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Die Hebamme und der Gaukler von Maly, Beate (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.06.2015
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Die Hebamme und der Gaukler

1683: Um der gnadenlosen Verfolgung der Kirche zu entkommen, muss die junge Hebamme Anna zusammen mit ihrem geliebten Lorenzo aus Wien fliehen. Auf dem gefährlichen Weg über die Alpen treffen die beiden auf den Gaukler Claudio, der sie bis in die Toskana begleitet. Sie ahnt nicht, welches dunkle Geheimnis der junge Mann vor ihr verbirgt.


Beate Maly, geboren in Wien, ist Bestsellerautorin zahlreicher Kinderbücher, Sachbücher und historischer Romane. Ihr Herz schlägt neben Büchern für Frauen, die entgegen aller Widerstände um ihr Glück kämpfen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 416
    Erscheinungsdatum: 08.06.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843711333
    Verlag: Ullstein
    Serie: Ullstein Taschenbuch 28335
    Größe: 1566 kBytes
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Die Hebamme und der Gaukler

1

Loibltal, November 1683

DER EISIG KALTE WIND WIRBELTE eine weitere heftige Schneeböe auf und trieb die weißen Flocken in die vermummten Gesichter der Reisenden. Dort, wo die Haut frei lag, schmerzten die Eiskristalle wie winzig kleine Messerspitzen.

Anna presste die Augen fest zusammen, bis sie durch ihre dichten Wimpern die Umgebung nur noch erahnen konnte. Aber auch mit offenen Augen hätte sie nicht mehr von der Landschaft sehen können. Tiefhängende graue Schneewolken hielten die Berggipfel rund um den Loibl seit den frühen Morgenstunden umfangen, die Bäume rechts und links vom Weg schienen seit Stunden verschwunden, verschluckt vom Nebel und dem dichten Schneetreiben.

Alles, was Anna erkennen konnte, war Lorenzos hohe Gestalt direkt vor ihr. Außerdem wusste sie, dass ihre Tante Theresa und der zwölfjährige Hannes hinter ihr gingen. Hannes verfügte über viel Ausdauer und Zähigkeit, das hatte er in den letzten Wochen bewiesen. Aber Theresa war nicht mehr die Jüngste. Auch wenn sie es nicht zugeben wollte und trotz der Kälte und des Schnees aufrecht voranschritt, litt sie am Rheuma, und der beschwerliche Weg durch den Tiefschnee forderte ihr viel Kraft ab.

»Wir hätten gar nicht erst losgehen sollen«, murmelte Anna verärgert vor sich hin, aber niemand hörte sie. Sie hatte es bereits nach dem Frühstück gesagt, hatte versucht, die anderen zurückzuhalten, aber weder Theresa noch Lorenzo hatten auf sie gehört. Sie waren in der letzten Woche bereits zweimal in einen Schneesturm geraten, und beide Male waren sie nur knapp dem Tod durch Erfrieren entkommen.

Bevor sie heute Morgen vom Hospiz St. Leonhard aufgebrochen waren, hatte Lorenzo gemeint: »Das bisschen Schnee kann uns nicht aufhalten.« Ein bisschen Schnee! Anna biss sich auf die Lippen. So viel Weiß wie in den letzten Wochen hatte sie in ihrem ganzen Leben noch nie gesehen. Die Orientierung hatte sie schon vor Stunden verloren.

»Lass uns umkehren!«, rief sie wütend. Ihre Stimme wurde vom Wind verschluckt, deshalb zog sie ihren Verlobten am Wollmantel und hielt ihn auf.

»Lorenzo, es hat keinen Sinn, wir kommen nicht weiter. In dem Tempo erreichen wir den Pass niemals vor Einbruch der Dunkelheit.«

Lorenzo blieb stehen und drehte sich um. Seine dunklen Locken klebten nass in der Stirn, und seine hellblauen Augen blickten müde, doch er hätte niemals zugegeben, dass er erschöpft war.

»Pater Michael hat gesagt, dass es ganz in der Nähe eine Hütte gibt, die bewirtschaftet wird. Es kann nicht mehr weit sein.«

»Das sagst du schon seit Stunden, und wer garantiert uns, dass der Weg hier zu dieser Hütte führt?«

Lorenzo verzog den Mund zu einem schiefen Grinsen. »Wohin - wenn nicht zum Gipfel - soll ein Weg führen, der steil bergauf geht?«

»Hört auf zu debattieren und geht weiter!«, sagte Theresa, die näher gekommen war.

Anna rührte sich nicht vom Fleck. »Ich gehe keinen Schritt weiter. Ich will zurück zum Hospiz.«

Hannes war ebenfalls zu ihnen aufgerückt. Er legte seine in Lumpen eingewickelte Hand an die Stirn und drehte sich einmal um sich selbst. »Alles sieht gleich aus. Wo geht es denn überhaupt zurück zum Hospiz?« Er zitterte vor Kälte, und seine Zähne klapperten laut. Angestrengt starrte er in alle Richtungen, aber außer einer dichten Nebelsuppe war nichts zu erkennen.

»Wieder zurück?« Die alte Frau schüttelte entsetzt den Kopf. »Auf keinen Fall! Wir müssen weiter!«

Wegen Theresa war die kleine Gruppe vor über einem Monat heimlich nachts aus Wien geflohen. Nachdem Anna und Lorenzo die alte Hebamme aus dem Stadtgefängnis befreit hatten, hatten sie sich Richtung Süden auf den Weg gemacht. Aber schon kurz hinter der Stadtgrenze hatte sich herausgestellt, dass der bequeme Weg über Ödenburg und Laibach nach Aquileia im Moment zu gefährlich war. Die Bernsteinstraße, eine uralte Handelsroute, die bereits von den Römern

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