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Die geheimen Fäden der Liebe von Hood, Ann (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.04.2020
  • Verlag: Aufbau Verlag
eBook (ePUB)
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Die geheimen Fäden der Liebe

Vor fünf Monaten verlor Mary ihre Tochter Stella und seitdem ist nichts mehr wie es war. Die Tage sind grau, leer und öde. Und genau so fühlt sich auch Mary: grau und leer. Doch dann trifft sie auf die energiegeladene Alice, die das Wollgeschäft 'Sit and Knit' führt. Kurzerhand wird sie von Alice zu ihrem regelmäßig stattfindenden Strickkreis eingeladen. Und dort, umgeben von Wollknäueln und dem leisen Klappern der Stricknadeln, beginnt sich Annes Leben wieder mit Farbe zu füllen... Eine Geschichte über die Liebe, Frauenfreundschaften und die Magie des Strickens.

Ann Hood wurde 1956 in West Warwick, Rhode Island, geboren. Nach ihrem Bachelor Abschluss an der Universität von Rhode Island arbeitete sie als Flugbegleiterin, lebte in Boston und Saint Louis und zog später nach New York City, wo sie an der New York University amerikanische Literatur studierte. Mittlerweile ist sie eine bekannte amerikanische Roman- und Kurzgeschichtenschreiberin und Ihre Essays und Kurzgeschichten wurden in vielen Zeitschriften, Magazinen und Anthologien publiziert.

Ann Hood lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern in Providence.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 360
    Erscheinungsdatum: 01.04.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783967970364
    Verlag: Aufbau Verlag
    Größe: 2244 kBytes
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Die geheimen Fäden der Liebe

2
Der Strickkreis

Eines wunderte Mary noch immer: Am Tag vor Stellas Tod war nichts Außergewöhnliches vorgefallen. Keine Anzeichen, keinerlei böse Vorahnungen, sondern ein ganz gewöhnlicher Tag in ihrem gemeinsamen Leben - ihrem, Dylans und Stellas. Als sie noch in San Francisco gelebt hatten, hoch oben auf einem Hügel in North Beach, war sie oft einer Nachbarin begegnet, einer alten Italienerin namens Angelina. Angelina trug stets ein schwarzes Kleid, dazu feste schwarze Schuhe und eine schwarze Stola überm Haar. »Die Menschen sollten wissen, dass man trauert«, sagte sie immer wieder zu Mary. »Und wenn man Schwarz trägt, verstehen sie es.«

Mary hatte sie nicht darauf hingewiesen, dass heutzutage jeder Schwarz trug. Sie verdrehte auch nicht die Augen, als Angelina ihr erzählte, drei Tage vor dem Tod ihres Mannes - an dieser Stelle bekreuzigte sie sich und spuckte anschließend in ihre Handfläche - habe ein Hund vor ihrem Apartment gestanden und gejault. »Ich hab gewusst, dass der Tod nah ist«, sagte sie. Außerdem seien zwei weitere Männer in der Nachbarschaft in den vergangenen Monaten gestorben. »Der Tod«, hatte sie erklärt, »kommt immer dreimal.« Angelina kannte ein ganzes Repertoire an Zeichen - Träume von klarem Wasser und ausfallenden Zähnen, tote Vögel auf der Türschwelle, Gänsehaut, obwohl es warm und windstill war.

Aber Mary hatte nichts dergleichen erlebt. Keine Träume oder tote Vögel oder heulende Hunde. Bei ihr war es ein typischer Tag gewesen. Ein guter Tag. Trotz ihrer fünf Jahre trank Stella jeden Morgen und abends vor dem Schlafengehen einen Milchschoppen - ein Geheimnis, das sie eisern vor ihren Kindergartenfreunden bewahrte. Dylan trug die vergnügt und schläfrig an ihrer Flasche nuckelnde Stella zu ihnen ins Bett, wo sie sich zusammenkuschelten; Mary und Dylan lasen Zeitung, während Stella sich eine Folge der Sesamstraße ansah.

Wenn Stella munter wurde und begann, Dylan zu kitzeln, wussten sie, dass es Zeit zum Aufstehen war. Mary wünschte, sie könnte sich erinnern, was sie an diesem letzten gemeinsamen Morgen gefrühstückt und worüber sie sich unterhalten hatten. Aber dieser Morgen war so alltäglich gewesen, dass sie sich an diese Details nicht mehr erinnern konnte.

Sie wusste noch, dass Stella Ringelstrumpfhosen, gepunktete Clogs und einen zu langen, ebenfalls gestreiften Pullover angehabt hatte. Aber nur, weil diese Kleider auf einem zerknüllten Haufen lagen, als sie nach Stellas Tod aus dem Krankenhaus kamen, genau dort, wo Stella sie zurückgelassen hatte, als sie zu Bett gegangen war. Sie wusste es, weil sie die Sachen tagelang mit sich herumgetragen und die Nase darin vergraben hatte, um den letzten Hauch von Stellas Kleinmädchenduft in ihre Lungen zu saugen.

Dylan war auch an diesem Morgen früh aufgebrochen, während sie Stella für die Schule fertig gemacht hatte. Er hatte wie immer beiden einen Kuss auf den Scheitel gedrückt. »Nicht gehen, Daddy!«, schrie Stella jedes Mal und schmollte, was Mary immer ein klein wenig eifersüchtig machte. Es stimmt, dachte sie, dass der Elternteil, der sich am meisten ums Kind kümmert, es durch die Gegend fährt, bekocht und badet, nie die meiste Zuneigung bekommt.

Natürlich plagte sie jetzt ein schlechtes Gewissen, weil sie gewiss ärgerlich über Stellas Trödelei an diesem Morgen gewesen war. Stella war eine kleine Trödlerin, die sich allzu leicht vom Anblick ihrer vergessenen Gummistiefel oder irgendwelchen Punkten auf einem ihrer Bilder an der Kühlschranktür ablenken ließ. Selbst während Mary sie zur Eile antrieb, summte und bummelte Stella herum und grinste ihre Mutter an, wenn sie versuchte, sie möglichst zügig in den Wagen zu verfrachten. »Wir kommen zu spät«, hatte Mary wahrscheinlich auch an diesem Morgen gemurmelt, weil sie wie üblich spät dran waren. Und Stella hatte wahrscheinlich »Hmhm« gesagt und weitergesummt.

Auch an diesem Morgen hatte Mary Halt gemacht, um einen Kaffee z

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