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Die Götter dürsten (Französische Revolution: Die Schreckensherrschaft) Historischer Roman (Eine vehemente Anklage gegen Fanatismus und Intoleranz jeder Art) von France, Anatole (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.10.2014
  • Verlag: e-artnow
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Die Götter dürsten (Französische Revolution: Die Schreckensherrschaft)

Dieses eBook: 'Die Götter dürsten (Französische Revolution: Die Schreckensherrschaft)' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Dieser Roman von 1912, erzählt die Geschichte eines doktrinären Revolutionärs und dessen Mitwirkens an der blutrünstigen Schreckensherrschaft von 1793/94. Es ist ein Aufruf gegen den ideologischen und politischen Fanatismus, der das Frankreich der Zeit polarisierte. Anatole France (1844 - 1924) war ein französischer Schriftsteller. Am berühmtesten wurden die Romane Die Insel der Pinguine von 1908 und Die Götter dürsten von 1912. 1921 erhielt er den Literaturnobelpreis. Aus dem Buch: 'Evarist Gamelin, Maler und Schüler Davids, Bürger des Stadtbezirks Pont-Neuf (vormals Henri IV.), ging frühmorgens nach der einstigen Barnabitenkirche, in der seit drei Jahren - seit dem 21. Mai 1791 - die Generalversammlung dieses Bezirks tagte. Die Kirche ragte auf einem engen, düsteren Platze, nahe dem Gitter des Justizpalastes. Die verwitterte, von Menschenhand verstümmelte Fassade bestand aus zwei antiken Pfeilergeschossen, die mit halb zerstörten Gesimsen und mit Pechpfannen geschmückt waren. Die Wahrzeichen des Glaubens waren roh abgemeißelt, und über dem Portal stand in schwarzen Buchstaben der Wahlspruch der Republik: 'Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit oder Tod.' Evarist Gamelin trat ein. Unter den Wölbungen des Kirchenschiffs, die einst vom Chorgesang der Bruderschaft St.Pauli wider-hallten, saßen jetzt die Patrioten in roter Mütze, um die Stadtverwaltung zu wählen und über die Geschäfte des Bezirks zu beraten.'

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 22.10.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788026825630
    Verlag: e-artnow
    Größe: 782 kBytes
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Die Götter dürsten (Französische Revolution: Die Schreckensherrschaft)

Drittes Kapitel

Inhaltsverzeichnis

Am selben Nachmittag ging Evarist zu dem Kupferstichhändler, dem Bürger Jean Blaise, der auch Tuschkästen, Papierwaren und allerlei Spiele verkaufte. Sein Laden in der Rue St. Honoré, gegenüber dem Oratorium, trug das Firmenschild "Amor als Maler". Es lag im Erdgeschoß eines Hauses, das etwa sechzig Jahre alt war. Die Türwölbung trug als Schlußstein eine gehörnte Satyrfratze. Im Bogen unter der Wölbung prangte ein Ölbild, das den "Sizilianer oder Amor als Maler" nach einem Gemälde von Boucher darstellte. Jean Blaises Vater hatte es im Jahre 1770 anbringen lassen, und seitdem war es durch Sonne und Regen verblichen. Rechts und links von der Tür öffnete sich je ein gleichfalls gewölbtes Fenster mit einem Nymphenkopf als Schlußstein. Hinter riesigen Spiegelscheiben prangten Modekupfer und die letzten Novitäten in bunten Stichen. Heute waren galante Szenen von Billy, etwas nüchterne Arbeiten, ausgestellt: "Die Schule der ehelichen Liebe" und "Sanfter Widerstand", die bei den Jakobinern Anstoß erregten, und die die Puritaner bei der Kunstgesellschaft denunziert hatten. Ferner eine "Promenade" von Debucourt mit einem Stutzer in gelbem Beinkleid, der sich auf drei Stühlen rekelte, Pferdebilder von dem jungen Karl Vernet, Luftballons, "das Rad der Virginia" und Figuren nach der Antike.

In dem Schwarme der Bürger, der an dem Laden vorbeikam, waren es just die Zerlumptesten, die am längsten vor den beiden schönen Schaufenstern verweilten. Sie waren zerstreuungslustig, begierig auf Bilder und wollten ihren Anteil an den Gütern der Welt wenigstens mit den Augen besitzen. Offenen Mundes standen sie davor, während die Aristokraten nur einen Blick hinwarfen, die Stirn runzelten und vorübergingen.

Sobald Evarist den Laden von fern erblickte, schaute er zu einem Fenster im ersten Stock auf, und zwar zu dem linker Hand, hinter dessen gebauchtem eisernem Balkon ein Topf roter Nelken stand. Es war das Fenster von Elodies Zimmer, der Tochter des Kupferstichhändlers, denn Jean Blaise wohnte mit seinem einzigen Kinde im ersten Stockwerk des Hauses. Einen Augenblick blieb Evarist vor dem "Amor als Maler" stehen, wie um Atem zu holen, dann drückte er auf die Türklinke.

Im Laden fand er die Bürgerin Elodie. Sie hatte Stiche verkauft, zwei Arbeiten von Fragonard Sohn und Naigeon, die aus einem Stoß andrer sorgfältig ausgesucht waren; und bevor sie die Assignate, die sie erhalten hatte, in die Kasse einschloß, hielt sie eins nach dem andern achtsam gegen das Licht, um ihre Wasserzeichen zu prüfen, denn es gab so viel falsches wie echtes Papiergeld, und der Handel wurde dadurch schwer geschädigt. Wie früher die Fälscher des Königsnamens, so bestrafte man jetzt die Papiergeldfälscher mit dem Tode: trotzdem gab es in allen Kellern Platten für Assignate; die Schweizer führten Millionen falschen Papiergeldes ein, man warf es bündelweise in die Gasthäuser; die Engländer luden täglich ganze Ballen davon an den französischen Küsten aus, um die Republik in Mißkredit zu bringen und die Patrioten ins Elend zu stürzen. Elodie fürchtete nicht nur, falsches Papiergeld zu bekommen, sondern noch mehr, welches in Umlauf zu setzen und dann als Komplizin von Pitt behandelt zu werden. Gleichwohl verließ sie sich auf ihr Glück in dem sicheren Gefühl, allen Lebenslagen gewachsen zu sein.

Evarist schaute sie mit jenem düsteren Blick an, der besser als alles Lächeln die Liebe verrät. Sie erwiderte diesen Blick mit einem spöttischen Mäulchen, wobei sie ihre schönen schwarzen Augen verdrehte. Sie tat es, weil sie sich geliebt wußte und nicht böse darüber war, und auch, weil solche Frätzchen einen Liebenden reizen, ihn zu Klagen verleiten und ihn zur Erklärung seiner Liebe drängen, sofern er das noch nicht getan hat. Und das war bei Evarist der Fall.

Als sie die Assignate in die Kasse gelegt hatte, zog sie aus ihrem Nähkörbchen einen weißen Schal, den s

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