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Die fremde Tochter Roman von Jonuleit, Anja (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.03.2015
  • Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
eBook (ePUB)
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Die fremde Tochter

Zweierlei wird dich immer einholen: die Wahrheit und die große Liebe ...

Als Lin Berwanger, Erbin der traditionsreichen Pariser Teedynastie Thés-des-Anges, am Krankenbett ihrer Mutter von einem lange zurückliegenden Verbrechen erfährt, ändert sich ihr geordnetes Leben mit einem Mal. Jetzt, da sie die Wahrheit kennt, ergibt plötzlich alles einen Sinn. Der Hass. Die Vergeltung. Fest entschlossen, zu Ende zu bringen, was ihre Mutter begonnen hat, verlässt Lin das Krankenhaus. Kurze Zeit später ist sie unauffindbar ...

Anja Jonuleit wurde in Bonn geboren, lebte einige Jahre im Ausland und studierte Italienisch und Englisch. Sie arbeitete als Übersetzerin und Dolmetscherin, bis sie anfing, Romane und Geschichten zu schreiben. Sie lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Friedrichshafen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 16.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783423416597
    Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
    Größe: 2301 kBytes
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Die fremde Tochter

Die Sonne lag wie ein warmes Tuch auf seinem Gesicht, durch die geschlossenen Lider sah er Rot und Orange. Er blinzelte, ließ die Augen aber geschlossen.

Die Stille im Raum war mit den Händen greifbar.

Er schnupperte. Ein Hauch von Pfirsich und Mirabelle und etwas ... Er hob die Schale näher an sein Gesicht. Warmer Dampf ringelte sich nach oben, kitzelte seine Nase. Ingwer!, dachte er und entspannte sich.

Er stülpte die Lippen leicht vor. Schlürfte. Ja. Ingwer und Pfirsich und Mirabelle und ein Hauch von Orchidee. Alles war so, wie es sein sollte. Das lange Warten hatte sich gelohnt.

Er nahm einen zweiten und dritten Schluck, ließ die Augen immer noch geschlossen und kostete das Licht, das wie Musik in seinen Schädel floss. Dieser Tee sang ein Lied.

Die Tasse war fast leer, als er hörte, wie jemand den Raum betrat. Unter halb geschlossenen Lidern sah er seinen Assistenten auf sich zukommen. "Yuen!"

Wie war es möglich, dass Yuen ihn in diesem Moment störte!

"Da ist eine Dame am Telefon."

Cho runzelte die Stirn. "Es gibt viele Damen", sagte er, "aber nur einen Namenlosen Tee. Die Damen kann man in der Regel zurückrufen."

Yuen beugte leicht den Kopf. "Diese hier nicht. Sie sagt, sie müsse noch diese Woche einen Termin bei Ihnen bekommen."

Cho war versucht, seinen Mitarbeiter wieder hinauszuschicken, aber etwas an dessen Blick ließ ihn die Hand nach dem Telefon ausstrecken.

"Ja?"

Die Antwort war ein Atmen, dann ein zögerndes, beinahe ungläubiges: "Monsieur ... Cho?"

"Ja." Cho stellte die Teeschale, die er noch immer in der Hand hielt, auf das Teebrett.

"Ich ... muss einen Termin für eine Gongfu Cha bei Ihnen haben. Noch diese Woche." Die Stimme war jung, fast die eines Mädchens.

"Das mag sein. Aber ich habe diese Woche keine Termine mehr."

"Es ist sehr wichtig. Bitte ." Der Tonfall der jungen Frau wurde eindringlicher.

"Sie können einen Termin bei meinem Mitarbeiter haben. Er macht sehr gute Teezeremonien."

Ein paar Sekunden vergingen, ehe sie reagierte. Leise sagte sie nun: "Ich will aber zu Ihnen ."

Cho richtete sich auf. Die junge Frau klang, als würde ihr Leben davon abhängen. Sanft fragte er: "Warum muss es denn unbedingt bei mir sein?"

Wieder dieses Atmen, das mehr ein Luftschnappen war. Dann ein Räuspern und schließlich die Antwort: "Ich schreibe einen ... Artikel über das Thema. Und ich habe gehört, dass Sie hier in Paris die erste Adresse in Sachen Tee sind."

In ihrer Stimme lag etwas, das nicht ganz aufrichtig klang. Beiläufig fragte Cho: "Für wen schreiben Sie denn?"

"Oh ... für Elle à table ", antwortete die junge Frau rasch. Ein wenig zu rasch. Und plötzlich war er sich sicher, dass es einen anderen Grund geben musste, warum sie ihn unbedingt treffen wollte.

"Na, was für ein Zufall! Grüßen Sie bitte Madame Moreau von mir. Ich nehme an, sie ist dort noch immer die Chefredakteurin?"

"Ja, ja ..." Die junge Frau lachte nun, aber es klang unsicher und heiser.

Cho dachte kurz nach. Auch wenn er wirklich keine Zeit hatte - er musste wissen, warum diese Frau log.

"Dann erwarte ich Sie morgen früh um sieben bei mir im Teehaus. Sie wissen, wo ich bin?"

Ohne zu zögern antwortete sie: "Rue des Martyrs, 89."

Eine seltsame Unruhe ergriff Cho. Er bestätigte die Adresse und wollte gerade auflegen, als ihm einfiel, dass er nicht nach dem Namen der Anruferin gefragt hatte. Schnell schob er nach: "Und wie heißen Sie?"

Erst kam nichts, dann war ein Seufzer zu hören und die Frau antwortete mit rauer, fast anklagender Stimme: "Lin. Ich heiße Lin."

Schon als die Frau, die sich Lin nannte, das Teehaus betrat, spürte er die Intensität, die von ihr ausging.

In ihrem Blick lag eine stumme Frage. Ohne die Augen von ihm zu nehmen, streckte sie die Hand aus, mit einer eckigen und ungelenken Bew

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