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Die Frau mit den Karfunkelsteinen von Marlitt, Eugenie (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.03.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Die Frau mit den Karfunkelsteinen

Eugenie Marlitt (5.12.1825 - 22.6.1887) war eine deutsche Schriftstellerin. Sie gilt als erste Bestsellerautorin der Welt, allerdings hat die Literaturkritik ihr Werk stets zwiespältig beurteilt. Marlitts Roman "Die Frau mit den Karfunkelsteinen" wurde 1885 veröffentlicht. Eugenie Marlitt (5.12.1825 - 22.6.1887) war eine deutsche Schriftstellerin. Sie gilt als erste Bestsellerautorin der Welt, allerdings hat die Literaturkritik ihr Werk stets zwiespältig beurteilt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 346
    Erscheinungsdatum: 22.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783837084177
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 822kBytes
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Die Frau mit den Karfunkelsteinen

1.

Tante Sophie hatte die Klammerschürze vorgebunden und nahm Wäsche von der Leine. Das Herz lachte ihr im Leibe, während sie unter den hochgespannten Seilen hinschlüpfte - frischgefallener Schnee, ja, was war der gegen das Weiß der bleichenden Tafeltücher und Leinenbezüge? - Seit urvordenklichen Zeiten war stets das schönste Bleichwetter, sobald die Leinenschätze des ehrenwerten Hauses "Lamprecht und Sohn" an die Luft gebracht wurden - "selbstverständlich!" Es sei das so gut ein Vorrecht wie das berühmte Kaiserwetter, meinte Tante Sophie immer mit listigem Augenzwinkern, denn es war jemand im Hause, der solche "Blasphemien" absolut nicht hören mochte ...

Nun zog heute wieder die köstliche Sommerluft dörrend durch die feuchten Lakenreihen, und die Julisonne schien ihre ganze Kraft in dem mächtigen Viereck des Hofes zu konzentrieren. Über die Dächer schossen Schwalbenscharen, wie stahlglänzende Pfeile, in den Hof herein; ihre Nester hingen an den steinernen Fenstersimsen in der Bel-Etage des östlichen Seitenflügels, und es war niemand da, der den kleinen Blauröcken wehrte, wenn sie auf den Simsen rasteten und in ihrem aufdringlichen Gezwitscher kein Ende fanden. Ja, es wehrte ihnen weder ein Menschenblick, noch eine fortscheuchende Handbewegung; denn nie klang eines der Fenster droben in diesem Seitenbau, höchstens dass einmal im Jahre auf Stunden gelüftet wurde; dann fielen die großblumigen Gardinen wieder zusammen und ließen es geduldig geschehen, dass ihnen die Sonne den letzten Farbenrest aus der morschen Seidenfaser sog.

Das Haupthaus, dessen Fassade auf den vornehmsten Platz der Stadt hinausging, hatte der Zimmer und Säle genug, und der Bewohner waren nicht viele, da brauchte man die obere Zimmerflucht des östlichen Seitenflügels nicht. Die Leute sagten aber anderes. So hell und sonnig auch das angebaute Hinterhaus in die Lüfte stieg, und so friedlich es erschien mit seinen hohen, stillen Fenstern, es war doch der unheimliche Schauplatz eines Kampfes, eines fortgesetzten, gespenstigen Kampfes bis in alle Ewigkeit. So sagten die Leute draußen in Gassen und Straßen, und die darinnen widersprachen nicht. Warum auch? Hatte es doch seit Anno 1795, wo die schöne Frau Dorothea Lamprecht in dem Seitenflügel ihr Wochenbett abgehalten und da verstorben war, fast keinen dienstbaren Geist der Familie gegeben, der nicht wenigstens einmal die lange Schleppe eines weißen Nachtgewandes durch den Korridor hätte schleifen sehen, oder gar gezwungen gewesen war, sich halbtot vor Schrecken platt an die Wand des Ganges zu drücken, um die lange, hagere "Selige" im grauen Spinnwebenkleide an sich vorüberzulassen. Drum schliefe auch niemand droben in dem Hause, sagten die Leute.

An dem "Unwesen" sollte ein Eidbruch schuld sein.

Justus Lamprecht, der Urgroßvater des derzeitigen Familienoberhauptes, hatte seinem sterbenden Eheweibe, der Frau Judith, feierlich zuschwören müssen, dass er ihr keine Nachfolgerin geben wolle - es sei um ihrer zwei Knaben willen, sollte sie gesagt haben; im Grunde aber war es glühende Eifersucht gewesen, die keiner anderen den Platz an der Seite ihres zurückbleibenden Ehemannes gegönnt. - Herr Justus hatte aber ein leidenschaftliches Herz gehabt, und seine schöne Mündel, die in seinem Hause gewohnt, nicht minder. Sie hatte gemeint, und wenn sie in die Hölle mit ihm müsse, sie lasse doch nicht von ihm und heirate ihn der neidischen Seligen zum Trotz und Tort. Und sie hatten auch zusammen gelebt, wie zwei Turteltauben, bis sich die schöne, junge Frau Dorothea eines Tages in den Seitenflügel zurückgezogen, um sich in der mit fürstlicher Pracht ausgestatteten Wochenstube ein neugeborenes Töchterchen in den Arm legen zu lassen. Herr Justus Lamprecht hatte gesagt, nun sei er auf dem Gipfel des Glückes ...

Es war aber gerade strenger Winter gewesen, und just in der Weihnachtsnacht, wo draußen alles zu Stein und Bein gefroren, war mit dem Glockenschlag Zwöl

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