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Die Henkerin von Köln Historischer Roman von Vom Falkenberg, Peter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.12.2014
  • Verlag: Bergischer Verlag
eBook (ePUB)
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Die Henkerin von Köln

Im ärmlichen Teil der Kölner Südstadt lebt im 13. Jahrhundert die Familie Rheinbeck: Vater Hannes mit seinen beiden Töchtern Gisela und Wiltrud und seinem zehnjährigen Sohn Karl. Hannes gehört dem verfemten Berufsstand der Henker an, der durch Vererbung an den Sohn weitergegeben wird. Er ist der Henker von Köln sowie der Abort-Entleerer, Weiberwirt und Hundeschläger der Stadt. Durch den frühen Tod der Mutter muss die älteste Tochter Gisela schon bald große Verantwortung für die Familie übernehmen. Für ihren Vater arbeitet sie heimlich als Henkersgehilfin. Doch damit nicht genug, stellt sie das Schicksal vor fast unlösbare Aufgaben, als auch ihr Vater Hannes stirbt. Um 1280 spitzt sich der Erbfolgestreit zwischen Graf Adolf V. von Berg und Herzog Johann I. von Brabant gegen die verhassten Gegner, die Grafen von Luxemburg und den Erzbischof von Köln, Siegfried von Westerburg, dramatisch zu. Der Streit gipfelt in der historischen Schlacht von Worringen, die die bergischen Bauern an der Seite der Kölner Bürger durch eine List für den Grafen von Berg entscheiden. Als Gehilfin eines Baders kümmert sich Gisela während der großen Schlacht um die vielen Verletzten und kann ihrem Leben unverhofft eine neue Richtung geben.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 268
    Erscheinungsdatum: 04.12.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783943886825
    Verlag: Bergischer Verlag
    Größe: 4413kBytes
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Die Henkerin von Köln

Kapitel 1

Hannes Rheinbeck wohnte mit seinen beiden Töchtern und seinem kleinen Sohn am Rande der Stadt Köln in einer engen Seitengasse, die bis an die Stadtmauer ging - da, wo das niedere Volk ohne Stand so eben noch geduldet wurde. Jeder Kölner Bürger, der einigermaßen etwas auf sich hielt, versuchte, diese Gasse möglichst zu meiden. Es war die Gasse der Abtrünnigen und Ausgestoßenen; hier wohnte der "Dreck" der Gesellschaft, wie viele Bürger Colonias sagten. Die Bewohner waren zwar geduldet, wurden aber mit einem Tuch der Schande überzogen.

Zu viert teilten sich Hannes und die Kinder die beiden spartanisch eingerichteten kleinen Zimmer. Seit dem Tod seiner Frau musste er seine Familie notgedrungen alleine versorgen, was ihm mal gut, meistens aber weniger gut gelang - aber immer mit enormen Anstrengungen. Wilmas Tod vor drei Jahren hatte ihn sichtlich gezeichnet. Oft dachte er zurück an vergangene glückliche Tage, die sie gemeinsam mit ihren Kindern erlebt hatten. Seine Wilma! Warum nur musste sie ihn und die Kinder so frühzeitig verlassen? Es fiel ihm nicht leicht, den Kindern die Mutter zu ersetzen. Seine Tochter Gisela war im letzten Monat achtzehn Jahre alt geworden und unterstützte ihn seit dem Tod seiner Frau bei der Erziehung der jüngeren Kinder. Sie tat, was ein Mädchen ihres Alters tun konnte, stieß aber dabei an ihre Grenzen. Da waren noch Wiltrud, gerade 14 Jahre alt und in einem schwierigen Alter, und der erst zehnjährige Sohn Karl. Gerade Wiltrud in ihrer pubertären Phase bereitete ihrer Schwester die meisten Sorgen.

Um seine drei Kinder und sich selbst über Wasser zu halten, brauchte er Aufträge, bezahlte Aufträge. Von Privatleuten erhielt er Drecksarbeiten zugewiesen, von den Stadtvätern Arbeiten, die etwas mehr einbrachten für das ärmliche Leben seiner Familie.

Er und seine Kinder führten ein verfluchtes Leben, ein Dasein, das kein richtiges war.

Hannes erinnerte sich noch sehr gut an den Tag vor drei Jahren, als er von der Arbeit nach Hause kam und seine Kinder weinend am Tisch saßen. Wilma lag tot auf ihrem Strohsack, und keiner wusste, woran sie gestorben war. Für die Kinder und ihn war es ein furchtbarer Verlust gewesen, und er hatte alle Hände voll zu tun, seine restliche Familie durchzubringen. Seine älteste Tochter Gisela unterstützte ihn, wo sie nur konnte, und übernahm fast schon eine Mutterrolle gegenüber ihren jüngeren Geschwistern.

Wiltrud und Karl wurden von ihr sorgfältig behütet, sozusagen ersatzbemuttert. Gisela hatte den spärlichen Haushalt und die Sorgepflicht für ihre Geschwister in der Abwesenheit ihres Vaters übernommen. Mit ihrem jüngeren Bruder Karl kam sie gut zurecht, aber ihre Schwester Wiltrud war in einem schwierigen Alter. Das Erwachsenwerden bereitete ihr große Sorgen, auch nörgelte sie ständig nur herum.

Hannes nahm seine Umhängetasche vom Nagel, ohne die er nie sein Haus verließ, und warf sie mit einem gekonnten Schwung über die rechte Schulter.

"Vielleicht gelingt es mir heute, ein paar Pfennige zu verdienen", hoffte er.

"Das wäre vonnöten, Vater! Ich weiß nicht mehr, was ich auf den Tisch stellen soll. Außer Wasser und trockenem Brot ist nichts mehr im Haus", bemerkte Gisela, und fuhr fort: "Unsere Regale - leer, die Tonkrüge - ebenfalls leer. Ich frage mich, wofür wir eigentlich eine Vorratskammer haben. Außer Mäusen, die sich von den letzten Krumen ernähren, ist sie seit Wochen leer."

"Ich weiß, mein Kind! Ich werde mein Bestes geben. Also bis heute Abend", sagte er und verschwand in der verruchten Gasse. In Gedanken versunken machte er sich auf den Weg zu seinem heutigen Arbeitgeber.

Als seine Frau noch lebte, hatte sie für einen kleinen Nebenverdienst gesorgt. Wilma war eine hervorragende Schneiderin und brachte durch Auftragsarbeiten den einen oder anderen Pfennig mit in die Haushaltskasse ein. Als Gläubige und eifrige Kirchgängerin wurde sie auf e

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