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Die Grünen Roman von Ivaskevicius, Marius (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.02.2014
  • Verlag: Athena Verlag
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Die Grünen

"Über den Krieg zu schreiben, wenn man das Schießen nur vom Schießstand her kennt, fällt nicht leicht. Genau genommen fällt es genauso schwer, wie an das Leben im Bunker zu denken, während man in der Dreizimmerdachwohnung am PC sitzt und schreibt. Wozu dann das alles? Ich fand Gefallen an diesem Krieg. Ich stellte fest, dass sich Heldentum und Niedertracht, Mut und Feigheit in etwa die Waage hielten. Die Vaterlandsliebe vermochte die Liebe zur Frau nicht auszutilgen. Allein Tod gab es ein wenig mehr als Leben. Den verängstigten Soldaten empfand ich als lebendiger als den furchtlosen, den verwirrten als wahrhaftiger als den zu allem entschlossenen. Deshalb sind meine Helden etwas Held und etwas Lump, manchmal Monster und manchmal Verlierer. Ich habe ihnen kein brüderliches Grab ausgehoben, sondern nur einen einfachen gemütlichen Erdbunker, in dem sie hoffentlich noch eine Weile leben."

Marius Ivaskevicius ist Vertreter der jüngsten Schriftstellergeneration Litauens und gilt als einer der bedeutendsten Gegenwartsautoren seines Landes. Bisher erschienen acht Bücher, von denen einige in verschiedene Sprachen übersetzt wurden. Er ist als Journalist, Prosa- und Drehbuchautor, Dramatiker und Regisseur tätig und lebt und arbeitet in Vilnius.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 313
    Erscheinungsdatum: 28.02.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783898968508
    Verlag: Athena Verlag
    Größe: 1340 kBytes
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Die Grünen

Einleitung
Egal, wo man anfängt, es ist und bleibt verworren. In der Natur existieren unzählige Farben und Farbtöne. Und es gibt keine einzige Farbe, um die noch nie Krieg geführt worden wäre. In diesem Krieg nun kämpften – ganz allgemein gesagt – die Menschen für Grün. Die Farbe unserer Wälder. Am heftigsten bekriegten sie Rot. Die Farbe des Blutes unserer Feinde. Obschon manchmal auch Gelb gegen Grün verteidigt wurde. Auch das kam vor.
Außerdem führten sie noch Krieg für ihre Überzeugung, dass sie die Freiheit verdient hätten, gegen die Überzeugung der anderen, dass dem nicht so sei. Doch das ist zu weit gefasst.
Das Ganze begab sich um die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts. Auch als goldenes Zeitalter bezeichnet. Doch auch wenn die Oberfläche eines Dings schmuck glitzert, ist dessen Inneres nicht selten verrottet. Sie lebten tief im Inneren dieses "Dings", des zwanzigsten Jahrhunderts, und wussten nichts von dessen Glanz.
Am Anfang war die Geografie weiträumig. Denselben Krieg führte eine große Anzahl Menschen von der Ukraine im Süden bis nach Estland im Norden. Doch schließlich waren sie allein.
Sie waren ganz einfach von der fixen Idee besessen, ihren eigenen Staat haben zu wollen. Sie hatten ihn zwanzig Jahre lang zwischen den beiden Weltkriegen gehabt, überdauerten den Zweiten Weltkrieg geduldig und waren an dessen Ende ganz erstaunt, dass man ihnen ihren Staat nicht zugestand.
Das war dasselbe, wie den Wellen beim Überfluten der Brücke zuzusehen. Man weiß doch, sie würde, wenn die Wellen sich zurückziehen, noch da sein.
Genau gesagt waren sie Litauer – ein Volk nördlich von Polen und südlich von Riga – und machten alles verkehrt. Sie ergaben sich, wenn sie kämpfen sollten. Und als die Zeit kam, um Frieden zu schließen, griffen sie zu den Waffen.
Der Charakter des Krieges ist vertikal. Normalerweise führen die Menschen so Krieg: Sie stellen ihre Einheiten unter ihrer Farbe auf und schicken sie gegen die andere Farbe, die anderen Einheiten. Doch das ist ein horizontaler Krieg. Wären diese Einheiten in einem Wolkenkratzer, sagen wir mal vom dreißigsten bis zum achtundfünfzigsten Stock aufgestellt, entdeckten die feindliche Fahne zwischen dem ersten und dem neunundzwanzigsten Stock und erhielten darauf den Befehl zum Angriff – das wäre ein Krieg, den man vertikal nennen könnte. Die Gefechte fänden im Treppenhaus statt.
Sie hatten keine Wolkenkratzer. Die Armeen waren dennoch auf zwei verschiedenen Stockwerken aufgestellt. Die feindliche Armee war auf der für Armeen üblichen Höhe stationiert, wo die Menschen ihre Felder bebauten, zu Verabredungen gingen, sich liebten, wenn gerade kein Bett frei war. Die Litauer hatten ihre Armee da aufgestellt, wo man sich niemals liebte, nicht spazieren ging, und begab man sich dahin, dann nur ein einziges Mal und für alle Ewigkeit – wenn der Sarg unten aufgeschlagen hatte.
"Vertikaler Krieg" ist ein selten verwendeter Begriff. Viel häufiger wird dazu Partisanenkrieg gesagt. Doch dieser Begriff ist zu weit gefasst.
Im Sinne der Evolution des Krieges war er ein Rückschritt. Das von den besten Strategen und den neuesten Waffen verwöhnte Europa hätte wohl kaum gedacht, dass an seinen Rändern ein veralteter Krieg ausbrechen könnte, in dem man auf die neuesten Erfindungen pfiff. Die liegengebliebenen leichten Waffen sämtlicher durchmarschierter Armeen wurden sorgfältig eingesammelt. Darauf wurde mit ihnen noch ein gutes Jahrzehnt erbit

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