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Die Fremde von Wachenfeld, Volker (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.09.2013
  • Verlag: ars vivendi
eBook (ePUB)
14,99 €
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Die Fremde

Das Ende der Neunzigerjahre zwischen Berlin und New York, Kokspartys und Spiritualität, Glamour und Gewalt: Unfähig, ihre Gefühle überhaupt noch zu spüren lebt eine 31-jährige Anwaltsgattin ihr oberflächliches, schillerndes Leben im Yuppie-Milieu und zwischen zwei Männern. Sie kann die Rolle der berechnenden Lolita, die sie seit ihrer Kindheit erfolgreich spielt, nicht mehr ablegen. Auf der Flucht vor Gleichgültigkeit und Leere landet sie in den Fängen einer ebenso korrupten wie verführerischen New-Age-Sekte. Was macht Geld aus uns Menschen? Und was sagt Gott dazu? Als in einem Ashram in den Catskill Mountains ein Mord geschieht, in den ihr Geliebter verwickelt ist, werden die großen Fragen des Lebens auf unerwartete Weise beantwortet ... Ein atemberaubender Liebes-Thriller, der seine Leser in existenzielle Abgründe blicken lässt: Albert Camus trifft Bret Easton Ellis.

Volker Wachenfeld, geboren 1962 in Berlin, studierte dort Philosophie. Er arbeitete in der Werbung in Hamburg, gründete eine Agentur in der Hauptstadt und veröffentlicht seit den 80er-Jahren Romane und Hörspiele, zuletzt Der Trip (2004). Dazwischen war er als Manager in der Internet- und der Realwirtschaft tätig und lebt heute als freier Schriftsteller in Nürnberg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 231
    Erscheinungsdatum: 02.09.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783869132969
    Verlag: ars vivendi
    Größe: 563 kBytes
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Die Fremde

2. Berlin, Anfang der Neunziger; Wodka und Werbung; das Koan unseres Lebens

Ich lernte Felix im Frühsommer 1992 in Berlin kennen. Er irrte durch die Gänge der Werbeagentur auf der Suche nach dem Chefbüro, in dem sein Vorstellungsgespräch stattfinden sollte. Ich war vierundzwanzig, hatte im Wintersemester mein Diplom in Betriebswirtschaft gemacht und arbeitete bereits ein paar Monate dort. Abteilung Marktforschung und Strategie, zwei Gebiete, die mich an der Uni herzlich wenig interessiert hatten und von denen ich nicht sehr viel begriff, die mir jedoch mit ihren Zahlen, Statistiken und Diagrammen Sicherheit gaben. Im Gegensatz zum Marketing mit seinen Interpretationen, Ideen und emotionalen Fallstricken.

Die Agentur residierte im zwölften Stock des seinerzeit einzigen Bürohochhauses im Zentrum der Weststadt, einem Siebzigerjahrebau mit dreieckigem Grundriss, weswegen jeder, der sich nicht auskannte, überrascht nach drei Fluren wieder an seinem Ausgangspunkt stand. Es fehlte der vierte Gang.

Ein Büro im spitzen Winkel war noch frei. Es blickte auf den Wittenbergplatz, die Urania und weit die Martin-Luther-Straße hinauf. Ich weiß noch, dass wir eines Samstagabends, als wir unseren Wettbewerbspräsentationen mal wieder ein Wochenende opferten, die paar Wagen der ersten Love Parade von dort aus beobachteten. Und das Häuflein Raver, zu denen wir auf eine gewisse Weise auch gehörten.

Ich lief Felix voraus, der eine schwarze A1-Präsentationsmappe schleppte. Ich wusste, dass er auf meinen Hintern und meine Beine starrte, denn ich trug eine enge, verwaschene Caprihose und ein weißes Tanktop von Benetton . Meine Haare hatte ich hinten zusammengebunden, aber trotzdem lief mir Schweiß den Nacken hinab. Eine Klimaanlage gab es nur im Büro des kaufmännischen Geschäftsführers, eines neureichen Schnösels, der am liebsten Polo spielte und Porsche fuhr, als müsse er irgendeinem Klischee seines Berufsstandes genügen. Er kümmerte sich kaum um die Kunden, was aus seiner Sicht auch nicht nötig war, denn wirtschaftlich gesehen hatte er es bereits geschafft. Und das im selben Alter wie ich. Merkwürdigerweise empfand ich keinen Respekt für ihn, sondern nur eine milde Herablassung. Einerlei.

Felix ergatterte den Job nach einer halben Stunde und fing schon am nächsten Tag als Texter an. Bei der Einarbeitung begegneten wir uns mit professioneller Gleichgültigkeit, und auch während der ersten Projekte wechselten wir kaum ein privates Wort. Als wollte Felix auf den geeigneten Augenblick warten, in dem wir unsere Berufsrollen - wenn auch nur für ein paar Augenblicke - ablegen konnten. Er wählte dazu ausgerechnet eines der wichtigsten Meetings in dieser Zeit.

"Das ist das Produkt", sagte ich in der Sitzung und stellte eine Wodkaflasche auf den Konferenztisch, um den sich die beiden Geschäftsführer, zwei Grafiker, Felix und ich versammelt hatten.

Eine Brennerei aus der ehemaligen DDR wollte den Schnaps bundesweit vertreiben, natürlich bei jungen, kaufkräftigen Zielgruppen. Wir sollten das Unternehmen mit einer Werbekampagne zum Markterfolg führen. Es war früher Abend, und der Wolkenkratzer hatte sich in der Nachmittagssonne aufgeheizt, bis die Aluminiumfassade zu glühen schien. Der Kreativgeschäftsführer schwitzte so stark, dass sich seine Frisur auflöste und ihm lange, grau-schwarze Strähnen in die Stirn fielen. Das nasse Hemd spannte über seinem Bauch.

"Das Design der Flasche stammt aus dem Jahr 1926, als der Großvater des jetzigen Unternehmenschefs vor den Rotgardisten nach Berlin floh", fuhr ich fort, "das Etikett wurde 1956 das letzte Mal überarbeitet. Wir haben sowohl eine quantitative als auch eine qualitative Marktforschung durchgeführt, gestützt durch freie Tiefeninterviews."

"Welche Zielgruppe?", unterbrach mich Felix.

"Dazu komme ich gerade. Es sollen junge Besserverdienende zwischen 22 und 35 angesprochen werden, frei verfügba

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