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Die Hafenschwester (1) Als wir zu träumen wagten - Roman von Metzenthin, Melanie (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.09.2019
  • Verlag: Diana Verlag
eBook (ePUB)
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Die Hafenschwester (1)

Hamburg, 1892: Die Cholera erschüttert die Stadt an der Elbe und fordert tausende Opfer. Als Marthas Mutter stirbt, muss sie das Überleben ihrer Familie sichern. Die junge Frau aus dem armen Gängeviertel ergattert eine Lehrstelle am Eppendorfer Krankenhaus und arbeitet sich bis zur OP-Schwester hoch. Während die Ärzte sich im Wettlauf gegen die Zeit befinden, ist Hamburg auch im politischen Umbruch: Die Hafenarbeiter streiken, die Frauen kämpfen ums Wahlrecht und für die Rechte von Prostituierten. Martha schließt sich der Frauenbewegung an und führt gleichzeitig ihren ganz persönlichen Kampf. Denn sie hat nicht nur die Liebe zur Medizin entdeckt, sondern - gegen die strengen Regeln am Krankenhaus - auch zu einem jungen Mann ... Melanie Metzenthin wurde 1969 in Hamburg geboren, wo sie auch heute noch lebt und als Fachärztin für Psychiatrie arbeitet. Mit der Vergangenheit ihrer Heimatstadt fühlt sie sich ebenso verbunden wie mit der Geschichte der Medizin, was in vielen ihrer Romane zum Ausdruck kommt. "Die Hafenschwester. Als wir zu träumen wagten" ist ihr erster Roman im Diana Verlag und der Auftakt zu einer Serie.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 464
    Erscheinungsdatum: 09.09.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641243890
    Verlag: Diana Verlag
    Größe: 1592 kBytes
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Die Hafenschwester (1)

3

A nna wurde am Dienstag, dem 23. August 1892, auf dem Friedhof Ohlsdorf beigesetzt. Die Bestattungskosten rissen ein großes Loch in die Familienkasse, aber Anna sollte ein anständiges Grab bekommen. Offiziell war Marthas Schwester an der schweren Verlaufsform eines Eingeweidekatarrhs verschieden, und noch am Montagmorgen war im Altonaer Generalanzeiger vermeldet worden, dass es keinerlei Hinweis auf einen Ausbruch der Cholera in Hamburg gebe.

Im Bleichergang waren am Wochenende hingegen zahlreiche weitere Menschen erkrankt, darunter auch die vorwitzige Frau Sperling, die das Abkochen des Wassers für einen überflüssigen Luxus gehalten hatte. War Anna noch von einem Krankenwagen abgeholt worden, so wurde Frau Sperling bereits zusammen mit drei anderen Erkrankten auf einem einfachen Leiterwagen ins Krankenhaus transportiert. Mit Grausen erinnerte sich Martha daran, wie die Nachbarin kaum noch ansprechbar und, von ihrem eigenen Kot beschmutzt, aus der Wohnung getragen und mit gleichgültiger Grobheit auf den Wagen zwischen die anderen Kranken gelegt worden war. Fast so, als wäre der Leiterwagen kein Krankentransport, sondern ein Leichenkarren, der die sterblichen Überreste einsammelte. Dieser Anblick hatte sich fest in Marthas Gedächtnis eingebrannt und ließ sie nicht mehr los. Er war noch schlimmer als das letzte Bild von Anna, als deren Kopf schlaff zur Seite fiel. Aber Anna hatte trotz allem noch ein Mensch bleiben dürfen, selbst im Tod. Frau Sperling hatte diese Würde bereits zu Lebzeiten eingebüßt ...

Die Stimme von Pastor Gebhard holte Martha in die Gegenwart zurück. Er sprach von dem schrecklichen, viel zu frühen Verlust eines so jungen Lebens. Ihre Mutter schluchzte herzzerreißend, und Martha musste selbst gegen die aufsteigenden Tränen ankämpfen. Seit Annas Tod war ihre Mutter eine gebrochene Frau. Sie sah blass und kränklich aus, und ihre Hände zitterten ständig, sodass sie kaum noch die Nähnadel führen konnten. Sie war mit der Arbeit für Frau Lembckes Weißwarengeschäft in Verzug, aber Frau Lembcke war verständnisvoll gewesen und hatte ihr Beileid zu Annas Tod bekundet.

Während der Pastor weitersprach, fiel Marthas Blick auf eine junge Frau, die etwas abseits bei den Büschen stand, ganz so, als traute sie sich nicht näher an die Gruppe der Trauernden. Sie trug einen dunklen Hut mit feinem Gesichtsschleier, ein dunkles Kleid und elegante schwarze Knopfstiefel, wie Martha sie sich immer gewünscht hatte. Erst auf den zweiten Blick erkannte sie ihre Freundin Milli. Wie anders sie aussah in diesen feinen Kleidern. Fast wie eine Dame, auch wenn sie in den Augen der Leute das Gegenteil einer Dame war. Niemand hätte Milli in dieser Aufmachung angesehen, dass sie noch keine sechzehn war.

Milli hatte Marthas Blick aufgefangen und kam langsam näher.

"Mein herzliches Beileid", flüsterte sie der Freundin zu. "Es ist schrecklich, dass es gerade Anna treffen musste. Da hätte es genügend andere gegeben, die den Tod statt ihrer verdient hätten."

Martha nickte. Sie wusste, dass Milli ihren Stiefvater meinte.

"Und wie geht es dir, Milli?"

"Ganz gut. Wie du siehst, konnte ich mir die Stiefel leisten, die wir beide so sehr bewundert haben."

"Sie sind wunderschön", sagte Martha. "Aber sind sie es wirklich wert?"

Milli senkte den Blick. "Man gewöhnt sich an alles", sagte sie schließlich. "Treffen wir uns morgen Mittag an der Kaffeeklappe? Da können wir reden."

Martha nickte. Die Aussicht, dass sie wenigstens ihre Freundschaft zu Milli bewahren konnte, tröstete sie ein bisschen.

"Ich zieh mich jetzt lieber zurück, ehe ich noch Annas Andenken mit meiner Anwesenheit beschmutze", raunte sie Martha zu. "Wir sehen uns morgen um zwölf."

Bevor Martha antworten konnte, war Milli schon verschwunden. Der Pastor hatte seine Rede indes beendet, und die Anwesenden begannen damit, jeder eine Schippe Erde auf Annas Sa

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