text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Die Frauen vom Nordstrand. Schicksalswende Roman von Sanders, Marie (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.09.2020
  • Verlag: Aufbau Verlag
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Die Frauen vom Nordstrand. Schicksalswende

Drei Freundinnen auf der Suche nach Selbstbestimmung und Freiheit Hamburg, 1955: Die junge Anni hat sich ein neues Leben aufgebaut, aber die Sorge um die Seeperle, das Hotel ihrer Eltern in St. Peter an der Nordsee, lässt sie nicht los. Schon bald ist sie gezwungen, einen folgenschweren Kompromiss einzugehen, der sie wieder zurück in ihre geliebte Heimat führt. Doch dort muss sie mithilfe ihrer Freundinnen Edith und Helena von Neuem um ihre Existenz kämpfen. Auch die Ärztin Helena schwebt mit ihrem Engagement für die Frauen der Stadt, die ungewollt schwanger geworden sind, in Gefahr - und die drei Freundinnen müssen stärker denn je zusammenhalten ... Turbulent und bewegend: die großen Zeitenwende-Saga über die fünfziger Jahre

Hinter MARIE SANDERS verbirgt sich Bestsellerautorin Steffi von Wolff. Die 1966 bei Frankfurt geborene Journalistin arbeitete jahrelang für verschiedene Radiosender und hat zahlreiche Romane veröffentlicht. Schon immer war es ihr großer Wunsch, über die 50er Jahre zu schreiben, ein Jahrzehnt, das sie seit jeher fasziniert hat. Steffi von Wolff lebt in Hamburg, die Sommer verbringt sie zum Schreiben auf einem Boot in Dänemark.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 22.09.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841218841
    Verlag: Aufbau Verlag
    Größe: 2058 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Die Frauen vom Nordstrand. Schicksalswende

Kapitel 2

Hamburg, Dezember 1953

Direkt nach ihrer Ankunft in Hamburg hatte Anni die Zimmeranzeigen in einer Zeitung studiert - nur wenig später war sie auf gut Glück in den Stadtteil Eppendorf gefahren und hatte bei einer älteren Dame geklingelt. Glücklicherweise hatte diese ihr sofort ein kleines Zimmer mit Bad- und Küchenbenutzung vermietet. Anni hatte ihr erzählt, ihr Mann sei noch in Gefangenschaft und sie wolle in Hamburg auf eigene Faust ihre Schwester finden, denn die Suche übers Rote Kreuz hätte bislang nichts gebracht. Hedwig Sterzel hatte bereitwillig auf Annis winzige Tochter Lisbeth aufgepasst und ihr auch mal das Fläschchen gegeben, wenn sie hungrig war, während Anni Abend für Abend losgezogen war und nach Rena gesucht hatte. Sie besaß ein Foto von ihr und hatte dieses herumgezeigt, bis sie schließlich zu einem Lokal in einer ruhigen Seitenstraße nahe der Reeperbahn geschickt worden war. Um Zutritt zu bekommen, musste man zunächst läuten und wurde daraufhin durch eine geöffnete Klappe an der schweren Eingangstür kurz gemustert.

»Ja, bitte?«, hatte ein bedrohlich dreinblickender, glatzköpfiger Mann Anni kurz angebunden gefragt.

»Ich ... ich habe einen Termin«, hatte Anni geistesgegenwärtig behauptet.

»Aha.« Er hatte daraufhin die Tür geöffnet und Anni eingelassen.

»Treppe hoch, dann links, da steht Kontor an der Tür, da sitzt Mutti«, hatte er, ein Riese mit unglaublich breiten Schultern, ihr nuschelnd mitgeteilt. Mit »Mutti« meinte er wohl die Inhaberin, dachte Anni, die kurz darauf zaghaft an besagte Tür klopfte.

»Ja«, antwortete eine tiefe Stimme. Anni öffnete die Tür und stand in einem kleinen Raum, der von einem riesigen, verschnörkelten Schreibtisch dominiert wurde. Über und über war dieser mit Unterlagen überhäuft, in einem wuchtigen Schrank dahinter sah es nicht besser aus. Lose Zettel lagen überall, und verschiedenste Ordner stapelten sich auf dem Boden neben anderen Papieren. Es sah aus, als hätte jemand verzweifelt und hektisch etwas gesucht und dann nichts wieder in Ordnung gebracht. Anni fand das furchtbar. Aus der Seeperle war sie eine gewisse Ordnung in den Unterlagen gewohnt und hasste es, wenn man nichts wiederfinden konnte.

'Hier müsste dringend mal Grund reingebracht werden', war deshalb ihr erster Gedanke. Am liebsten hätte sie sofort angefangen, die Post zu sortieren ...

»Haben wir einen Termin, Süße?«, fragte die korpulente, rothaarige Frau, die hinter dem Schreibtisch saß und an einer gelblichen Zigarettenspitze sog, mit rauer Stimme. Ein voller Aschenbecher neben ihr ließ ahnen, dass sie sehr viel Zeit so verbrachte.

»Nein«, gab Anni zu. »Nicht wirklich. Ich suche jemanden, eine Freundin. In einer anderen Bar hat man mir gesagt, dass ich sie hier finden würde. Bitte, können Sie mir weiterhelfen?«

Sie hatte Glück gehabt, zwei Herren hatten Rena auf dem Foto erkannt und Anni geholfen, wenn auch zögerlich. Niemand wollte mit dem Chérie in Verbindung gebracht werden, und schon gar nicht als möglicher Gast. Zuerst hatten die beiden Männer behauptet, die Frau auf dem Foto noch nie gesehen zu haben, aber Anni hatte gemerkt, dass etwas nicht stimmte, daraufhin nachgehakt und weitergebohrt. Schließlich hatten sie sie ans Chérie verwiesen.

Die Frau hustete, nickte Anni zu und deutete auf einen roten Samthocker vor ihrem Schreibtisch. »Dann setzen Sie sich erst mal hin, Kindchen, Sie sind ja ganz durchgefroren.«

Das stimmte. Es war eiskalt an diesem Abend, und Anni war froh, sich ein wenig ausruhen zu können. Außerdem war es hier herrlich warm, auch wenn die Luft durch den Zigarettenrauch komplett vernebelt war.

»Also: Wer sind Sie und wen suchen Sie denn?« Die Rothaarige stand hustend auf und holte aus einem Barschrank eine Kristallkaraffe und zwei Gläser.

»Was zu trinken?«

Anni schüttelte den Kopf. »Nein, danke. Mein Name ist

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen