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Die Gabe des Himmels Historischer Roman von Wolf, Daniel (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.03.2018
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Die Gabe des Himmels

Anno Domini 1346. Der junge Kaufmannssohn Adrien Fleury studiert in Montpellier Medizin und träumt von einer Laufbahn als Arzt. Als er nach Varennes-Saint-Jacques zurückkehrt, erkennt er seine Heimatstadt kaum wieder. Reiche Patrizier regieren Varennes rücksichtslos. Das einfache Volk rebelliert gegen Unterdrückung und niedrige Löhne. Die Juden leiden unter Hass und Ausgrenzung. Als Adrien eine Stelle als Wundarzt antritt, lernt er die jüdische Heilerin Léa kennen. Sie verlieben sich und bringen sich damit in höchste Gefahr. Doch dann wütet der Schwarze Tod in Varennes, und Adriens Fähigkeiten werden auf eine harte Probe gestellt ...

Daniel Wolf ist das Pseudonym von Christoph Lode. Der 1977 geborene Schriftsteller arbeitete zunächst u.a. als Musiklehrer, in einer Chemiefabrik und in einer psychiatrischen Klinik, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Mit den historischen Romanen "Das Salz der Erde", "Das Licht der Welt" und "Das Gold des Meeres" gelang ihm der Sprung auf die Bestsellerlisten. Der Autor lebt in Speyer.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 960
    Erscheinungsdatum: 19.03.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641160487
    Verlag: Goldmann
    Serie: Michel de Fleury .4
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Die Gabe des Himmels

Kapitel eins

JUNI 1346

Montpellier, Königreich Mallorca

A ls der letzte Student Platz genommen hatte, trat Doctor Girardus von der ehrwürdigen Medizinischen Fakultät Montpellier an den Katheder und ließ seinen Blick über die Anwesenden schweifen. Was er sah, erfüllte ihn mit Zufriedenheit. Vorne saßen die Studenten aus den Mönchsorden, in der Mitte die Adelssöhne, dahinter jene aus bürgerlichen Verhältnissen; ganz hinten die Armen, die auf mildtätige Stiftungen angewiesen waren. Die Sitzordnung entsprach exakt der von Gott eingerichteten ständischen Gesellschaft. Girardus schätzte es, wenn alles ordentlich war.

Es gab sogar einige Juden und Muslime unter seinen Zuhörern. Die Universität von Montpellier rühmte sich besonderer Offenheit und gestattete auch Nichtchristen ein Studium. Frauen waren selbstredend keine zugegen. Weibliche Studenten - allein der Gedanke ließ den Doctor schmunzeln. Chaos und Verwirrung wären die Folgen solcherart falsch verstandener Toleranz.

Girardus gab dem Pedell ein Zeichen, woraufhin der Hilfslehrer mit dem Stab aufstampfte. Sogleich kehrte Ruhe ein. Girardus öffnete sein Buch.

"Wir hören einen Abschnitt aus 'Über die Natur des Menschen' des Hippokrates von Kos", verkündete der Doctor und begann seinen gelehrten Vortrag in lateinischer Sprache. Girardus hatte sich entschieden, über die Vier-Säfte-Lehre zu referieren, jene Theorie, auf der jegliches medizinisches Wissen basierte, verbreitet von Hippokrates und verfeinert von Galen, den beiden antiken Patriarchen des Arztberufes. Wer die Vier-Säfte-Lehre beherrschte, war gewappnet für die Krankenpflege und konnte es mit jedem Leiden aufnehmen.

" Der Körper des Menschen enthält in sich Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle, sie stellen die Natur seines Körpers dar, und ihretwegen empfindet er Schmerzen und ist er gesund ", trug Girardus vor. " Gesund ist er nun besonders dann, wenn diese Substanzen in ihrer wechselseitigen Wirkung und in ihrer Menge das richtige Verhältnis aufweisen und am besten gemischt sind; Schmerzen empfindet er, wenn sich eine von diesen Substanzen in geringerer oder größerer Menge im Körper absondert und nicht mit allen genannten gemischt ist. "

Die Studenten schrieben eifrig mit. Girardus beschloss, spontan ein wenig von dem autoritativen Text abzuweichen. Die Vorlesung vertrug etwas akademische Kühnheit. Er hatte nämlich eigene Überlegungen zur Vier-Säfte-Lehre angestellt und einen Kommentar verfasst, der Hippokrates' Theorie klug, aber respektvoll ergänzte. Ja, man konnte durchaus sagen, dass der Kommentar die erhabene Symbiose aus Hippokrates' Weisheit und seiner eigenen Genialität darstellte.

Als Girardus gerade mit seinen Ausführungen beginnen wollte, rief jemand: "Bei allem Respekt, Doctor, aber ich kann es nicht mehr hören!"

Stirnrunzelnd hob Girardus den Kopf. Dies war eine Vorlesung, keine Disputation - Lautäußerungen der Zuhörer waren weder üblich noch erwünscht. Was einige Studenten nicht davon abhielt zu kichern.

"Ich meine, schon wieder die Vier-Säfte-Lehre", fuhr der Zwischenrufer fort. "Es vergeht keine Woche, ohne dass einer der Doctoren über die vier Säfte, die vier Temperamente oder die vier Elemente referiert. Ich bin sicher, jeder hier kann die Theorie im Schlaf aufsagen. Lernen wir auch einmal etwas anderes?"

Girardus war ein alter Mann; seine Augen und Ohren waren nicht mehr die besten, und er brauchte einen Moment, bis er den Störenfried ausgemacht hatte. Adrianus, natürlich. Ein Medizinstudent im letzten Jahr. Fraglos ein kluger Kopf. Leider auch ein Unruhestifter, dessen Überschuss an Blut und gelber Galle ihn dazu trieb, ständig zu widersprechen.

"Seit fünf Jahren sitze ich hier und höre Euch Doctoren zu, wie Ihr Galen und die anderen antiken Autoritäten zitiert", fuhr Adrianus fort. "Wenn wir wenigstens einmal Hippokrates' 'Über das Einrenken der G

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