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Die Heimkehr der Stellings von Kanitz, Christa (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.02.2016
  • Verlag: LangenMüller
eBook (ePUB)
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Die Heimkehr der Stellings

Die Stellings haben Hamburg verlassen. Christa Kanitz lässt den Leser teilhaben an einer Fülle von dramatischen Ereignissen, die die Lebenswege der Familien nicht nur prägen, sondern auch entscheidend verändern werden. Ihr gelingt eine lebendige Darstellung der Zeit zwischen 1928 und 1948, die zuerst so unbeschwert beginnt, aber dann viel Leid und Trauer mit sich bringt. Doch am Ende siegt die Hoffnung: Das Leben in Hamburg geht weiter.

Christa Kanitz alias Christa Canetta studierte Psychologie und Sozialpädagogik und begann ihre journalistische Laufbahn beim SWR in Baden-Baden. Nach einem längeren Aufenthalt in der Schweiz und in Italien lebt sie nun seit vielen Jahren in Hamburg. Sie schrieb zahlreiche erfolgreiche Romane.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 344
    Erscheinungsdatum: 08.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783784481791
    Verlag: LangenMüller
    Serie: Stelling-Roman Nr.3
    Größe: 771 kBytes
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Die Heimkehr der Stellings

Prolog

L aura von Semisch war eine gut aussehende, hochgewachsene, schlanke Frau. Auf einem Atelierfoto lehnte sie sich aufrecht und stolz an eine kleine Säule. Die weiße Rüschenbluse war bis zum Hals geschlossen, der schwarze Rock bedeckte züchtig die Beine bis zu den Knöcheln, und die vollen brünetten Haare waren einer Krone gleich hochgesteckt. Sie war zwanzig Jahre und ein introvertiertes Geschöpf, unfähig, Gefühle zu zeigen.

Auf dem väterlichen Gut zwischen Stargard und dem Oderbruch aufgewachsen, hatte sie selten Kontakt zu fremden Menschen, denn wenn Gäste die Eltern besuchten, zog sie sich zurück. Sie hatte drei jüngere Schwestern, lebenslustige, wilde Mädchen, die ihr das Leben zur Hölle machten und ihre stille Sanftmut ausnutzten. Gab es Streit, Unfälle oder Klagen der Dienerschaft, so gaben sie ihr die Schuld, und sie wurde bestraft. Ohne Widerspruch nahm sie Stubenarrest und den Unmut der Eltern in Kauf und zog sich weiter zurück. Die Mutter, eine zierliche Frau, litt mit ihr, konnte sich aber gegen ihren herrischen Mann nicht durchsetzen. Er verzieh ihr nie, dass sie ihm vier Töchter anstelle von vier Söhnen geboren hatte.

Erst als Laura achtzehn Jahre alt war, setzte die Mutter durch, dass ihre älteste Tochter in ein Pensionat nach Berlin geschickt wurde, wo sie Haushaltsführung, Fremdsprachen, gutes Benehmen und den Umgang mit fremden Menschen erlernen sollte. Simon von Semisch reiste persönlich in die Großstadt, um Damen-Pensionate zu besichtigen, und erlaubte nach endlosen, harten Diskussionen den Umzug in die preußische Hauptstadt. Schließlich sollten seine Töchter, bisher nur von Gouvernanten erzogen, einflussreiche Männer kennen lernen und eine umfassende Bildung vorweisen können.

Laura begrüßte den Entschluss der Eltern, um endlich den groben Streichen der Schwestern und dem mürrischen Vater zu entgehen, fürchtete sich aber gleichzeitig vor der Fremde, dem Trubel der Hauptstadt, der ganzen, unbekannten Welt, die auf sie einstürzen würde.

In dem Privathaus in Zehlendorf lebten elf weitere Mädchen. Außer zweien kamen alle von Gütern in Pommern. Geführt wurde das Pensionat von Frau von Achenbach, einer Offizierswitwe, die ihre kleine Pension aufbessern musste. Die Lehrkräfte kamen von außerhalb, das Dienstpersonal wohnte im Haus. Für ihre Zimmer und ihre Kleidung mussten die Schülerinnen selbst sorgen.

Laura bekam wie alle ein kleines Einzelzimmer mit Blick auf eine Laubenkolonie. Es gefiel ihr, wurde zu ihrer "Festung", wann immer sie sich von den anderen zurückziehen konnte. Bei den jungen Damen galt sie als hochnäsig und eingebildet, was nicht stimmte. Sie war lediglich scheu und gehemmt. Nur die zwei Töchter der Schauspieler, Maria und Lisa, durch ständigen Wohnortwechsel weltgewandt und reich an Lebenserfahrungen, mochten Laura und nahmen sich insgeheim vor, sie aus ihrer Isolation herauszuholen.

Eines Abends klopften sie an ihre Tür, und als sie öffnete, erklärten sie: "Laura, du musst uns helfen und mit uns kommen."

"Danke für die Einladung, aber wohin denn?"

"Wir haben Freikarten für eine Theatervorstellung am Gendarmenmarkt, und wir wollen meiner Mutter helfen, die Zuschauerreihen zu füllen. Mutter spielt die Hauptrolle in der "Minna von Barnhelm" und hat panische Angst, vor einem leeren Saal zu spielen. Heute ist die Premiere."

"Aber da kommt es doch nicht auf mich an."

"Auf jeden kommt es an. Wir haben schon andere Karten verteilt, wir brauchen einfach alle, die wir bitten könnten. Du tätest uns einen großen Gefallen."

Laura zögerte einen Augenblick, dann sagte sie entschieden: "Danke, ich komme gern mit, wenn ich euch helfen kann."

Es wurde ein erfolgreicher Abend: Für die Schauspielerin, die vor einem vollen Theatersaal spielte, viel Applaus und etliche Blumen bekam, die sie später an die drei Mädchen verteilte, für Maria und Lisa, die ein

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