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Die große Gauklerin Ein Roman aus Venedig von Brachvogel, Carry (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.08.2015
  • Verlag: RUTHebooks
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Die große Gauklerin

Carry Brachvogel - Die große Gauklerin

'Die große Gauklerin' ist ein Roman der Autorin Carry Brachvogel.

'Wie der Graf Ettore Priuli die Treppen des Hotel Danieli herunterging, kam er sich gedemütigt und lächerlich vor. Er mußte sich Gewalt antun, um die sorglose Haltung, die scharmante Liebenswürdigkeit des Gesichtsausdruckes zu wahren, die ganz Venedig an dem schönen Priuli kannte. Trotz aller Anstrengung blieb aber sein Lächeln gezerrt, und seine Augen funkelten in trübem Dunkel, wie von verhaltenem Zorn. Er ging ganz langsam, Stufe für Stufe, als wolle er so lange wie möglich den Augenblick verzögern, der ihn aus der dämmerigen Kühle, aus der verantwortungslosen Untätigkeit des scheidenden Besuchers hinausführte auf die Riva degli Schiavoni. Er verzögerte sich geflissentlich, blieb einmal stehen, um von seinem weißen Sommeranzug ein paar Stäubchen wegzublasen, die gar nicht vorhanden waren, betrachtete dann wieder aufmerksam, mit leicht gerunzelter Stirn seine hellen Schuhe, als ob er an ihnen einen Mangel entdeckte, obschon sie so tadellos waren, als hätte der Schuster sie erst vor einer Stunde abgeliefert. Als die Treppe dann endlich doch hinter ihm lag, wechselte er noch, scheinbar interessiert, mit dem ergebend dienernden Portier ein paar Redensarten über das schöne Weiter und das gute Trinkwasser, das man, dem Himmel sei Dank! in Venedig hatte, wenn es sich auch freilich nicht mit dem Wasser von Rom vergleichen ließe. Nun war aber auch die letzte Möglichkeit geschwunden, noch länger herumzutrödeln, und er stand draußen auf der Riva, die heiß und hell im Glanz eines Junitages dalag ...'

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Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 300
    Erscheinungsdatum: 01.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783959231763
    Verlag: RUTHebooks
    Größe: 363kBytes
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Die große Gauklerin

Erstes Kapitel

Wie der Graf Ettore Priuli die Treppen des Hotel Danieli herunterging, kam er sich gedemütigt und lächerlich vor. Er mußte sich Gewalt antun, um die sorglose Haltung, die scharmante Liebenswürdigkeit des Gesichtsausdruckes zu wahren, die ganz Venedig an dem schönen Priuli kannte. Trotz aller Anstrengung blieb aber sein Lächeln gezerrt, und seine Augen funkelten in trübem Dunkel, wie von verhaltenem Zorn. Er ging ganz langsam, Stufe für Stufe, als wolle er so lange wie möglich den Augenblick verzögern, der ihn aus der dämmerigen Kühle, aus der verantwortungslosen Untätigkeit des scheidenden Besuchers hinausführte auf die Riva degli Schiavoni. Er verzögerte sich geflissentlich, blieb einmal stehen, um von seinem weißen Sommeranzug ein paar Stäubchen wegzublasen, die gar nicht vorhanden waren, betrachtete dann wieder aufmerksam, mit leicht gerunzelter Stirn seine hellen Schuhe, als ob er an ihnen einen Mangel entdeckte, obschon sie so tadellos waren, als hätte der Schuster sie erst vor einer Stunde abgeliefert. Als die Treppe dann endlich doch hinter ihm lag, wechselte er noch, scheinbar interessiert, mit dem ergebend dienernden Portier ein paar Redensarten über das schöne Weiter und das gute Trinkwasser, das man, dem Himmel sei Dank! in Venedig hatte, wenn es sich auch freilich nicht mit dem Wasser von Rom vergleichen ließe. Nun war aber auch die letzte Möglichkeit geschwunden, noch länger herumzutrödeln, und er stand draußen auf der Riva, die heiß und hell im Glanz eines Junitages dalag.

Ettore Priuli zog einen kleinen, bunten Papierfächer aus der Brusttasche seines weißen Jacketts und begann sich zu fächeln, obgleich er die Hitze gar nicht stark empfand. Er fächelte sich nur gewohnheitsmäßig und weil es ihm angenehm war, den nervösen Ärger, den diese letzte Stunde ihm bereitet hatte, durch eine regelmäßige, wenn auch geringfügige Bewegung zu entladen. Er stand da, fächelte sich, biß ein paarmal die Unterlippe und fluchte in seinem Innern alle Flüche, deren die italienische Sprache fähig ist. Er stand, blickte unschlüssig bald vor sich hin, bald auf die Lagune, ob seine Gondel nicht käme. Zuckte ärgerlich mit den Achseln und hätte am liebsten über sich selbst gelacht; denn wie konnte er jetzt, da es just vier Uhr war, die Gondel erwarten, die er doch mit Vorbedacht erst für fünf Uhr bestellt hatte! Nun, dieser Nachmittag oder vielmehr diese eben abgelaufene halbe Stunde in dem eleganten Ecksalon des Hotel Danieli hatte ihn schwerer geschädigt als nur mit der Wartezeit auf eine Spazierfahrt, hatte ihm alles eingerissen, was schon so sicher aufgebaut schien, alle Zukunftshoffnungen vernichtet, deren Glanz ihn schon entzückt hatte, warf ihn, der sich bereits am Ziel glaubte, wieder ins Ungewisse zur Jagd nach dem Glück zurück, deren er doch schon recht müde war ...

Die Lagune lag starr und grau wie ein rätselvolles Ungeheuer aus östlicher Sage. Auf seinem durchsichtigen Rücken trug es als lichtes Mirakel Venedig, die Schöne, mit ihren weißen und orangefarbenen Palästen, ihren gewaltigen Kuppeln, ihren erzenen Helden, ihren marmornen Loggien und Sinnbildern und dem schwermütigen Flimmern ihrer Goldmosaiken, die gleich einem vom verschollenen Byzanz vergessenen Diadem ihr die Stirne umkränzen. Priuli sah abwesenden Blickes über die Lagune hin, sah in der Ferne den Canal Grande leuchten und den gigantischen, steinernen Leib von Santa Maria della Salute. Da überkam ihn ein plötzlicher Haß auf diese Stadt, auf seine Vaterstadt, die er sonst doch anbetete, wie jeder Venezianer sie anbetet. Sie erschien ihm klein, eng, schmutzig, übelriechend, ein Hemmnis aller Bewegungsfreiheit und aller Glücksmöglichkeiten. Wahrhaftig, anderswo, zum Beispiel in Rom, wäre ihm die letzte halbe Stunde nicht begegnet! Rom hatte eben seinen Hof, sein rauschendes Leben der Aristokratie, gleichviel ob sie sich zur schwarzen oder zur weißen bekannte, die Söhne römis

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