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Die Frauen am Fluss Roman von Webb, Katherine (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.05.2018
  • Verlag: Diana Verlag
eBook (ePUB)
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Die Frauen am Fluss

England, 1922. Zuerst stellt die Ankunft der Londonerin Irene die Ordnung des idyllischen Dorfes Slaughterford auf eine harte Probe. Kurz darauf geschieht ein brutaler Mord. Der Tote ist ein angesehener Gutsherr - und Irenes Mann. Gemeinsam mit dem Stallmädchen Pudding begibt sich Irene auf die Suche nach der Wahrheit. Die Spuren führen das ungleiche Paar tief in die angrenzenden Wälder und zu einer Liebe, die nicht sein durfte und ein ganzes Dorf schuldig werden ließ.

Katherine Webb, geboren 1977, wuchs im ländlichen Hampshire auf und studierte Geschichte an der Durham University. Heute lebt sie in der Nähe von Bath, England. Nach dem großen internationalen Erfolgsdebüt "Das geheime Vermächtnis" folgten zahlreiche Romane wie "Das fremde Mädchen" oder "Italienische Nächte", die die Autorin auch in Deutschland zu einer festen Größe auf der SPIEGEL-Bestsellerliste machten.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 496
    Erscheinungsdatum: 14.05.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641222055
    Verlag: Diana Verlag
    Originaltitel: The Hiding Places
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Die Frauen am Fluss

1

DREI MÄDCHEN

A m Morgen des Tages, mit dem alles begann, hielt Pudding kurz am oberen Treppenabsatz inne und erblickte durch das kleine Fenster ihre Mutter. Louise Cartwright stand hinter dem Haus auf dem Rasen, schaute auf die durchweichte Koppel, die zum Tal hin abfiel, und nestelte mit den Händen an etwas, das Pudding nicht sehen konnte. Es war früh am Morgen, die Sonne noch nicht ganz über den Horizont gestiegen und der Himmel von wolkenloser, blasser Klarheit. Es versprach ein weiterer heißer Tag zu werden. Pudding spürte dieses leise, unheilvolle Gefühl in sich aufsteigen, das sie mittlerweile schon so gut kannte. Sie verharrte einen Moment, doch als sich ihre Mutter weder umdrehte noch von der Stelle rührte, setzte Pudding ihren Weg die Stufen hinab fort, langsamer jetzt. Aus dem dunklen Elternschlafzimmer drang das leise Schnarchen ihres Vaters. Früher war er jeden Morgen als Erster aufgestanden. Er hatte den Ofen in Gang gebracht, den Kessel aufgesetzt, sich rasiert und seine Weste zugeknöpft, bevor Pudding und Donald in die Küche hinuntertapsten und sich den Schlaf aus den Augen wischten. Jetzt musste Pudding für gewöhnlich ins Schlafzimmer gehen und ihn wecken, wobei sie jedes Mal ein schlechtes Gewissen hatte. Er schlief wie ein Stein.

Die Küche im Spring Cottage hatte schon bessere Tage gesehen und war auch nicht mehr so aufgeräumt wie früher - die Schüsseln im Regal standen nicht mehr der Größe nach geordnet. Der Hopfenkranz machte einen verstaubten Eindruck. Vollgekrümelte Ritzen und Fettspritzer verbreiteten einen abgestandenen Essensgeruch. Donald wartete bereits am Küchentisch. Weder las er, noch reparierte er etwas, noch schrieb er eine Liste. Er saß einfach nur da und wartete. Wenn ihn niemand aufscheuchte und losschickte, würde er den ganzen Tag dort sitzen. Pudding drückte im Vorübergehen seine Schulter und sah, wie er langsam aus den unergründlichen Tiefen seines Inneren auftauchte und sie anlächelte. Sie liebte dieses Lächeln - es war noch genauso wie früher. Im Geiste führte sie zwei Listen: über das, was an Donald gleich geblieben war, und über das, was sich für immer verändert hatte. Mit diesem für immer haderte sie. Insgeheim wartete sie darauf, dass er irgendwann einfach alles abschüttelte, wie früher plötzlich voller Tatendrang vom Tisch aufsprang und etwas fragte wie: "Willst du nicht einen Toast zu deiner Marmelade, Pudding?" Die ersten zwei Jahre nach seiner Rückkehr hatten sie ihn einfach nur beobachtet und darauf gewartet, dass er wieder der Alte wurde. Im ersten Jahr kehrte auch einiges zurück: seine Liebe zur Musik, die Liebe zu Aoife Moore, die Faszination für Maschinen und der Appetit - obwohl ihm das Schlucken manchmal Schwierigkeiten bereitete und es dann in einem Hustenanfall endete. Doch im letzten Jahr war sein Zustand unverändert geblieben. Sein dunkles Haar war noch dasselbe - weich, glänzend und schwer zu bändigen. Ganz und gar liebenswert. Ebenso wie der leicht spöttische Zug um seinen Mund, obwohl auch die Ironie zu den Dingen gehörte, die er verloren hatte.

"Morgen, Donny", sagte Pudding. "Ich schaue nur kurz, was Mum vorhat, dann frühstücken wir, ja?" Sie klopfte ihm auf die Schulter und war bereits an der Hintertür, als er endlich eine Antwort zustande brachte.

"Guten Morgen, Puddy." Er klang so normal, so ganz nach großem Bruder, dass Pudding sehr tief, bis in den Bauch hinein, einatmen musste, um nicht die Fassung zu verlieren.

Sie zog die Tür hinter sich zu und hielt voller Zuversicht nach Louise Ausschau. Ihr Optimismus war von einer derartigen Hartnäckigkeit, dass sie ihn einfach nicht abstellen konnte. So hoffte sie, dass ihre Mutter inzwischen ihren Standort verlassen und einfach nur Petersilie fürs Rührei gepflückt hatte. Oder dass sie auf dem Rückweg vom Abort für einen kurzen Moment stehen geblieben war, um den Hasen zuzusehen, die sich auf den Feldern boxten. Doc

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