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Die Handschuhmacherin Roman von Martini, Manuela (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.08.2015
  • Verlag: LangenMüller
eBook (ePUB)
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Die Handschuhmacherin

Eleonore, Paula, Tess - Großmutter, Mutter und Enkelin verbindet ein dunkles Geheimnis aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Alles beginnt mit einem Fado-Text, der Tess so fasziniert, dass sie kurzentschlossen nach Lissabon fliegt und der unerfüllten Liebe ihres Großvaters zu einer Handschuhmacherin nachspürt. Der schwermütige Fado und das pulsierende Lissabon - zwei Teile eines Puzzles. Tess will nun alle Bruchstücke zusammensetzen. Wird es ihr gelingen, die wahre Geschichte ihrer Familie aufzudecken? Ihre Suche führt die junge Frau nicht nur bis ans Ende der Welt nach Patagonien, sondern auch zu sich selbst. Ein faszinierender Roman auf unterschiedlichen Zeitebenen und mit wechselnden Perspektiven, die die Autorin meisterhaft verwebt. Manuela Martini, geboren 1963 in Mainz, hat (auch unter den Pseudonymen Lou Peabody und Fran Ray) bereits über 20 Romane, Krimis und Thriller veröffentlicht. 'Die Handschuhmacherin' ist ihr erster Familienroman. Die Autorin lebt seit vielen Jahren in Spanien.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 11.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783784482316
    Verlag: LangenMüller
    Größe: 1139 kBytes
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Die Handschuhmacherin

Patagonien im Sommer

Der Wind ließ die Dachrinne scheppern , ein loses Kabel schlug immer wieder an die Holzwand. Carlos atmete schwer, als er den Oberkörper anhob und sich auf die Ellbogen stützte. In der letzten Zeit schmerzte sein Herz öfter, rief sich in Erinnerung, als sollte er jetzt, am Ende seines Lebens, noch einmal über alles nachdenken. Hatte er nicht schon oft genug über alles nachgedacht, über sechzig Jahre lang? Ein Sonnenstrahl fiel durchs Fenster, ließ den Staub aufblitzen wie Flitter und brannte ein langes Rechteck auf den Holzboden vor dem Ofen.

Mühsam schob er die Beine aus dem Bett. Ganz weiß schauten die Füße unter der dunkelgrauen Schlafanzughose hervor. Er schlüpfte in seine warmen Hausschuhe und stand mühsam auf. Kaffee machen, die elektrische Heizung anstellen, Feuer im Ofen anzünden. Andere in seinem Alter zogen nach Florida und ließen es sich gut gehen. Und er? Bis ans Ende der Welt hatte seine Suche ihn geführt. Patagonien. Einst hatte man Strafgefangene hierher geschickt, heute kamen Touristen.

Er zog den warmen Morgenmantel über, knotete ihn umständlich zu und schlurfte über das warme Lichtrechteck in Richtung Küche. Beim Heizkörper drückte er auf den Knopf, der sogleich rot aufglühte. Den Ofen würde er später anmachen, erst musste er die Asche herausfegen. Ja, er konnte sich noch allein versorgen. Wer in seinem Alter schaffte das schon? Gut, das Essen brachten ihm meist Margarita oder Inez, oder er ging hinüber zu Nicolas. Ein Schmerz in der Brust ließ ihn zusammenzucken. Hatte es letztes Mal nicht auch so angefangen? Und dann war alles ganz schnell gegangen, Atemnot, Herzflimmern, Zuckungen ... Er hatte Glück gehabt, dass es im Hotel passiert war und dann auch noch unten an der Rezeption. Nein, das wollte er nicht noch einmal erleben, die Schmerzen, die Todesangst, er wollte sie nicht wieder sehen, all die Bilder seines Lebens. Sie waren an ihm vorbeigezogen und hatten ihn in Panik versetzt, weil er plötzlich sich und sein Leben begriff und er nichts mehr rückgängig machen, die Zeit nicht um dreißig Jahre zurückdrehen konnte.

Diesmal war es nicht das Herz, ganz bestimmt nicht. Er drehte das Wasser auf, füllte den Elektrokocher und blickte nach draußen. Hinter dem Abbruch der Felsen, kaum dreißig Meter von seinem Haus entfernt, breitete sich das Meer bis zum Horizont aus. Der Wind fuhr in kurzen Schüben darüber hinweg. Es glänzte golden, schon bald würde er den Rand des Feuerballs brennen sehen, der sich aus dem Meer erhob, jeden Morgen wieder ein ergreifendes Schauspiel, das entschädigte für schlaflose Nächte.

Seine Augen waren immer noch gut, er konnte nicht nur die Boote der Fischer erkennen, sondern auch weit draußen die Frachter, die Containerschiffe, die nach Südafrika fuhren oder nach Australien.

Dampf stieg auf, und die Fensterscheibe beschlug. Der Holzrahmen war an der rechten Seite schon ziemlich morsch. Noch einen Winter würde er wohl kaum überstehen. Er müsste Inez fragen, ob sie da was machen könnte. Sie hatte ihm auch das Dach repariert und neue elektrische Leitungen gelegt. Ja, auch den Boiler im Bad hat sie ihm eingebaut, erinnerte er sich. Wie hatte es hier ausgesehen, als er das Haus kaufte! War das wirklich schon siebzehn Jahre her?

Mit einem Klicken schaltete sich der Kocher ab. Er schüttete einen Löffel Instantkaffee in den Becher und goss das kochende Wasser auf, bis der Schaum fast den Becherrand erreichte. Es war ein dünner Kaffee, längst schon trank er keinen starken mehr.

Alles herauskratzen, was sich innen festgesetzt hatte, wie den Ölschlick aus den alten Tanks, weil er sehen wollte, woraus er selbst gemacht war, das hatte er nach seinem Herzinfarkt gewollt. Bis ans Ende der Welt war er gegangen, wollte sehen, was dahinter lag, Gewissheit erlangen und keine Sehnsucht mehr haben. Ein dummer Gedanke. Ein Tank ist ein Tank ist ein Tank. Nicht mehr und nicht weniger. Und die Erde ist nun mal

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