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Die Halbruhigen Roman von Adams, Simone R. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.04.2013
  • Verlag: Aufbau Verlag
eBook (ePUB)
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Die Halbruhigen

Es ist ein besonderer Ort, und er greift mehr als andere in das Leben von Christian Neumanns Familie ein: Ihr Haus steht auf dem Gelände der psychiatrischen Klinik, an der er Ende der siebziger Jahre Chefarzt ist. Seine Kinder sind auf seltsame Weise an den Alltag neben und mit den Patienten gewöhnt. Neumann aber fühlt sich zunehmend gefangen im starren Kliniksystem. Noch immer nutzt man Patienten als billige Arbeitskräfte aus, die Schlafsäle sind überfüllt, die therapeutische Begleitung ist unzureichend. Während er all das in Frage stellt und endlich Reformen durchsetzen will, widerfährt ihm etwas, was er sich weder erlauben noch verzeihen kann. Er verliebt sich in eine Patientin, und alles beginnt ihm zu entgleiten. Dreißig Jahre später kehrt seine Tochter Edith an den Ort ihrer Kindheit zurück. Langsam versteht sie, in welcher Spannung zwischen Sicherheit und Freiheitsbedürfnis sich ihr Vater und alle, die mit ihm in dieser geschlossenen Welt lebten, damals befanden. 'Ein dicht gewebter Text, beeindruckend und bildhaft.' Jury des Werner-Bräunig-Preises

Simone Regina Adams, geboren 1967 im Saarland nahe der deutsch-französischen Grenze, lebt in Freiburg im Breisgau. Nach fünfzehnjähriger Praxis als Psychotherapeutin entschied sie sich, hauptberuflich als Autorin zu arbeiten und Literaturwissenschaft zu studieren. Für den Roman 'Die Halbruhigen' erhielt sie 2011 den Werner-Bräunig-Preis. In der Begründung der Jury heißt es, dass es sich um einen 'sehr dicht gewebten Text aus der Endphase der siebziger Jahre handelt, der uns die fremde Welt der Psychiatrie auf beeindruckende, bildhafte Weise nahebringt'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 271
    Erscheinungsdatum: 10.04.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841205599
    Verlag: Aufbau Verlag
    Größe: 980 kBytes
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Die Halbruhigen

II

Christian sah seinem Sohn hinterher, der durch den Flur zurück ins Esszimmer trottete. Dann schloss er die Tür, um noch einen Moment für sich zu haben.

Er wollte sich nicht verrückt machen lassen.

Das Ganze war unangenehm, peinlich, und vor allem ärgerte es ihn, dass ausgerechnet der Stationsarzt die beiden beobachtet hatte - aber verdammt, es waren Kinder. Tom hatte kaum begriffen, was passiert war, und Luzie überhaupt nicht.

Er setzte sich wieder an den Schreibtisch.

Nein, seine Kinder waren nicht in Gefahr. Es bekam immer jemand mit, was sie im Klinikgelände trieben, und hinterbrachte es ihm, so wie Lüdke, der Stationsarzt, an diesem Morgen. Obwohl Christian es anmaßend, geradezu vertraulich fand, wie Lüdke ihn am Ärmel gezupft und zur Seite gezogen hatte - dennoch, er konnte froh sein, dass er es erfahren hatte. Vor allem, bevor Ada davon wusste.

Denn das eigentliche Problem war Ada.

Nun würde es wieder einmal von vorne anfangen: Vorwürfe. Tränen. Abende, an denen sie so tat, als schliefe sie, wenn er sich zu ihr legte.

Dabei kam ein Umzug einfach nicht in Frage.

Er stützte den Kopf in die Hände.

Ada. Ständig hatte sie neue Wünsche und Ideen; wechselte, wenn nicht gerade die Frisur, dann wenigstens die Marke ihrer Zahnpasta; Kleider, Schuhe wurden angeschafft; Küchengeräte, die noch praktischer waren als jene, die sich bereits in den Schränken stapelten. Ständig mussten Dinge aus- und wieder eingeräumt werden, und wenn sie schon dabei war, stellte sie auch gleich die Möbel um. Immer wollte sie Veränderungen, nichts als Veränderungen - nur damit etwas verändert war!

Er glaubte nicht an einen Umzug. Dass dadurch alles anders, also besser würde.

Es gehe ihr ja nicht nur um die Kinder. Er solle auch mehr Abstand zur Klinik haben. Öfter zu Hause sein. Bloß - wie sollte er öfter zu Hause sein, wenn er dauernd mit dem Auto unterwegs sein müsste? Dieser schlichten Logik war sie nicht zugänglich.

Die Kleinen, Tom und Luzie, könne sie nicht dauernd überwachen. Und mit Edith sei es auch nicht leicht. Drei Kinder, Haus und Garten - Ada war offensichtlich überfordert. Und das, obwohl Inka ihr einmal in der Woche half. Inka war schizophren, medikamentös jedoch gut eingestellt, und sie war zuverlässig. Er zahlte ihr ein großzügiges Taschengeld.

Ada war trotzdem überfordert.

Sie war verwöhnt - er wollte nicht so denken, doch je weniger er es sich erlaubte, desto mehr schien Adas Lamentieren es zu bestätigen. Sie war verwöhnt, empfindlich und labil.

Stets befand sie sich in einem Zustand kurz vor, mitten in oder unmittelbar nach ihrer Periode. Also in einem beklagenswerten Zustand, den er zu berücksichtigen hatte. Ein neurasthenisches Geschöpf mit Schmerzen und Migräne, das bei allem Klagen und Sich-ans-Kreuz-Fassen plötzlich zuschnappen konnte wie eine bissige Stute.

Nun war sie gerade heute einmal gutgelaunt gewesen. Das Essen auf dem Tisch, die Hemden frisch gebügelt - nach dem Bügeln verteilte Ada sie in der ganzen Wohnung; sie hingen am Türgriff, am Knauf der Kommode, sogar an der Stehlampe, die sich unter dem Gewicht der Holzkleiderbügel leicht zur Seite neigte.

Ada behauptete, die Hemden müssten auskühlen. Er hatte keine Ahnung, ob das stimmte oder ob die Zurschaustellung seiner Wäsche nicht viel eher dazu diente, ihm zu demonstrieren, wie viel Arbeit er ihr bereitete, indem er seine Hemden völlig durchschwitzte, manchmal sogar zwei am Tag. Als ob er das absichtlich täte!

Auch jetzt spürte er die feuchte Wärme unter seinen Armen. Am liebsten h&

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