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Die Frauen Roman von Boyle, T. C. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.02.2009
  • Verlag: Carl Hanser Verlag München
eBook (ePUB)
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Die Frauen

Er ist genial, er ist exzentrisch und er ist der berühmteste Architekt der USA - wenn nicht gar der Welt: Mit der überlebensgroßen Figur Frank Lloyd Wright erweitert T. C. Boyle seine Darstellung mythischer Amerikaner. Mitten in der Prärie hat Wright einen Traum verwirklicht: das Anwesen Taliesin. Hier lebt und arbeitet er mit seinen treuen Schülern und seinen geliebten Frauen: der aparten Tänzerin aus Montenegro, der exaltierten Morphinistin und - natürlich - Mrs. Wright. Sie alle führen erbitterte Kämpfe gegen ihre Nebenbuhlerinnen und gegen die bigotte amerikanische Gesellschaft. Boyles Geschichte des großartigen Egomanen ist zugleich eine Kritik an der Prüderie der Amerikaner in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. T. Coraghessan Boyle, 1948 in Peekskill, N.Y., geboren, unterrichtete an der University of Southern California in Los Angeles. Bei Hanser erschienen zuletzt Willkommen in Wellville (Roman, 1993), América (Roman, 1996), Riven Rock (Roman, 1998), Fleischeslust (Erzählungen, 1999), Ein Freund der Erde (Roman, 2001), Schluß mit cool (Erzählungen, 2002), Drop City (Roman, 2003), Dr. Sex (Roman, 2005), Talk Talk (Roman, 2006), Zähne und Klauen (Erzählungen, 2008), Die Frauen (Roman, 2009), Das wilde Kind (Erzählung, 2010), Wenn das Schlachten vorbei ist (Roman, 2012), San Miguel (Roman, 2013), die Neuübersetzung von Wassermusik (Roman, 2014), Hart auf hart (Roman, 2015), die Neuübersetzung von Grün ist die Hoffnung (Roman, 2016), Die Terranauten (Roman, 2017) und Good Home (Erzählungen, 2018).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 560
    Erscheinungsdatum: 04.02.2009
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783446233379
    Verlag: Carl Hanser Verlag München
    Originaltitel: The Women
    Größe: 1977 kBytes
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Die Frauen

Kapitel 1
FÜR DIE TOTEN TANZEN

An dem Tag im Herbst 1924, als er bei einer Ballettvorstellung in Chicago Olga Lazovich Milanoff Hinzenberg kennenlernte, war Frank Lloyd Wright optimistisch gestimmt, geradezu vergnügt. Mag sein, dass es an jenem Tag regnete - doch, es regnete, das graue Gestrichel verwandelte die nähere Umgebung in ein pointillistisches Gemälde, gebeugte Gestalten stapften unter dem Schutz ihrer Regenschirme die Straße entlang, Graupelschauer waren angekündigt, gefolgt von Schnee -, doch seine Stimmung war durch nichts zu trüben. Er hatte sich immer als ein heiteres Gemüt betrachtet, sonnig und übersprudelnd, als einen jener seltenen Menschen, die die Stimmung eines ganzen Raums verändern können, indem sie einfach nur zur Tür hereintreten, doch die Gefühlswirren der letzten zwei Jahre - jedenfalls seit seiner Rückkehr aus Japan - hatten ihn zermürbt. Das Problem, oder vielmehr dessen Gipfel und Krönung, war natürlich Miriam. Hinzu kamen Geldnöte. Zu wenige Aufträge, hasenherzige Kunden und die tief verwurzelte Ignoranz (und Feigheit, auch Feigheit) seiner Landsleute angesichts der Fauvisten, Futuristen, Dadaisten, Kubisten und all der anderen - isten und - ismen , Duchamp, Braque und Picasso sowie, noch schlimmer, des soi-disant Internationalen Stils von Le Corbusier, Gropius, Meyer, Mies - all dieser neuen Bewegungen, durch die er sich veraltet und bedrängt fühlte. Das alles machte die Sache nicht besser. Während er im Fernen Osten gewesen war, waren die Europäer in Amerika eingefallen.

Im Original Wrieto-San.

Doch es ging bergauf. Miriam war fort, seit Mai, mochte er auch, jedesmal wenn er über einer Zeichnung oder einem Buch die Augen schloss, ihr Gesicht sehen, das tragische, das sie wie eine Maske trug:

Es erschien vor seinem inneren Auge, um sich schließlich in einem Wirbel dunkelvioletter Flecken aufzulösen. Trotzdem, sie war fort, und in Taliesin herrschte wieder Frieden. Zur Zeit wohnten drei junge Paare dort - die Neutras, die Tsuchiuras und die Mosers -, und es gab Musikabende, Kameradschaft, die Beschaulichkeit vorm Kamin. Und nun war er geschäftlich wieder hier in Chicago, stampfte sich im Theaterfoyer den Regen von Hut und Mantel, reif für ein bisschen Unterhaltung.

Ein Freund hatte ihn gefragt, ob er Lust habe, am Nachmittag die Vorstellung der Karsavina zu besuchen, die Auszüge aus "Dornröschen", "Die schlecht behütete Tochter" und "Les Sylphides" darbot, und er hatte die Gelegenheit beim Schopf ergriffen, mochte die Primaballerina ihre besten Zeiten auch längst hinter sich haben und ihre überirdische Schönheit nur noch ein Schatten dessen sein, was sie einst gewesen war. Er wollte gesehen werden, und sei es nur, um ein paar Fusseln von der mottenzerfressenen Decke der Gerüchte und blanken Lügen abzuschütteln, die die Klatschmäuler über ihm ausgebreitet hatten - er würde am Ersten des Jahres hier wieder ein Büro eröffnen und musste Präsenz zeigen. Na schön. Draußen regnete es, die Tür öffnete und schloss sich, ließ einen Hauch des sich ankündigenden Winters herein, im Foyer herrschte Gedränge: Männer in modischer Aufmachung oder in dem Anzug, den sie in der Kirche getragen hatten, in Perlen und Pelze gehüllte Frauen, deren Stimmen zwitschernd und tirilierend aufstiegen wie der Gesang der Vögel im Aviarium des Lincoln Park Zoo. Ging man ihm aus dem Weg? War das nicht -?

Nicht identifiziert; vielleicht einer seiner Bekannten aus früheren, glücklicheren Tagen in der Chicagoer Gesellschaft.

Doch. Olivia Westphal, die er einst in seinem ersten Wagen um den Oak Park herum spazierengefahren hatte (das spezialgefertigte Stoddard-Dayton Sportkabrio, das auf der Geraden 90 Stundenkilometer schaffte, ein Auto, von dem er noch heute in den Momenten kurz vor dem Aufwachen träumte, der "Gelbe Teufel", vor dem sich die Leute auf den Gehweg ret

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