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Die Grille Ein ländliches Charakterbild von Birch-Pfeiffer, Charlotte (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 07.07.2016
  • Verlag: Nexx
eBook (ePUB)
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Die Grille

Ein besonderer Publikumserfolg war das Mädchenschauspiel "Die Grille" (1856), welches auf einer Erzählung George Sands basiert und den Leser in das ländliche Frankreich entführt. Erzählt wird die Geschichte der jungen Fanchon, ein armes und geächtetes Waisenmädchen, dem es dennoch gelingt, die Herzen der beiden wohlhabenden Bauernjungen Landry und Didier zu erobern ... Die schreibende Schauspielerin Charlotte Birch-Pfeiffer (1800-1868) aus Stuttgart beherrschte mit Ihren Stücken das deutschsprachige Theater des 19. Jahrhunderts. Neben einigen selbst erdachten Dramen widmete sie sich vor allem der Neufassung literarischer Klassiker, die sie in einer modernen Version auf die Bühne brachte, so zum Beispiel "Der Glöckner von Notre Dame" (nach Victor Hugo) und "Die Waise aus Lowood" (nach Charlotte Brontë).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Erscheinungsdatum: 07.07.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783958705999
    Verlag: Nexx
    Größe: 248kBytes
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Die Grille

Erster Aufzug

Wohlhäbiges Bauernzimmer

Mitteltür. Seitentür rechts. Rechts hängt eine große Schwarzwälder Uhr, darunter steht ein Tisch, mit bunter Decke bedeckt. Links vorn ein Fenster, das offen steht. Rechts und links im Vordergrund Holzstühle und ein Schemel

Rechts und links wird vom Schauspieler aus angenommen

Erster Auftritt

Mutter Barbeaud. Vater Barbeaud

Mutter

(in der Tracht einer reichen Bäuerin, steht am Fenster links vorn und sieht hinaus, ist in großer Unruhe) Es rührt sich nichts, kein Landry und kein Didier zu sehen! Mein Gott, welches Leid bereitet mir der Junge!

Vater

(stattlicher Sechziger, reicher Bauer, Hauskleid, aus einer kurzen Pfeife rauchend, kommt aus der Seitentür rechts) Na, Mutter, dein Nesthäkchen noch nicht da?

Mutter

Ach lieber Gott - nein! Der Landry ist nun wohl eine Stunde nach ihm aus - er scheint ihn auch nicht zu finden!

Vater

(setzt sich auf den Stuhl rechts) Tue nur nicht so jammervoll, Mutter, als ging's ans Leben! Der Didier ist ein eigensinniger Schlingel - wer weiß, was für eine Narrheit dem Jungen wieder im Kopf steckt.

Mutter

(die Hände faltend) Das ist's ja eben. Fortbleiben, einen ganzen Tag! Hat man so etwas schon von dem sanften jungen Blut erlebt?

Vater

(ärgerlich) Aber was ist denn eigentlich vorgegangen?

Mutter

Weiß ich's? Didier war schon lange still und traurig, er konnte sich nicht darein finden, dass sein Bruder Landry bei dem Vetter Caillard in der Priche arbeitet und nicht mehr bei uns wohnt. Die Leute hatten recht, die immer sagten: " Zwillinge dürfe man nicht trennen."

Vater

(beständig rauchend) Bah, das ist dummes Zeug! Zwillinge sind Menschen wie alle anderen und müssen deshalb leben lernen wie die anderen. Darum tat ich auf des Herrn Pfarrers Rat die Bursche auseinander, da sie nun schon mannhafte Kerls sind - mussten sich endlich einmal an Trennung gewöhnen. Der Landry ist ein tüchtiger Bauer, wie es unser Schlag immer war; aber der Didier ist ein schwächliches verzogenes Milchgesicht, das sich einbildet: Jeder soll ihm zu Willen sein!

Mutter

(eifrig) Und wer denn hat ihn verzogen?

Vater

(bläst den Rauch von sich) Na, wir haben beim Verziehen beide unsere Schuldigkeit getan. (Ungeduldig) Aber ich weiß deshalb noch immer nicht - warum er seit gestern nicht zum Vorschein kam.

Mutter

(verzweifelt) Ich weiß es ebenso wenig! Er war gestern Abend ganz froh und rüstig zur Priche hinüber gegangen, um Landry heimzuholen zum Saint-Andoche-Fest. Didier kam spät, als du schon schliefst, zurück; er war still und blass - und ich sah, dass er geweint hatte; ich frug, wo der Landry bleibe? "Hat noch Arbeit, kommt erst morgen Abend heim!", damit ging er nach seiner Kammer. Heute mit dem Frühesten war er fort - diesen Mittag kam er nicht zu Tisch heim. Der alte Pierre sah ihn zur Binsenwiese die Schlucht hinabgehen - seitdem weiß niemand, wo er geblieben.

Vater

(seine Unruhe verbergend) Nun, und was meinte denn der Landry, als der heute von der Priche kam?

Mutter

Er erschrak, dass er blass wurde, und als ich sagte: "Ist etwas vorgefallen, habt ihr euch vielleicht gezankt?" - wurde er blutrot und rief: "Mutter, werde ich mich mit meinem Zwillingsbruder zanken?" Dann lief er ganz desperat fort, ihn zu suchen und -

Zweiter Auftritt

Die Vorigen. Der Zwilling Landry, ein blühender Jüngling, in reicher kleidsamer Bauerntracht, sehr nied

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