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Die Glücksagentur von Fouchet, Lorraine (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.03.2019
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Die Glücksagentur

Juliette ist 29 und Journalistin. Und sie hat die Nase voll: der Chef, der Job, das Liebesleben - alles andere als erfreulich. Sie wirft alles hin, um in Südfrankreich im Dorf ihrer Kindheit einen beruflichen Neustart zu wagen. Ein charmantes, aber heruntergekommenes Schulgebäude wird mit fantasievoller Tatkraft zum Domizil ihrer Agentur für alle, die mit einer räumlichen Veränderung ihrem weiteren Lebensglück auf die Sprünge helfen wollen. Die Agentur findet bald großen Anklang - und Juliette sich selbst und die Liebe. Lorraine Fouchet, geboren 1956, arbeitete als Ärztin, ehe sie sich ihren Traum erfüllte und sich ganz dem Schreiben widmete. Mittlerweile ist sie erfolgreiche Autorin zahlreicher Romane. Sie lebt in der Nähe von Paris und auf der bretonischen Île de Groix, atmosphärische Schauplätze vieler ihrer Geschichten.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 349
    Erscheinungsdatum: 29.03.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732544868
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: L'agence
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Die Glücksagentur

1

O hne anzuklopfen, betrat Juliette das Büro ihres Chefredakteurs Loic. Sie mochte den großen Raum und die Regale aus hellem Holz mit den vielen Büchern ringsum. Das Parkett roch angenehm nach Wachs. Der Schreibtisch war mit zahllosen Papieren, Notizen und Artikeln bedeckt. Der durchsichtige Laptop hob sich deutlich von dem harmonischen Ensemble aus Holz, Leder und Papier ab. Zwei Ledersessel standen zu beiden Seiten des niedrigen Sofatischs.

Loic, ein freundlicher Mann mit kahlem Kopf, sah auf die Uhr: Es war genau zwölf.

"Zwei Jahre bist du jetzt meine rechte Hand, und du bist nach wie vor pünktlich, auch wenn wir mit der Redaktionskonferenz immer zu spät beginnen", bemerkte er amüsiert.

Juliette lächelte ihm zu.

"Ich lasse die Leute nicht gerne warten. Ist das ein Verbrechen?"

"Soweit ich weiß, nicht", sagte Loic. "Genauigkeit ist eine verbreitete Gewohnheit. Bei manchen wird sie schon zur Besessenheit."

"Und du findest, bei mir ist das so?"

"Ja, du könntest für die nächste Ausgabe ein Dossier zu dem Thema vorbereiten. Käme bestimmt gut an."

"Da kann ich mir Spannenderes vorstellen", meinte sie. "Wie geht es deinem alten Hund?"

"Er ist in bester Form."

Wie jede Woche setzte sie sich genüsslich in einen Sessel, um die neuesten Zeitungen durchzublättern, die sich auf dem niedrigen Tisch stapelten. Die beiden sahen sich freundlich an. Die Minuten vor der Redaktionskonferenz waren immer ein schöner Moment. Sie verband eine tiefe Freundschaft, Respekt und Vertrauen. Loic war ein Junggeselle um die sechzig. Er mochte Juliettes Intelligenz und ihren Humor. Ihm gefiel, dass sie nie den Überblick verlor, ein Gespür für Texte hatte, er mochte ihre Begeisterungsfähigkeit und ihr Aussehen. Er wunderte sich immer wieder darüber, dass er sich einer viel jüngeren Frau, die so ganz anders war als er, so verbunden fühlte. Sie gefiel ihm, das war offensichtlich. Aber ihr tiefes Einvernehmen schloss jedes andere Verhältnis aus. Sie war für ihn die Frau und zugleich die Tochter, die er niemals haben würde. Dass er für sie ein Ersatzvater war, hatte sie ihm nicht verraten.

Juliette Forestier hatte beim Radio angefangen, wo sie für Sendungen über Alltag und Haushalt zuständig gewesen war. Sie hatte sich weiterentwickelt und arbeitete nun bei der Frauenzeitschrift. Sie hörte lieber zu, als selbst zu reden, doch wenn sie ihre Meinung äußerte, dann war Loic stets von neuem erstaunt über ihr Fingerspitzengefühl. Sie wusste so gut wie immer, was zu tun, zu sagen und zu entscheiden war; nur bei ihren Händen nicht. Sie steckte sie in die Tasche oder verschränkte die Arme, weil sie es nicht lassen konnte, an den Nägeln zu kauen.

Bald würde sie dreißig sein. Sie war blond, schlank, charmant, hatte einen tänzelnden und leichten Gang, einen breiten Mund und ständig zerzauste Haare. Am liebsten trug sie Leinenkleidung, Mokassins, meistens in kämpferischem Rot. Ihre schwarzen Augen hatten kleine Goldsprenkel, und Loic hätte sie sich gerne mit einer Lupe angesehen. Wenn er sie hätte beschreiben sollen, hätte er geschworen, dass ihre Augen leuchteten. Heute sahen sie besorgt aus.

"Hast du ein Problem?", fragte er. Sie nickte.

"Ich war gestern mit Aurélien beim Diabetesspezialisten. Er wird sich sein Leben lang drei Mal am Tag Insulin spritzen und streng Diät halten müssen."

Seit die Krankheit diagnostiziert worden war, war ihr Sohn bei mehr Ärzten gewesen als Juliette in ihrem ganzen Leben.

"Er ist doch erst zehn Jahre alt", seufzte sie. "Im Moment sieht er das alles noch als ein Spiel an. Aber kannst du dir das vorstellen? Sich jeden lieben Tag irgendein Zeug spritzen zu müssen, wo immer du bist, was immer du tust?"

"Tausende von Diabetikern haben gelernt, damit zu leben."

"Ich bin mir nicht so sicher, dass sie das so leichtnehmen."

Verzweifelt legte sie die Zeitungen beiseite.

"Er

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