: Heyne
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Die Frau im hellblauen Kleid

Wien, Jänner 2015

Marianne Altmann sah aus dem Küchenfenster, Schneeregen fiel vom Himmel. Ihr Blick ruhte auf den längst abgeernteten Reben des Hanges gegenüber, sie gehörten seit Ewigkeiten zum Weingut ihrer Familie. In den Weinbergen hatte sie mit ihrem Cousin Ferdinand Verstecken gespielt. Von ihrem Vater hatte sie alles über Wein erfahren, was sie als Winzerin hatte wissen müssen - obwohl sie beide wussten, dass sie niemals das Gut führen würde, und Ferdinand es überschrieben bekam. Völlig zu Recht, wenn man die wahre Familiengeschichte betrachtete.

Inzwischen war auch ihr Cousin ein alter Mann, wenn auch nur wenig älter als sie selbst. Das Weingut verwaltete sein Enkel mittlerweile, er baute auf dem Hang Grünen Veltliner an. Ihre liebste Weinsorte. Daneben wuchs der Weißburgunder. Die schweren, tonhaltigen Mergelböden in dieser Region waren die besten für diese Sorte.

"Ich bitte dich, Mama", drang Veras Stimme an ihr Ohr. "Lies doch erst mal das Drehbuch, bevor du dich festlegst und endgültig Nein sagst!" Sie hatte die letzten Wochen Tag und Nacht daran gearbeitet und es ihrer Mutter zu Neujahr in die Hand gedrückt. Als Zeichen des Neubeginns.

Marianne drehte sich um. Ihre Tochter lehnte mit einer Tasse Kaffee in der Hand an der Anrichte.

Die Tatsache, dass sie nicht sofort Feuer und Flamme für das Filmprojekt gewesen war, sorgte bei Vera seit einem Monat für üble Laune. Sogar Weihnachten hatten sie deswegen gestritten.

"Es tut mir leid, unser Privatleben ist nun mal kein Allgemeingut", rechtfertigte Marianne ihre Einstellung.

"Du begreifst nicht, worum's geht."

Marianne spürte, wie das Gespräch zum wiederholten Mal ins selbe Fahrwasser steuerte.

"Du stehst doch sonst so gern im Mittelpunkt."

"Tu ich nicht."

"Ach nein? Mir erschien es als Kind oft so, als drehte sich die Sonne ausschließlich um dich und nicht um die Erde."

Diese Spitze traf jedes Mal, wenn Vera sie losließ. Marianne Altmann plagte seit jeher das schlechte Gewissen, weil Vera als Kind oft mehr Zeit mit dem Kindermädchen verbracht hatte als mit ihren Eltern.

"Die Erde dreht sich um die Sonne", berichtigte sie ihre Tochter. "Nicht umgekehrt."

"Nicht in deinem Universum", erwiderte Vera.

Marianne presste die Lippen aufeinander. Sie und ihre Tochter standen sich in nichts nach, wenn es darum ging, sich gegenseitig Verletzungen zuzufügen. Diese heilten nur, weil sie am Ende doch das sehr starke Band der Mutter-Tochter-Liebe wieder einte.

Vera stellte ihre leere Tasse in die Spüle und verließ ohne ein weiteres Wort die Küche. Marianne zuckte nicht einmal mehr zusammen, als gleich darauf die Wohnungstür krachend ins Schloss fiel.

Ihre Position war eben, vorsichtig mit der Lebensgeschichte umzugehen. Insgeheim stellte sie sich seit Jahren die Frage, wie viele Geheimnisse ihre Familie vertrug. Im Umkehrschluss drängte sich ihr jedes Mal die Frage auf: Verträgt meine Familie die Wahrheit?

Denn darum ging es schlussendlich. Um die Wahrheit, die lange Zeit gut gehütet tief in Mariannes Innerem verborgen lag, nicht wissend, ob sie jemals ans Licht kam und eine Befreiung erfuhr.

Sie dachte an ihre Enkelin Sophie, die sich insgeheim schon in der Rolle der jungen Marianne sah. Ein Bild, das der Diva durchaus gefiel. Sie ähnelte ihr nicht nur äußerlich, sondern kam ihr auch im Wesen nahe.

Marianne überlegte, ob sie der Sache nicht doch zustimmen sollte. Immerhin kam das Projekt ohne ihr Einverständnis wohl kaum zustande, das jedenfalls betonte ihre Tochter bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Die Diva fällte ihre Entscheidungen jedoch niemals aus Gefälligkeit oder aus Lust und Laune heraus. Der Kopf kam bei ihr vor dem Bauch, auch wenn's um die eigene Familie ging.

Sie drehte sich um und sah wieder aus dem Fenster auf die Weinberge hinüber.

Da tauchte in ihrem Augenwinkel der Postbote am Gartentor au

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