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Die Frauen von Gut Falkensee Roman von Kamecke, Luisa von (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.08.2020
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Die Frauen von Gut Falkensee

Westpreußen 1904: Um den verschuldeten Familiensitz zu retten, verlobt sich die junge Charlotte von Bargelow mit dem wohlhabenden Witwer Baldur von Krammbach. Kurz vor der Hochzeit lernt sie unter dramatischen Umständen den jungen Polen Karol kennen und verliebt sich gegen alle Vernunft in ihn. Siegen ihr leidenschaftliches Herz und die Sehnsucht nach Selbstbestimmung über Pflichtbewusstsein und die Liebe zur Heimat? Charlotte trifft eine Entscheidung, die ihr Leben für immer verändern soll ...

Luisa von Kamecke wuchs mit den Erzählungen ihrer Mutter vom westpreußischen Drei-Werder-Land auf. Mit dem Roman um Gut Falkensee setzt die Autorin der Heimat ihrer Vorfahren ein literarisches Denkmal. Nach zahlreichen Romanen unter verschiedenen Pseudonymen ist dies Luisa von Kameckes persönlichstes Buch.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 397
    Erscheinungsdatum: 28.08.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732588039
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 1843 kBytes
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Die Frauen von Gut Falkensee

 

1. Kapitel

Veronika

Gut Falkensee, Westpreußen, 2. Juni 1904

»Ich bestehe darauf, dass du mir die Wahrheit sagst. Die ganze Wahrheit. Unbeschönigt.« Veronika von Bargelow schob das Kinn vor und sah ihrem Mann über den breiten Eichenholzschreibtisch hinweg entschlossen in die Augen.

Adalbert hob den Kopf, und sie erkannte deutlich das leichte Flackern in seinem Blick. Auf seinen Schläfen schimmerten Schweißtröpfchen. Veronika war nicht sicher, ob sie die feinen Perlen durch ihre Worte hervorgerufen hatte oder ob sie der Hitze geschuldet waren.

Seit Mai ächzte Westpreußen unter einer Hitzewelle. Angeblich waren in Danzig am 24. Mai beim feierlichen Einzug der Hauptwache in das Hohe Tor mehr als zwanzig Zuschauer ohnmächtig geworden, nachdem sie stundenlang in der Sonne ausgeharrt hatten, um die prunkvolle Zeremonie mitzuerleben.

Auch mehr als eine Woche später war noch kein Regen gefallen. Bereits am frühen Vormittag tauchte die Sonne das Herrenhaus und die Nebengebäude von Gut Falkensee in gleißendes Licht und ließ den nahegelegenen See silbern schimmern.

»Wir brauchen einfach nur Regen«, murmelte Adalbert, nachdem seine Frau längere Zeit vergeblich auf eine Antwort gewartet hatte. Sein Blick wanderte zum Fenster, als hoffte er, am klaren Himmel endlich eine Wolke zu entdecken.

Veronika fragte sich, ob er wirklich glaubte, ihre Bitte mit einer vagen Bemerkung vom Tisch wischen zu können. Sie besuchte ihren Mann nicht oft in seinem Arbeitszimmer mit den Aktenschränken aus dunklem Holz, in denen die Unterlagen der vergangenen hundert Jahre aufbewahrt wurden. Hier fanden Adalberts tägliche Besprechungen mit Emil Gabrowski, dem neuen Verwalter, und Adam, dem langjährigen Stallmeister, statt. Hier besuchten ihn Lieferanten für Düngemittel und landwirtschaftliche Geräte und gelegentlich Kaufinteressenten für ein Pferd aus der bargelowschen Zucht, die Adalbert seit einigen Jahren aufzubauen versuchte.

Dies war sein Arbeitsbereich, während die Wäschekammer, der große Geschirrschrank mit dem Meißner Porzellan und den Schatullen voller Silberbesteck sowie ihr kleines Büro im Gartenzimmer ihr Zuständigkeitsbereich waren. Adalbert kümmerte sich um den Gutsbetrieb, sie um Haushalt und Hauspersonal.

Vom Beginn ihrer Ehe an hatten sie ihre jeweiligen Verantwortlichkeiten akzeptiert und sich in die Angelegenheiten des anderen nicht eingemischt. Doch heute musste sie ihrem Ehemann gegenüber gewisse Dinge zur Sprache bringen, auch wenn Adalbert möglicherweise peinlich berührt reagieren würde.

»Ich gehe davon aus, dass wir ...« Nun zögerte sie doch, fuhr aber nach kurzem Durchatmen entschlossen fort: »... in Geldschwierigkeiten sind.«

»Wenn es nicht bald regnet, müssen wir beim Weizen Notreife befürchten«, zog er sich erneut auf die Wetterfrage zurück. »Aber ...«

Veronika unterdrückte einen Seufzer. »Es geht nicht nur um die diesjährige Ernte. Im vergangenen Jahr sind fünf wertvolle Zuchtstuten an der ...« Sie räusperte sich und sprach es dann doch aus: »... an der Beschälseuche eingegangen. Nun steht der neue Stall halb leer.«

Ihr Blick wanderte durch das Fenster hinaus zu den Wirtschaftsgebäuden hinter dem Herrenhaus. Dort befanden sich das Gerätehaus, das Gesindehaus für diejenigen Dienstboten, die nicht zum Hauspersonal zählten, die Remise und vor allem die zweigeschossige Scheune mit ihren zwei großen Einfahrten für die Erntewagen.

Ein geübtes Auge konnte an den Gebäuden erste Verfallserscheinungen entdecken. Hier ein verzogener Fensterrahmen, dort ein feuchter Fleck an einer Außenmauer. Der Sonnenschein brachte auf den Dächern unbarmherzig ein Flickwerk an den Tag, denn man hatte immer wieder einzelne Dachziegel, aber auch ganze Reihen ersetzt. Es war höchste Zeit, die Dächer vollständig neu decken zu lassen.

Den Abschluss der Reihe bildete der Pferdestall, der auf den er

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