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Die Glückseligkeit des Himmels Geschichten aus dem Leben von Kraemer, Katharina (eBook)

  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Die Glückseligkeit des Himmels

Ein ganzes Dutzend Kurzgeschichten aus dem Leben, denen der Tod und auch die Sehnsucht nach beidem nicht fremd sind. Eine Enkelin als einsame Retterin in der Not, eine Selbstmörderin trifft auf ihren Widersacher. Der Leser begleitet vier Engel mit Leintuch bei der Arbeit und noch Vieles mehr. Findet sich himmlische Glückseligkeit da, wo man sie am wenigsten vermutet, oder doch auf Erden? Ein Buch mit nachdenklich stimmenden, so doch humorvollen Geschichten für jeden Stundenschlag. Geboren 1964, aufgewachsen am Niederrhein, lebt die Autorin mit ihrer Lebenspartnerin und zwei Hunden heute im Süden Ungarns. Eine Vielzahl an Geschichten ist entstanden, mal nachdenklich, mal humorvoll. Inzwischen sind vier Bücher erschienen, darunter zwei Kinderbücher. Oma Marthas Märchenbuch und Der Bläuling und die Wasserjungfer, sowie der autobiografischer Roman Cabo da Roca - Fels der Entscheidung und eine gute Handvoll Kurzgeschichten aus ihrer neuen Heimat Ungarn.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 200
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783744806817
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 1454kBytes
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Die Glückseligkeit des Himmels

Johann

Johann trat unzufrieden vom Schreibpult zurück und ging hinüber in sein Schlafgemach. Er legte seufzend den Rock ab und seine knielangen Hosen über den Stuhl. Da erhaschte er einen Blick auf sein Konterfei im Spiegel über der Waschschüssel.

"Du siehst alt aus, mein Freund", rief es ihm zu, "nicht mal vierzig, blass und an den Schläfen schon grau. Was ist bloß aus dir geworden? Eine Reise wird dir guttun. Du solltest auf Göschens Angebot eingehen und Urlaub machen. Italien ist im Herbst besonders schön."

Johann nickte bedächtig und wenig erstaunt. "Vielleicht hast du recht", antwortete er tonlos.

Seine administrative Tätigkeit auf dem herzoglichen Parkett war ihm lästig geworden, auch seiner Beziehung zu Christiane fehlte das Romantische, obwohl die Liebe doch groß war. Und die Poesie? Johann erinnerte sich an die Worte, die er seinem Namensvetter Johann Wilhelm Tischbein, der unter Freunden nur den Spitznamen Goethe-Tischbein trug, Jahre zuvor geschrieben hatte: Meine Schriftstellerei subordiniert sich dem Leben. Leider, fügte er in Gedanken hinzu, aber das muss ja nicht so bleiben.

Zu einer Reise durch Italien entschlossen, ließ Johann tags darauf durch seinen Sekretär beim Herzog Urlaub ankündigen und entkam inkognito mit der Postkutsche Richtung Süden. Ab Verona nahm er das Schiff nach Venedig, weil ihm die Kutsche nicht komfortabel genug war. Zudem kam er so schneller voran. Es drängte ihn fort.

Kaum abgelegt, bemerkte er zwei Mönche hinten beim Ruderstand. Sie mühten sich, die Fragen des Steuermannes zu verstehen, der immer wieder das Wort an sie richtete. Sie werden kaum Konversation machen können, schmunzelte er bei sich und gesellte sich zu ihnen.

Sie erklärten, weiter gen Rom reisen zu wollen, um nach dem Hohen Fest zu Ostern wieder kehrt zu machen. Zu ihrer wenigen Habe zählte eine Blechdose, in der sie Nähzeug für notwendige Reparaturen verwahrten, und eine Schüssel für Almosen. Beides hing am Gürtel der Kutte.

"Die Frömmigkeit in katholischen Landen ist eine recht eigenwillige. Sie behandeln uns oft wie Landstreicher", schimpfte der Ältere. "Da sind wir bei Protestanten weitaus willkommener. Besonders die Frau eines Landgeistlichen in Schwaben ist uns wohl in Erinnerung. Sie überzeugte ihren widerstrebenden Mann, uns etwas zu essen zu geben. Diese Frau schließen wir seither täglich in unsere Gebete ein und bitten Gott, dass er ihre Augen öffne, wie er ihr Herz für uns geöffnet hat. Er möge sie, in den Schoß der alleinselig machenden Kirche aufnehmen. Und so hoffen wir, ihr im Paradies zu begegnen."

Johann zweifelte, dass dies gelingen mochte. Mit einem freundlichen Lächeln dankte er den beiden Mönchen, ihm die Passage so kurzweilig gestaltet zu haben.

-

Über Venedig thronte die Sonne. Sein Blick ging aus dem Fenster seines noblen Quartiers auf den schmalen Kanal zwischen den hohen Häusern unweit des Markusplatzes. Der Duft des Südens füllte seine Lungen und befriedete sein Herz.

"Eine Zeit lang mag ich mir das trefflich vorstellen", mutmaßte er, "nirgends fühlt man sich einsamer als im Gewimmel, hier kennt mich vielleicht nur ein Mensch, und der wird mir nicht gleich begegnen."

Es drängte ihn hinaus.

Sein Mantel wehte lebhaft um die Beine, während er kurze Zeit später den Platz überquerte. Die herrschaftlichen Fassaden rahmten den freien Blick auf die Lagune. Er betrat die Terrasse einer Taverne und setzte sich an einen der Tische, die in der Sonne standen. Seine Gedanken folgten seinem Blick, der unstet alles um ihn herum aufnahm. Die Menschen auf dem Platz, die lichten Fassaden und das Glitzern der Sonnenstrahlen auf den Wassern.

Plötzlich wurde er aus seiner stillen Betrachtung gerissen. Ein Mann - wohl Franzose mit Pariser Zungenschlag - versuchte, mit ungelenken Worten, einen Kaffee zu bestellen.

Er scheint gut in den Fünfzigern, bemerkte Johann still amüsiert, ein Mann von sehr

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