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Die gute alte Zeit, Bürger und Spießbürger im 19. Jahrhundert von Berend, Alice (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.08.2015
  • Verlag: OTB eBook publishing
eBook (ePUB)

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Die gute alte Zeit, Bürger und Spießbürger im 19. Jahrhundert

Alice Berend ( 30. Juni 1875 in Berlin, 2. April 1938 in Florenz) war eine deutsche Schriftstellerin. Berend schrieb seit etwa 1910 eine Reihe von humoristisch bis realistischen Romanen, die häufig im Berliner Bürgertum angesiedelt waren, sowie Kinderbücher. Ihre Personenbeschreibungen brachten ihr den Ruf einer "kleinen Fontane" ein. (Auszug aus Wikipedia)

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 216
    Erscheinungsdatum: 11.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783958640016
    Verlag: OTB eBook publishing
    Größe: 2742 kBytes
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Die gute alte Zeit, Bürger und Spießbürger im 19. Jahrhundert

Zweites Kapitel

Der Stammbaum des Bourgeois beginnt bei den roten Pfählen der Guillotine. Die Gemütlichkeit erwuchs aus blutigem Boden.

Die Revolution am Schluß des 18. Jahrhunderts schuf nominell und allgemein sichtbar den Bourgeois. Daß sein eigentlicher Ursprung viel weiter zurücklag, beweisen MOLIERES Werke. Sein "Geizhals", sein "Eingebildeter Kranker" und sein "Tartüff" sind die Vorfahren des unsterblichen Spießbürgertyps aller Nationen. Molières Genie hatte sie aufgespürt unter Perücke und Ungewaschenheit und auf die Bühne gestellt, nicht richterlich streng, sondern mit dem ganzen Charme altfranzösischer Heiterkeit und der weisen Überlegenheit des Humors. Alle bürgerlichen Stände wurden gefoppt von ihm, dem unbürgerlichsten "Fahrenden", dem Komödianten, Spaßmacher und Dichter, dessen Genie die Kritiker seiner Zeit keineswegs anerkannten, "weil er ein Spaßvogel war, der allem Volk gefiel", der von seiner eigenen Frau betrogen wurde mit jenen "vornehmen Herren der höheren Stände", der von den Kammerdienern Fußtritte erhielt und nächsten Tages doch mit dem König selber speiste, der in den Sielen seines Berufs starb, in der vierten Vorstellung seines "Eingebildeten Kranken", seines letzten Stückes, wo er mit einem Blutsturz zusammenbrach. Das war mehr als hundert Jahre früher, als man die Guillotine errichtete, bei deren Schreckensarbeit die Zuschauer Süßigkeiten und Backwerk knabberten, Wein und Limonaden tranken, die von den fliegenden Händlern wohlfeil und in Massen angeboten wurden. Man könnte sagen, der Place de Grève, der heutige Place de la Concorde, auf dem die Guillotine ihr Schreckenswerk verrichtete, war der erste schauerliche Rummelplatz bürgerlicher Volksunterhaltung. Denn auch die Guillotine selbst ist ein Beweis für die Dämonie, die zwischen dem Ursprung unserer Handlungen und ihrem Weiterwirken waltet. Guillotin, ihr Erfinder, war ein Philanthrop und war bemüht gewesen, eine möglichst schmerzlose Hinrichtungsart zu erfinden. Am 10. Oktober 1789 führte der große Menschenfreund seine praktische Erfindung in einer Sitzung der Nationalversammlung en miniature vor. Das niedliche Instrument gefiel allen. Es wurde sofort Modenovität der Aristokratie. Die Damen trugen goldene zierliche Guillotinen als Ohrgehänge und Vorstecknadeln. Bei den Festessen hatte man auf den feingedeckten Tafeln kleine Guillotinen stehen, um Würste, Geflügel oder Fische damit zu köpfen. Auch auf der Bühne bereicherte sie den Schmuck der Ausstattungsstücke. Im Weihnachtsmonat 1789 war der Clou eines neuen Ballettes in Paris, daß die vier Haymonskinder auf offener Szene ihren Kopf durch die Guillotine verloren. Unter den lachenden Zuschauern war vielleicht mancher, der dieses drollige Instrument auf andere Weise kennenlernen sollte. Kaum drei Jahre später, zur Frühlingszeit, stand die Guillotine mitten in Paris, in voller Tätigkeit.

Immer tanzt die Zukunft schon in irgendeiner Maske durch die Gegenwart. Nur zu oft verkündet sich kommende Tragik im Spiel heiterster Formen.

Das Schauspiel Geschichte läßt seine tragischen Konflikte gern durch eine "heitere Person" anonym voraussagen. Ein Beweis dafür sind Beaumarchais und sein Werk: "Die Hochzeit des Figaro".

Beaumarchais, der Spekulant, der Prozesseur, der immer auf der Woge Zeit Schwimmende, ist ein echtes Beispiel auf dem Weg der bürgerlichen Entwicklung, noch ein Abenteurer, aber nicht schon gehemmt, sondern noch gefördert durch jene Eigenschaften, die in kommenden friedlicheren Zeiten die Schwächen des Spießbürgers werden sollten. Das Leben Beaumarchais' war eine Serie von Gegensätzen. Als Uhrmacher, Waffenhändler, Schiffsbauer, Verleger (und zwar veranstaltete Beaumarchais die erste französische Gesamtausgabe von Voltaires Werken in einer Riesenauflage, die aber ein buchhändlerischer Mißerfolg wurde, obwohl man Voltaire später als den "Dämon der Revolution" zu kennzeichnen versuchte), als Literaturkünstler un

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